Der Fall Aiwanger zeigt: Die linke Meinungs-Macht bröckelt
Ein Beitrag von
Am 25. August 2023 begann Sebastian Beck, seines Zeichens Autor bei der Süddeutschen Zeitung, sich in einen Rausch zu schreiben.
Ab diesem Tag kannten seine Artikel nur noch ein Thema: Hubert Aiwanger und die Flugblatt-Affäre. Bis zum 3. September schrieb er 15 Aiwanger-Texte oder wirkte zumindest an ihnen mit. Der Ton in der SZ wurde immer aggressiver, je klarer es wurde, dass der Kampagnenjournalismus des Blattes nicht recht verfangen mag. „Hubert Aiwanger auf der Kippe“, raunte Beck noch am 27. August, um ein paar Tage verzweifelt nachzulegen: „Aiwanger ist am Ende“.
Doch der Wind in der Geschichte hatte sich längst gedreht.
Beck blieb nicht der einzige Journalist, der alles versuchte, um Aiwanger zu Fall zu bringen. Selbst für SZ-Autor Wolfang Krach kam es am Ende „nicht mehr auf die Urheberschaft“ des Flugblatts an, der Rest sei „schon schrecklich genug“.
„Auf die Urheberschaft kommt es nicht mehr an, der Rest ist schon schrecklich genug.“
— Jan Schäfer (@schaefer_j) August 29, 2023
Angeblicher Qualitätsjournalismus am Limit.
@SZ #Aiwanger pic.twitter.com/Ny8AwfX475
Noch am 4. September bettelte Tagesschau-Journalistin Christiane Maier: „Bitte abwählen, dieser Mann darf Bayern nie mehr vertreten.“
Doch all die wütenden Wünsche verliefen im Sand: Aiwanger ist weiterhin stellvertretender Ministerpräsident in Bayern. Seine Anhänger sind noch enger zusammengerückt. 58 Prozent der Bevölkerung finden laut Forsa-Umfrage Söders Entscheidung richtig, weiter auf Aiwanger zu setzen. Unter ihnen dürften sich auch etliche Personen befinden, die Aiwangers Erklärungen in der Flugblatt-Affäre durchaus kritisch betrachten, die Kampagne der SZ aber eben als weitaus störender empfinden.
Tagesschau Journalistin ruft dazu auf, Aiwanger abzuwählen. #ReformOerr #OerrBlog pic.twitter.com/6azCiskZ20
— ÖRR Blog. (@OERRBlog) September 4, 2023
Enthemmter Konservatismus?
Und so befinden sich viele linke Journalisten derzeit im traurigen Rückzugsmodus. Warum nur macht die normale Bevölkerung, was sie will, und warum hört keiner auf uns, schreit es aus ihren Tweets heraus. „Auf die Urheberschaft kommt es nicht mehr an, der Rest ist schon schrecklich genug.“ Vor allem Konservative und Liberale stehen nun als Verantwortliche des Medien-Desasters am Pranger. Für die Zeit-Journalistin Jana Hensel ist die Affäre Aiwanger „noch ein Beweis mehr, dass der Konservatismus momentan wirklich nicht zu wissen scheint, wo genau sein Platz ist“. Ganz so, als sei die alleinige Rolle von konservativ denkenden Menschen, brav Männchen zu machen.
Ok. Auch bei #Springer schießen die Meinungen zu #Aiwanger quer durch den Raum. Irgendwie noch ein Beweis mehr, dass der Konservatismus momentan wirklich nicht zu wissen scheint, wo genau sein Platz ist.
— Jana Hensel (@jana_hensel) September 3, 2023
Die Causa Aiwanger hätte eine „Sternstunde des Konservatismus“ sein können, bemerkt der linke SWR2-Mann Stephan Anpalagan zähneknirschend. Wenn der Konservatismus eben nur getan hätte, was die Linken von ihm verlangen, könnte man anfügen.
Es hätte eine Sternstunde des Konservatismus sein können.
— Stephan Anpalagan (@stephanpalagan) September 3, 2023
Man hätte das Land voranstellen und auf parteipolitische Spielchen verzichten können. Weil das Thema zu ernst ist. Weil es die Demokratie gefährdet. Weil sich alle unmissverständlich gegen Antisemitismus stellen.
Hätte.
Auch die selbsternannte Amerika-Expertin Annika Brockschmidt ist entsetzt: „Ich brauche ein anderes Wort als fassungslos, weil da schwingt irgendwie Überraschung mit, um zu beschreiben, welche Gefühle die Causa Aiwanger in mir auslöst.“ Im konservativen Spektrum erkenne sie eine „Enthemmung“. Diese Beobachtung mag richtig sein, aber anders als die 31-Jährige denkt.
Ich brauche ein anderes Wort als "fassungslos", weil da schwingt irgendwie Überraschung mit, um zu beschreiben, welche Gefühle die Causa #Aiwanger in mir auslöst. Überraschend ist es nicht, aber trotzdem schockierend. So viel zur Enthemmung von Teilen des dt. Konservatismus.
— Annika Brockschmidt (@ardenthistorian) September 4, 2023
Denn große Teile der Bevölkerung enthemmen sich derzeit ganz einfach von alten Denkmustern. Jahrzehntelang hatte sich die von links-grünen Journalisten geprägte Medienlandschaft daran gewöhnt, ohne große Gegenwehr den Ton vorgeben zu können. In entscheidenden Fragen ordneten sich viele Nicht-Linke schlussendlich unter. Öffentliche Personen wurden mit Schmutzkampagnen überzogen. Doch aus der ständigen Vermischung von Politik und Moral erwächst Gegenwehr.
Eine entkoppelte Medienmeinung führt zu Entfremdung
Gemäß einer jüngsten Umfrage sind immerhin 71 Prozent der Deutschen der Meinung, dass führende Personen in Politik und Medien in ihrer eigenen Welt lebten, aus der sie auf den Rest der Bevölkerung herabschauten. Erfundene Rechtsextremismus-Skandale wie jüngst in Lieberose dürften das Vertrauen in die Medienlandschaft und die angeschlossene „Zivilgesellschaft“ nicht gerade stärken.
Das Zeitalter, in der große Medienhäuser wie Spiegel, Zeit oder die Süddeutsche Zeitung den Diskurs nach Belieben prägen konnten, neigt sich dem Ende zu. Mittlerweile sind sie selbst zu Getriebenen geworden.
Lesen Sie auch: Focus-Gründer Helmut Markwort: „Die Medien verschweigen zu viel“
Mehr NIUS:
Jan Josef Liefers als Versöhner: Macht diesen Mann zum Bundespräsidenten!
Die neue Esskultur der Deutschen Bahn: Currywurst ohne Pommes, kein Speiseeis
Die Linke beweist auf ihrem Parteitag: Die SED ist nie untergegangen
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Mehr NIUS:
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Wegducken gilt nicht mehr: Die CDU muss vor der Wahl sagen, ob sie mit den Linken regieren würde
Die letzten Helden tragen Trikots
Gedenken an den 17. Juni: Die Einheit wurde uns nicht geschenkt
Björn Harms
Artikel teilen
Kommentare