Der Winter hat seine Unschuld verloren: Früher bedeutete Schnee pure Lebensfreude – heute wird den Kindern Angst gemacht
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Seit Tagen verbreiten die Behörden Alarm: Im Zuge des Sturmtiefs „Elli“ seien unwetterartige Schneemengen und Schneeverwehungen zu erwarten. Es wurden Schulschließungen empfohlen, die Bürger sollten das Haus nicht verlassen. Endgültig vorbei sind die Tage, an denen Kinder unbekümmert und sorglos genießen konnten, was zum Schönsten der Winterzeit gehört: den Schnee.
Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, und trotzdem wird sie nie verschwinden: Die Erinnerung an Kindertage, an denen ich Tag für Tag aus dem Fenster spähte, ungeduldig dem ersten Schneefall entgegenfieberte, um mich schließlich vor Freude taumelnd in die weißen Massen zu werfen, wenn die Straßen endlich mit kalter, weißer Watte gepolstert waren. Die Erinnerung an das Glücksgefühl, das die abgefrorenen Finger wieder auftauen ließ, nachdem diese beim Ausbreiten der Arme für einen Schnee-Engel durch kalte Masse geglitten waren.

Unbekümmerter Spaß im Schnee: Das ist es, was den Winter für Kinder schön macht.
Die Tage des unbeschwerten Wetter-Genießens sind vorbei
Für uns war der Winter unschuldig und – banal ausgedrückt – etwas Gutes. Doch die Tage des unbeschwerten Wetter-Genießens sind vorbei. Heute sind sämtliche Meldungen zum Thema Schnee stets auch mit Warnungen versehen. „Pass auf, dass du nicht ausrutscht! Pass auf, dass du nicht krank wirst!“ Kinder, die heute aufwachsen, dürfen sich dem Winter und den dazugehörenden Wetter-Extremen nicht mehr ohne Vorbehalte hingeben – sie wachsen in dem Glauben auf, dass alles, was unter Wetter subsumiert wird, gefährlich ist und den Tod bringen kann. Bereits im letzten Winter machten Schulen, unter anderem in Bayern, wegen des (völlig normalen) winterlichen Wetters dicht, und auch in diesem Jahr fällt vielerorts Unterricht aus.
In Norddeutschland, darunter in Niedersachsen, Amrum und Föhr, fällt wegen Schnee, Glätte und Frost Unterricht aus oder es wird Distanzunterricht angeboten. In Berlin und Brandenburg dürfen Eltern wegen angeblich „extremer“ Schneefälle selbst entscheiden, ob ihre Kinder am 9. Januar zur Schule gehen – die Schulpräsenzpflicht ist ausgesetzt, und ein Fernbleiben gilt als entschuldigt. Dabei weiß jeder: „Distanzunterricht“ ist eine reine Erfindung. „Distanzunterricht“ bedeutet: „kein Unterricht“. Während das Bildungssystem kollabiert, wird dieses Instrument staatstragend als Notwendigkeit verkauft.
Zudem: Die angekündigten extremen Schneefälle ließen am Ende auf sich warten.

Betreutes Laufen: Diese Anleitung postete die Tagesschau auf Instagram.
Die Natur wird zusehends zu unserem Feind stilisiert, Schnee ist der Winter-Protagonist eines Sicherheits-Wahns, der Deutschland seit der Corona-Zeit dominiert. In diesem permanenten Ausnahmezustand ist es ein existenzielles Problem, wenn es zu kalt ist, und ein existenzielles Problem, wenn es zu warm ist.
Die Angst der Menschen wird zum Steuerungsinstrument der Regierung
Das geht so weit, dass die Regierung im Sommer wie besessen auf Hitzeschutzräumen pocht, damit wir uns nur ja unter der Erde verkriechen. Leute gerieren sich als Krisenmanager, haben alle möglichen Ideen, geben sich vorausschauend und organisiert – aber wenn es dann einmal einen wirklichen Notfall gibt – wie den Terroranschlag auf Berlins Stromnetz – dauert es Ewigkeiten, bis das Problem behoben wird.
Die Angst der Menschen wird zunehmend zum Steuerungsinstrument der Regierung. Wo früher „Brot und Spiele“ als politische Strategie galten, mit der eine Regierung oder Machtelite die Bevölkerung ruhigstellt, ist es heute Panikmache. Zu jeder Jahreszeit – und in jeder Lage. Wenn Menschen mit Angst beschäftigt werden, haben sie keine geistigen Kapazitäten mehr, sich um die wahren Missstände zu kümmern und sich darüber zu beschweren. Wer sich darum sorgt, dass seine Kinder von einer Schneewehe verschluckt werden könnten – der fragt auch nicht nach, wann genau der eigene Bürgermeister beim Tennisspielen war, statt sich um eine real existierende ECHTE Krise zu kümmern.
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