Der Mittelstand stirbt leise
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Das Verschwinden des Mittelstandes findet leise statt. Die Pleiten größerer Unternehmen schaffen es noch in die Nachrichten. Doch wenn in einem Jahr – wie 2024 – mehr als 120.000 Mittelständler Insolvenz anmelden, ist das kaum eine Meldung wert.
Aber jeder spürt es in seinem Umfeld. Die Hausärztin, die ins Ausland geht – wie mehr als 2.000 Ärzte im vergangenen Jahr. Der Einzelhändler, der gegen den Online-Handel und die kommunale Verkehrspolitik nicht mehr ankommt. Der Handwerksbetrieb, der nach jahrzehntelanger Tradition als Familienbetrieb keinen Nachfolger gefunden hat. Das Handwerk mit dem vermeintlich goldenen Boden meldet einen Anstieg der Insolvenzen um satte 25 Prozent auf einen Rekordwert von über 4.300 in einem Jahr.

Gegen Giganten wie Amazon haben Einzelhändler keine Chance.
Die Standortprobleme der Wirtschaft in Deutschland sind bekannt, sie treffen den Mittelstand noch härter als die Großindustrie. Für die Dokumentationspflichten, die in Brüssel gerade weiter ausgeweitet werden, können keine eigenen Mitarbeiter eingestellt werden. Das Bürgergeld, das dazu einlädt, nicht mehr zu arbeiten, sondern die staatliche Alimentierung mitzunehmen und nebenbei dann eben etwas schwarzzuarbeiten. Die Verwahrlosung vieler Innenstädte interessiert viele Kommunalpolitiker weniger als der Kampf gegen das Auto – die Kunden bleiben weg und fahren zu den Supermarktzentren außerhalb. Dort gibt es auch fast alles, aber eben keinen Einzelhandel im Familienbesitz.
Der Mittelstand braucht eine Politik der Wertschätzung
Mittelständler versuchen so lange es geht, mit den Problemen klarzukommen. Sie nehmen eher in Kauf, länger zu arbeiten als die Mitarbeiter, weniger Urlaub zu machen, kaum mehr zu verdienen. Aber spätestens, wenn es darum geht, den Betrieb altersbedingt übergeben zu wollen, stehen viele kleinere Unternehmer vor dem Scheitern ihres Lebenswerks und -traums. Nicht wenige sind so ehrlich zu sagen, sie würden ihren Kindern – soweit vorhanden – auch gar nicht raten, das Geschäft zu übernehmen.
In vielen Regionen der neuen Bundesländer kommen zwei Entwicklungen verschärfend hinzu: der Wegzug vieler junger Menschen in den letzten drei Jahrzehnten und der Umstand, dass die vielen Existenzgründer der Jahre nach 1990 fast alle schon vor der möglichen Übergabe des Unternehmens stehen.
Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Mittelständische Unternehmen bieten Ausbildungsplätze an, engagieren sich für die Region, wirtschaften tatsächlich nachhaltig, nämlich mit Blick auf die nächste Generation. Sie brauchen keine weiteren Sonntagsreden und Rekordverschuldung, sondern tatsächlich ein Umsteuern. Sie benötigen eine Politik der Wertschätzung: in den Schulen mit dem dort vermittelten Unternehmerbild, in einer Kommunalpolitik, die keine ideologische Verkehrsplanung verfolgt, sondern die Arbeitsbedingungen der Unternehmen vor Ort verbessert, in einer Sozial- und Steuerpolitik, die Leistung und Arbeit honoriert und nicht Nichtstun.
Die Zahlen sind eindeutig. Weitere vier Jahre Substanzverzehr und leere Versprechungen verträgt der Mittelstandstandort Deutschland nicht.
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Peter Kurth (64) war CDU-Finanzsenator von Berlin und zuletzt Präsident eines Wirtschaftsverbandes. Kürzlich war er auch im Interview bei „Schuler! Fragen, was ist“ zu Gast.
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