Das Jobcenter plakatiert Werbung fürs Bürgergeld – und verhöhnt damit jeden, der hart arbeitet
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Wer hart arbeitet und schon beim Klang des Wortes „Bürgergeld“ Schnappatmung bekommt, der sollte im Sinne seiner Gesundheit jetzt besser aufhören mit der Lektüre. Wer noch einen Grund mehr zum Kopfschütteln braucht: Viel Spaß & gern geschehen.
Kein Scherz: Das Berliner Jobcenter ermuntert die Menschen in der Hauptstadt gerade mit einer großen Werbekampagne dazu, einfach mal durchrechnen zu lassen, ob sich das Arbeiten überhaupt noch lohnt.
Mit frecher Schrift und in grellen Farben ist auf riesigen Plakatwänden zu lesen: „Du findest uns zu bürokratisch. Wir uns auch. Tatsächlich genügt bereits ein Antrag auf Bürgergeld und wir prüfen, auf welche Leistungen du Anspruch hast. Immer menschlich. Immer für dich da. Die Berliner Jobcenter.“
Ein Antrag genügt und das Jobcenter sagt Ihnen (bzw. „dir“, das Amt duzt uns natürlich ungefragt), ob sich der aktuelle Job noch rechnet oder ob der Staat nicht die attraktivere Option für die Deckung der monatlichen Kosten sind. Der Staat als Arbeitgeber, nur ohne Arbeit – einfach mal ganz unverbindlich durchrechnen lassen! Und nicht vergessen: Wenn Sie berechtigt sind fürs Bürgergeld, legt das Jobcenter die Kosten für Miete und Strom noch mal obendrauf. Immer menschlich. Immer für uns da. Viel Glück!
Wahnsinn. Wer kommt auf die Idee, so etwas zu plakatieren?

So wird das Jobcenter: „Tatsächlich genügt bereits ein Antrag auf Bürgergeld und wir prüfen, auf welche Leistungen du Anspruch hast“
Fördern und Fordern isch over
Die SPD wollte mit der Abschaffung von Hartz IV, also dem Arbeitslosengeld II, ein Trauma hinter sich gelassen. Die Partei hat sich nie richtig verziehen, Gerhard Schröders Agenda 2010 wirklich durchgezogen zu haben. Das Leitmotiv hinter Hartz IV war: Fördern und Fordern. Wer keinen Job hat, wird bei der Suche unterstützt – und wer nicht mitzieht, kann sanktioniert werden. Es waren mutige Reformen und schmerzhafte Eingriffe in das Sozialsystem, die gefruchtet haben. Hartzen, das war nichts, auf das die Gesellschaft mit Respekt geblickt hat. Aus Hartz IV wollten die allermeisten ganz schnell wieder raus. Für Deutschland war Hartz IV eine gute Entscheidung.
Aber Fördern und Fordern isch over. Das Leitmotiv des Bürgergeldes ist verhöhnen und verspotten. Anders kann man es nicht mehr nennen. Wer in der deutschen Hauptstadt mit Steuergeldern Werbung für das Bürgergeld plakatiert, verhöhnt jeden, der hart arbeitet.
70 Prozent der Deutschen sagen, dass die Lücke zwischen einem normalen Arbeitseinkommen und der Höhe des Bürgergeldes NICHT groß genug ist, um einen Arbeitsanreiz zu haben. Das zeigt eine Umfrage des Allensbach-Institutes für die FAZ. 70 Prozent! Selbst die absolute Mehrheit der SPD-Wähler empfindet die Höhe des Bürgergeldes als demotivierend (62 Prozent).
Mit dem Bürgergeld hat die SPD es geschafft, sich endgültig von ihrer Kernklientel zu verabschieden: Die Partei des kleinen Mannes wird zur Partei des bequemen Faulpelzes. Statt zur Arbeit zu motivieren, wird Werbung für die Couch oder die Schwarzarbeit geschaltet.
Aber Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und die Chefin der Bundesagentur für Arbeit Andrea Nahles (Heils Vor-Vorgängerin im Ministeramt) verstehen diese Signale offenbar nicht.

Arbeitsagentur-Chefin Nahles und Arbeitsminister Heil
Alleine der Name: Bürgergeld. Es klingt wie ein Job, für den man gerne jeden Tag zu Hause bleibt. „Und, was machen Sie so beruflich?“ „Ach, ich bin Bürger, ich bekomm Bürgergeld.“ „Toll, weiter so!“ Wer geht nach so einem Dialog noch gerne zur Arbeit und zahlt brav die Steuern ins Sozialsystem ein?
Und niemals vergessen: Knapp die Hälfte der 5,5 Mio. Bürgergeld-Empfänger haben keinen deutschen Pass, sind also keine Staatsbürger der Bundesrepublik. Wenn schon Gute-Laune-Name, dann sollte die Ampel das Bürgergeld schnellstmöglich in Jedermann-Geld umbenennen. Klingt nicht ganz so pathetisch, wäre aber ehrlicher.
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