Der Kipppunkt könnte schon erreicht sein – Deutschland verabschiedet sich von der Zukunft
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Die Sprengung von Kernkraftwerken ist ein Anschlag auf die Vernunft, auf die Zukunft, auf das Klima, auf die deutsche Volkswirtschaft. Das steht außer Frage. Die entscheidende Frage lautet: Erleben wir die letzte Phase des politischen Wahnsinns oder erst den Beginn des deutschen Niedergangs?
Verfügbarer und günstiger Strom ist notwendige Voraussetzung für eine lebenswerte, zivilisierte Welt. Ohne verfügbaren und günstigen Strom gibt es Armut, Verelendung, Tod. Ohne verfügbaren und günstigen Strom gibt es keine Innovation, kein Wirtschaftswachstum, keine Zukunft. Ein Land, das sich von verfügbarem und günstigem Strom abwendet, ist ein Land mit Todestrieb.
Bedauerlicherweise ist Deutschland genauso ein Land, jedenfalls in seiner Regierungspraxis. Die Sprengung der Kühltürme des Kernkraftwerks von Gundremmingen ist ein weiterer Beleg für den energiepolitischen Wahnsinn, der seit Jahren die deutsche Politik erfasst hat.

Schaulustige am Samstag bei der Sprengung des AKW Gundremmingen in Bayern. NIUS war vor Ort, viele Zuschauer äußerten sich wütend über die Sprengung.
Die dümmste Energiepolitik der Welt
Morten Freidel, Vize-Chefredaktor der NZZ Deutschland, kommentierte treffend: „Wie die Kühltürme des Atomkraftwerks von Gundremmingen in sich zusammenstürzen und spontaner Applaus aufbrandet, das wird einmal in den Geschichtsbüchern stehen. Eine industrielle Gesellschaft beklatscht ihre eigene Ratlosigkeit und die mutwillige Demontage ihrer selbst.“
Axel Bojanowski, einer der wichtigsten Klimajournalisten Deutschlands, verglich die Zerstörung moderner Kernkraftwerke in der Welt mit dem kulturzerstörerischen Vorgehen der Taliban. Bei so einem gewagten Vergleich muss natürlich ergänzt werden, dass die Taliban von dem wirtschaftlichen Schaden an Deutschland, den die schwarzgelbgrünrote Energiewende verursacht hat und noch verursachen wird, nur träumen können.
„Wir würden sofort alle stillgelegten Kernkraftwerke wieder ans Netz nehmen.“, tönte Friedrich Merz im August 2023. Zwei Jahre später werden mit einem Bundeskanzler Friedrich Merz stillgelegte Kernkraftwerke irreversibel zerstört. Es ist ein weiteres gebrochenes Versprechen des CDU-Wendehalses, das belegt: Während Linke, Grüne und SPD auf ideologischer Überzeugung einen deindustrialisierenden Krieg gegen die sichere, günstige und stets verfügbare Kernenergie führen, macht die Union aus Feigheit und Angst vor der mächtigsten Partei Deutschlands, der SPD, gegen besseres Wissen mit.
Damit sind CDU und CSU die Hauptverantwortlichen für die dümmste Energiepolitik der Welt.
Politik gegen CO2-armen Strom entlarvt sämtliche Lügen
Angeblich haben Klimaapokalyptiker wahnsinnige Angst vor dem Weltuntergang durch Planetenerhitzung in 50 Jahren. Angeblich sind Linke stets besorgt um arme Menschen. Angeblich betreiben Rot-Grüne „progressive“, zukunftsgerichtete Politik. Ihre praktische Politik – gegen CO2-armen, jederzeit verfügbaren und zukunftssicheren Strom – entlarvt ihre Sonntagsreden als Heuchlerei.
Ich habe deshalb keine Lust mehr, auch nur ein beunruhigendes Wort über den Klimawandel zu verlieren, selbst wenn es wirklich wahr wäre. Denn jedes Wort dient der herrschenden Kaste doch nur dazu, noch mehr Wahnsinn zu fordern und umzusetzen. Da ergibt politstrategisch die totale Negierung sämtlicher negativer Folgen eines veränderten Klimas mehr Sinn.
Jeder vernunftbegabte Mensch kann die Verlogenheit und Schädlichkeit dieser Politik erkennen. Die große Mehrheit der Deutschen ist mittlerweile für Kernenergie und gegen linke Politik im Allgemeinen. Doch die Umsetzung dieses Mehrheitswillens gestaltet sich derart kompliziert, dass wir vielleicht nicht am Ende des Irrsinns einer radikalen Minderheit stehen, sondern es gerade erst so richtig losgeht.

Statt die wahnwitzige Energiepolitik von Ex-Wirtschaftsminister und Ex-Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) rückgängig zu machen, wird sie von der Merz-Regierung fortgesetzt.
Erschwerend kommt dazu, dass nicht mehr viel Zeit bleibt. Viel wird über Kipppunkte bei der glorreichen Bekämpfung des Klimawandels, mittlerweile nur noch in Westeuropa ein Thema, gesprochen, nach deren Erreichung Entwicklungen in Gang gesetzt würden, die nicht mehr rückgängig zu machen wären. Viel zu selten wird indes über die Kipppunkte der aktuellen Politik geschrieben.
Moralverseuchte Appelle an die Bevölkerung
Von heute auf morgen können keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden. Einmal aufgrund zu hoher Strompreise abgewanderte Unternehmen kommen nicht einfach bei einer neuen, vernünftigen Regierung wieder zurück. Zerstörte Arbeitsplätze bleiben zerstörte Arbeitsplätze. Die demographischen Fakten, der unfinanzierbare Sozialstaat und die enorme Schuldenlast engen die Spielräume dieser hypothetischen Regierung der Vernunft zusätzlich ein. Genau wie die zunehmende Verrechtlichung klimapolitischer Maßnahmen und die Blockadegefahr durch Bundesrat und Brüssel.
Die Politik der letzten 20 Jahre war so nachhaltig wohlstands- und infrastrukturvernichtend, dass es mindestens 10 Jahre bräuchte, um sie zu korrigieren. Und wer soll sie überhaupt korrigieren? Die Union scheint sich mehr über Umfragewerte der AfD empören zu können als über die mannigfaltigen Probleme des Landes. Selbst mit Billionenschulden gelingen keine Reformen, zu viele Gruppen sind in Deutschland zu abhängig vom Staat und zu wirkungsmächtig, um radikale Kürzungen des Etats durchzusetzen. Derzeit drängt sich der Verdacht auf, dass die deutsche Politik in ihrer Mehrheit erst zu großen Reformen bereit wäre, wenn es wirklich nicht mehr anders ginge. Dafür ist dann doch noch zu viel Substanz vorhanden und die Regierungsbänke zu gemütlich gepolstert und zu effektiv von der Wut in der Bevölkerung abgekapselt.

SPD-Chef Klingbeil (links) und Kanzler Merz (CDU). Fest steht: In welche Richtung es mit Deutschland geht, wird von links bestimmt.
Die Krise ist einfach noch nicht in Berlin angekommen. Mit fürstlichen Diäten und feudalen Privilegien wird effektive Politik durch effektive Bürgerbelastung substituiert. Mit moralverseuchten Appellen an die Bevölkerung wird das eigene Versagen kaschiert. Mit arroganter Gottspielerei werden die eigenen Unzulänglichkeiten vor sich selbst versteckt. In der Gegenwart wird gefeiert, von der Zukunft wird sich verabschiedet.
Das war jetzt alles sehr pessimistisch, meine hundertste Kolumne für NIUS möchte ich gerne positiv beenden. Dorothee Bär, die Bundesforschungsministerin, möchte sich einen neuen Namen für das BAföG ausdenken, der bisherige sei nicht „sexy“ genug. Ich bin erleichtert, es geht voran in diesem Land. Sie sehen, wir werden von weisen Menschen mit den richtigen Prioritäten regiert. Das macht Hoffnung, vielleicht wird ja entgegen aller Erwartungen alles gut werden.
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