Mette-Marits Tränen-Interview: „Ich bin furchtbar wütend“
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Melanie GrünEndlich hat sie gesprochen. Doch klarer ist jetzt nichts. Am Donnerstag gab die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit dem staatlichen Sender NRK ein Interview. Zu drängend waren die Fragen geworden, auf die der Palast mehr als zwei Monate lang keine Antwort gegeben hatte: Was hatte es mit ihrer Freundschaft zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf sich? Wie viel wusste sie über die Machenschaften ihres Sohnes Marius, der aktuell vor Gericht steht? Kann sie mit diesen Skandalen im Rücken wirklich noch Königin von Norwegen werden?

Seit 25 Jahren sind Mette-Marit und Haakon verheiratet. Dies dürfte ihre schwerste Krise sein.
Da Mette-Marit an einer Lungenerkrankung leidet, beraumte der Hof das Interview von vornherein auf 20 Minuten an. Das TV-Team kam nach Skaugum, dem Wohnsitz des Thronfolgerpaares. Es sollte ein Befreiungsschlag werden, an dem sicherlich viele PR-Leute im Hintergrund mitwirkten. So etwas geht nicht ohne präzise Vorbereitung. Mette-Marit muss den 5,6 Millionen Norwegern beweisen, dass sie dieses Mal keinen Fragen ausweicht, dass sie Verantwortung tragen kann. Nur so kann sich die ehemals Bürgerliche für den Thron qualifizieren. Spoiler: Das geht gründlich daneben, auch, wenn der Kronprinzessin mehrmals die Tränen kommen.
„Ich wusste nicht, dass er ein Sexualstraftäter oder ein Gewalttäter war. Natürlich wünschte ich, ich hätte ihn nie kennengelernt.“ Das sagt die 52-Jährige über Jeffrey Epstein, den sie mehrmals privat traf, mit dem sie regen Mailverkehr führte.

Jeffrey Epstein starb 2019 offiziell durch Suizid.
Kann Mette-Marit so Königin werden?
Weil der Verdacht an ihr klebte, enge Verbindungen zu einem der schlimmsten Sexualstraftäter der letzten Jahre gepflegt zu haben, wurden Mette-Marit mehrere Schirmherrschaften entzogen. Zuletzt sah man sie öfter in einer Limousine auf dem Weg zum Gefängnis, in dem ihr Sohn sitzt, als draußen beim Volk. Nachvollziehbar, aber unklug. Die Leute wollten Antworten und nicht immer vertröstet werden. Auch die Ehe zu Thronfolger Haakon soll kriseln. Laut Bunte bereiten die Anwälte im Hintergrund schon das mögliche Szenario einer Scheidung vor. Im Interview sitzen die beiden zusammen, die Distanz ist dennoch spürbar. In guten wie in schlechten Zeiten, das versprachen sich Haakon und Mette-Marit 2001. Das hier sind schlechte Zeiten.
Mette-Marit sagt im TV-Interview: „Wir sind eine Familie, die sich in den letzten Wochen in einer sehr anspruchsvollen Situation befunden hat. Für uns stand die Familie im Vordergrund. Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befindet. Hinzu kommt, dass ich gesundheitliche Probleme habe, die viel Ruhe erfordern. Und diese haben sich noch verschlimmert.“

Mette-Marits Sohn Marius stand bis gestern in Oslo vor Gericht.
Es sei ihr „unglaublich wichtig, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass ich so manipuliert und getäuscht wurde“, so Mette-Marit. Sie trage in dieser Situation aber keine Schuld. Gerechtigkeit verdienten all die Opfer, die den schweren Misshandlungen ausgesetzt gewesen seien. Darüber sei sie „furchtbar wütend“. Sie spricht von Verantwortung. Beim Zuhörer bleibt aber nur hängen: Ich trage keine Schuld.
Wer sie und Jeffrey Epstein miteinander bekannt machte, will die Kronprinzessin nicht sagen. Es sei aber ihre Verantwortung, nicht sorgfältig genug ermittelt zu haben. Die Beziehung zu Epstein sei eine freundschaftliche gewesen. Doch es ist nicht zu leugnen, dass die Mails einen flirty Unterton hatten – selbst 2011, drei Jahre nach Epsteins erster Verurteilung, schrieb sie ihm: „Ich habe Dich nach der vorherigen E-Mail gegoogelt. Stimmt, das sah nicht gut aus. Smiley.“
Epstein-Details bleiben im Dunklen
Was genau sie mit diesen Zeilen meinte, daran konnte sich Mette-Marit nicht erinnern. Auch auf die anderen offenen Fragen hat sie keine Antwort: 2013 habe sie mehrere Tage in Epsteins Haus in Palm Beach, Florida, verbracht. Sie habe schwere Schuldgefühle gegenüber den Opfern und viel Zeit gebraucht, um das zu verarbeiten.
Mette-Marit inszeniert sich hier selbst als Opfer, dabei war sie damals schon eine erwachsene Frau, Mutter eines Sohnes. Hat sie vom systematischen Missbrauch auf Epstein Island gewusst? Sie habe im Umfeld von Epstein nie etwas Illegales gesehen, so Mette-Marit. Am letzten Tag ihres Aufenthaltes habe der Finanzier sich jedoch unangemessen verhalten, so, dass sie ihren Mann anrufen musste. Was genau passiert ist? Auch das ist geheim. Warum der Kontakt weitergegangen sei? Epstein sei manipulativ gewesen. Sie habe damals mit ihrer Rolle als Kronprinzessin gehadert, und sie habe Epstein als jemanden gesehen, dem sie in dieser Lebensphase trauen konnte. Sie habe sich geirrt. Laut Palast brach Mette-Marit den Kontakt zu Epstein 2014 ab.
Es ist ein Interview, das endlich Klarheit bringen sollte, aber wichtige Fakten immer noch im Dunkeln lässt. Es könnte das Interview sein, das Mette-Marit um den Thron bringt.
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