Der Unterschied zwischen Scholz und Schmidt ist: Scholz lässt sich von der Bundeswehr in die Flut fliegen, Schmidt hätte längst die Bundeswehr geschickt
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In Krisen gibt es eine ganz einfache Kontrollfrage für Politiker: Was würde Helmut Schmidt tun?
Während der Sturmflut 1962 hat der damalige Hamburger Polizeisenator Schmidt nicht darauf gewartet, dass jemand in Bonn auf die Idee kommt, die Bundeswehr zur Hilfe zu schicken. Schmidt tat Folgendes: „Ich habe die alle einfach selbst angerufen oder mit Funksprüchen oder Fernschreiben in Bewegung gesetzt. Ich habe gesagt: Sie müssen Hubschrauber schicken, Sie müssen Pioniere schicken, die mit Sturmbooten die Menschen von den Dächern runterholen.“
Das war verfassungswidrig. Aber es war vor allen Dingen vernünftig. Es war das, was jeder normale Mensch in einer Situation machen würde, in der es um Leben und Tod geht: anpacken, machen, Verantwortung übernehmen. Handeln, nicht abwarten.

Dezember 1962: Helmut Schmidt, damals Innen- und Polizeisenator von Hamburg
Die Politik der trockenen Füße
Leider ist Schmidt bis heute ein seltenes Exemplar der Entschlossenheit in Krisen. Wenn es brenzlig wird in Deutschland, achten die Mächtigen penibel auf ihre Gummistiefel und Vorschriften: Die Füße sollen nicht nass und die Hände nicht schmutzig werden.
Quer durch die gesamte Bundesrepublik bedroht das Hochwasser Häuser, Höfe, Ortschaften, Dörfer – kurzum das Leben in diesem Land und die Existenz ganzer Familien. Zehntausende Helfer schleppen Sandsäcke, pumpen Keller leer, legen Schläuche, bringen Menschen und Tiere in Sicherheit. Diese Menschen ackern teilweise seit Weihnachten durch.
Ich sehe diese Bilder und frage mich: Was würde Helmut Schmidt jetzt tun? Ich bin mir sicher: Er würde die Bundeswehr schicken. Zehntausende deutsche Soldaten hocken in ihren Kasernen, während sich zehntausende ehrenamtliche Helfer mit privaten Radladern und Schüppen gegen das Wasser wehren. Das kann doch nicht sein.
Das Einzige, was die Bundeswehr bisher in die Flutgebiete gebracht hat, ist Olaf Scholz – der kam mit einem Helikopter der Luftwaffe zum Ortsbesuch nach Sachsen-Anhalt. Ohne Soldaten, die mitanpacken. Oder den Marschbefehl: Ran an die Sandsäcke! Im Gegenteil: Ehrenamtler beschwerten sich nach dem Kanzlerbesuch darüber, dass sie für zwei Stunden ihre Arbeit niederlegen mussten. Das berichtet mir mein Kollege Julius Böhm, der als Reporter vor Ort ist.

Die Bundeswehr im Flut-Einsatz: Der Kanzler muss ja schließlich irgendwie hin und zurück kommen
Die Realität in Deutschland ist: Die Bundeswehr darf erst helfen, wenn ein Landrat sie um Amtshilfe gebeten hat. Das ist ein hoch formeller Akt, in der entsprechenden Broschüre der Bundeswehr stehen Sätze wie diese hier: „Die ersuchende Behörde trägt bei Unterstützungsleistungen der Bundeswehr im Rahmen der Amtshilfe stets die Gesamtverantwortung. Auslagen für erbrachte Amtshilfe sind durch die ersuchende Behörde grundsätzlich zu erstatten.“
Wir schaffen es wirklich, dieses Land in Grund und Boden zu bürokratisieren.
Der Amtshilfe-Antrag des Landkreises Mansfeld-Südharz wurde jetzt bewilligt. Unfassbar: Die Soldaten sollen sich am Freitag auf den Weg machen, ihre Arbeit aber erst am Montag aufnehmen, hieß es zunächst. Wahrscheinlich hofften alle Beteiligten darauf, dass das Hochwasser erst am Montag wieder loslegt und vorher ein ruhiges Wochenende einlegt. Und wenn nicht, sind ja die ehrenamtlichen Helfer da.
Heute früh dann die Meldung: Die Soldaten sollen tatsächlich doch noch heute ihre Arbeit aufnehmen. Geplant sei der Einsatz von 150 Soldaten bis zum 14. Januar.
Deutschland ist das einzige Land in der Welt, das dabei zusieht, wie es buchstäblich untergeht. Aber sich im Nachhinein dafür feiert, dabei alle Vorschriften beachtet zu haben.
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