Der Tod einer Nadelfabrik – warum uns das traurig macht
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Es ist eine Reise durch die Jahrhunderte, aber leider ist es keine schöne: Schmauser, die älteste Nadelfabrik der Welt, ist insolvent. „2023 wurde Schmauser stolze dreihundert Jahre alt. Ziel des Unternehmens ist es, diesen Meilenstein noch lange zu überdauern“, heißt es noch immer auf der Homepage der ältesten Nadelfabrik der Welt.
Leider musste die Firma Schmauser aus Schwabach (Bayern) Ende letzter Woche Insolvenz anmelden. Der Tod einer Nadelfabrik – warum er uns traurig macht ...
300 Millionen Nadeln im Jahr
Als Leonhard Schmauser 1723 eine Nadelfabrik gründete, war er gerade als Meister in die Zunft des Nadlerhandwerks aufgenommen worden. Peter der Große war Zar in Russland geworden, Preußen war auf dem Weg zur Großmacht. In dieser Zeit verkaufte Leonhard Schmauser seine ersten Strick-, Näh- und Haarnadeln – es war das erste Unternehmen dieser Art auf der ganzen Welt. Kaum ein Textilstück der Region war ohne eine Schmauser-Nadel aus Stahl hergestellt worden. Verkauft wurden vor allem Stricknadeln, mit denen die Bewohner Schwabachs ihre kostbare Wolle zu warmer Kleidung verarbeiteten. Die industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert und die Einführung automatisierter Webmaschinen brachte weiteren Aufschwung. „1814 wurden jährlich 300 Millionen Nadeln hergestellt, von 270 Meistern, 218 Gesellen und über 1000 Hilfskräften“, heißt es in der Unternehmensbroschüre.

Eine Nadel-Manufaktur im 18. Jahrhundert
Häkeln und Stricken für schlechte Zeiten
In den späten Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts erfand die Firma Schmauser besonders gehärtete Stahlnägel, die unter dem Namen SIGURD weltweit bekannt wurden. Es war die Zeit, als in den meisten deutschen Familien noch gestrickt, gehäkelt und genäht wurde. Man fertigte seine eigene Garderobe mithilfe von Schnittmuster-Bögen an – jede Familie tat das. In der Schule lernten die Kinder Häkeln und Stricken, es war eine Art handwerklicher Grundausstattung – nicht nur für Mädchen. Ich habe in der Grundschule Häkeln gelernt. Man sagte damals: Das ist wichtig für schlechte Zeiten, damit du dir selber was zum Anziehen machen kannst.
Deutsche Energiepreise überlebst du nicht
In den 2000er Jahren kamen Produkte von Schmauser in der Unterhaltungselektronik zum Einsatz. Bauteile von Schmauser steckten in Kugelschreibern und Spielzeug, in Klimaanlagen und Dieseleinspritzpumpen. Ab 2008 wurde in Zulieferteile für die Autoindustrie investiert. Nach genau 301 Jahren hat das Unternehmen jetzt Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Nürnberg setzte den Rechtsanwalt Florian Schott als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.

Eine Schmauser Produktionshalle
Warum hat dieses stolze deutsche Mittelstandsunternehmen zwei Weltkriege überlebt – und ist jetzt trotzdem pleite? Coronakrise, Ukrainekonflikt und steigende Energiekosten hätten die Probleme seit 2020 verstärkt, sagt ein Unternehmenssprecher.
Mein gesunder Menschenverstand sagt: Du kannst als Unternehmen fast alles verkraften – die miserablen Bedingungen des Wirtschaftsstandortes Deutschland nicht – wie traurig.
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