Das linke Lager kollabiert: An diesem 1. Mai ist der Arbeiter ganz allein
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Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit und damit ein sehr guter Tag, um einmal über das nachzudenken, was eigentlich noch links ist in diesem Land.
Ich empfehle Ihnen dazu ausdrücklich das Interview meines Kollegen Ralf Schuler mit Sahra Wagenknecht, sie finden das Video hier. Man muss Wagenknecht weder mögen noch wählen, um anzuerkennen: Diese Frau ist die Ikone der Linken in Deutschland. Und diese Ikone sagt im Gespräch mit NIUS folgendes, ich zitiere die ganze Passage im Wortlaut, weil alles drinsteckt, was man über den Zustand des linken Parteien-Spektrums wissen muss.
„Also ich war lange Zeit eine überzeugte Linke. Für soziale Gerechtigkeit, für die Menschen, die es schwer haben – da halte ich auch das, was Linke fordern, nach wie vor für sinnvoll. Aber das, was heutzutage als links gelabelt wird, das hat mit einem Einsatz für Menschen mit wenig Einkommen eben nichts mehr zu tun. Das sind abgehobene Debatten über irgendwelche Sprachfragen … Über radikalen Klimaschutz, der gerade die Ärmeren am meisten schädigt, wenn alles verteuert wird … Über Migration, offene Grenzen für alle. Wenn das links ist, bin ich keine Linke, weil damit habe ich nichts zu tun.“

Sahra Wagenknecht bei „Schuler – Fragen, was ist“
Gender-Debatte, radikaler Klimaschutz, offene Grenzen – was bei SPD, Grünen und Links-Partei zum Standard-Bekenntnis in der Partei-Führung gehört, ist für die schillerndste Figur der deutschen Linken nicht mehr links.
Es gibt zu wenig normale Linke
Jetzt können sich alle Beteiligten fragen, wer sich verändert hat: Die Bedürfnisse der Wähler – oder das Selbstbild der Parteien. Ich glaube, es sind die Parteien, die sich weg von ihren Wählern entwickelt haben. Und damit auch ein gesamtgesellschaftliches Problem aufmachen.
Es gibt zu wenig normale Linke mehr, denen soziale Gerechtigkeit genauso wichtig ist wie innere Sicherheit und die nicht jeden politischen Schritt mit ihrem ganz eigenen Blick auf den Klimawandel begründen.
Ein Beispiel: „Wir wollen keine Einwanderung in das Sozialsystem.“ Diesen Satz hat Thomas Oppermann, damals Fraktionschef der SPD im Bundestag, im Jahr 2016 gesagt. Oppermann wäre in dieser Woche 70 Jahre alt geworden – der Sozialdemokrat ist vor vier Jahren unerwartet verstorben. Seine Stimme fehlt in der SPD: Ein Genosse, der noch verstanden hat, was einfachen Menschen wichtig ist. Und was nicht.
Ricarda Lang: Millionen Menschen erschuften ihren Lebensunterhalt
Das Gegenbeispiel: „Ein Tag, der mir besonders am Herzen liegt”, sagt Ricarda Lang über den 1. Mai, „der Tag der Arbeit“. Ricarda Lang ist einfaches Mitglied in der Gewerkschaft Verdi und mächtige Chefin der Grünen. Ricarda Lang hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein abgeschlossenes Studium – die Chefin der Grünen Partei hat noch keinen Tag ihres Berufslebens außerhalb des politischen Versorgungskosmos der Grünen verbracht, jeder Cent auf ihrem Konto kommt aus der Parteizentrale oder vom deutschen Steuerzahler.
Jeder normale Mensch versteht: Wenn Ricarda Lang sich über den Tag der Arbeit freut, dann nur, weil sie weiß: Es gibt Millionen Menschen im Land, die ihr den Lebensunterhalt erschuften. Jeder, der jeden Tag arbeiten geht, weiß genau, dass Ricarda Lang nichts von Arbeit versteht. Und trotzdem ist sie Gewerkschafts-Mitglied und solidarisiert sich mit einer Gesellschaftsschicht, deren Normalität sie bekämpft.

Grünen-Chefin Ricarda Lang wird von Steuergeld bezahlt.
Sahra Wagenknecht hat das verstanden: Wer für das Verbrenner-Verbot ist, kann nicht links sein. Wer ein Heizungsgesetz durchsetzt, kann nicht links sein. Beides würde sie sofort abschaffen, verrät sie im Interview mit „Schuler! Fragen, was ist“. Warum? Weil es gegen die Interessen der Schwachen in der Gesellschaft ist.
Ohne Links und Rechts stürzt die Gesellschaft ab
Noch einmal: Man muss nicht links sein, um zu verstehen, dass es vernünftige Linke in unserem Land braucht, um in den Parlamenten einen gesellschaftlichen Konsens auszuhandeln und sozialen Frieden zu sichern. Dasselbe gilt für vernünftige Rechte. Ein Flugzeug braucht zwei Flügel, um sicher von A nach B zu kommen. Bricht ein Flügel weg, stürzt die Gesellschaft ab.
An diesem 1. Mai muss man leider festhalten: So wie das linke politische Lager sich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, ist der Arbeiter der einsamste Mensch im ganzen politischen Berlin.
Hier sehen Sie das Interview des Kollegen Schuler mit Sahra Wagenknecht in voller Länge:
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