Erst Bromance, dann Abbruch: Fahri Yardim und das Problem mit den Promifreundschaften
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Er gilt als Musterbeispiel für eine gelungene „bunte“ Gesellschaft: der türkischstämmige Fahri Yardim. Vater Lehrer, Mutter Künstlerin. Sie kamen als Studenten aus der Türkei nach Deutschland, Fahri wuchs im linksalternativen Milieu auf, nicht anders als die Lasses und Maditas der Mandelmus-Biomarkt-Schicht.

Fahri Yardim spielte in mehr als 30 Kinofilmen mit.
Das Kinopublikum liebt den 45-Jährigen: Immer locker, immer nett, gibt der Hamburger in Filmen wie „Almanya“ und „Vier gegen die Bank“ den sympathisch-strubbeligen Kerl. In der Erfolgsserie „Jerks“ spielte er von 2017 bis 2023 neben Christian Ulmen, Werbejobs wie für die Telekom machten ihn zu einem der bekanntesten deutschen Stars. Aktuell ist er in Hape Kerkelings Kino-Komödie „Extrawurst“ zu sehen.
Läuft bei Fahri. Oder besser: lief bei Fahri
Seine Erfolgsformel – gute Arbeit abliefern und ein Netzwerk mit den richtigen Leuten pflegen – wackelt. Seit dem Skandal um seinen Werbe- und Schauspielpartner und Freund Christian Ulmen geht auch Wegducken nicht mehr. Jetzt muss Fahri Yardim Stellung beziehen, aber bloß niemandem auf die Füße treten. Für einen wie ihn muss das die Hölle sein. Sich mit der einen Seite entsolidarisieren, um sich mit der anderen zu solidarisieren. Lange wurde der Schauspieler von gefühlt ganz Deutschland gemocht. Jetzt, im Zeitalter der Shitstorms, lernt auch er: Irgendwer ist immer empört. Schnell beeilten sich nach den Schlagzeilen Kollegen wie Benjamin von Stuckrad-Barre, sich von Ulmen zu distanzieren.

Sechs Jahre lang waren Ulmen und Yardim zusammen in der Erfolgsserie „Jerks“ zu sehen.
Am Sonntagabend dann äußert sich Yardim nach mehrtägigem Schweigen. In einem langen Instagram-Post schreibt er „verspätet“ und „unvollständig“. Er sei „genauso geschockt wie viele andere“. Ihm sei bewusst, dass sein Zögern, sich öffentlich zu positionieren, „nicht neutral“ sei. „Es hat Wirkung. Es beeinflusst, welche Deutungen Gewicht bekommen.“ Er wisse, dass solches Zögern in der Vergangenheit oft dazu beigetragen habe, dass Betroffenen von sexualisierter digitaler Gewalt nicht geglaubt wurde. Und dann fügt er hinzu: „Und trotzdem: Ich konnte nicht anders. Ich brauchte Zeit.“
Der Vater einer Tochter schreibt, er versuche deutlich zu machen, „was es bedeutet, wenn sich solche Abgründe im engen Freundeskreis auftun“. Gleichzeitig verstehe Yardim, dass sein Zögern „und das Ausbleiben einer rechtzeitigen Position“ selbst bereits eine Position sei.
Einige Follower äußern sich positiv, so wie Cathy Hummels, andere kritisch. Sie bemängelten, das Statement sei kryptisch, klinge wie ChatGPT, es seien nichtssagende Buzzwords. Und prompt ist der nette Fahri im Zentrum eines Shitstorms und reagiert (Anm. d. Red.: Originaltext):
„Es stimmt, der Text ist verkopft. Auch ausdruck meiner überforderung. Und eines anteils von mir der gerade verzweifelt den krisenmodus übernimmt. Eine erste annäherung an die berechtigte erwartung sich zu bekennen. Ich meld mich wieder, wenn ich mein herz wiedergefunden hab.“
Ziemlich beste Freunde?
Es ist nicht das erste Mal, dass Fahris Freunde plötzlich keine mehr sind. Schon 2024 beklagt sein Freund und Förderer Til Schweiger im Podcast „Hotel Matze“:
„Was mich schon dann auch bewegt hat, ist, dass Fahri sich nicht gemeldet hat. Und den Fahri habe ich überallhin mitgenommen. Fahri hat immer gesagt: ,Ja, ich erzähle jedem, auch meiner ganzen Familie, die lieben dich alle, weil ohne dich würde ich jetzt noch Gemüsehändler spielen und so. Ich hab’ dir so viel zu verdanken‘. Und dann war er auf einmal weg. Er hat sich nicht gemeldet.“

Fahri Yardim und Til Schweiger galten als Freunde und Verbündete.
Fahri Yardim war auch dank Schweiger in Produktionen wie „Honig im Kopf“, „Kokowääh“ und dem „Tatort“ zu sehen. Nachdem Til Schweiger wegen angeblichen Fehlverhaltens am Set und Alkoholproblemen in die Schlagzeilen geraten war, rückten offenbar mehrere Promifreunde von ihm ab – auch Fahri Yardim.
Der erklärt sich im Podcast „Deutschland3000 – ’ne gute Stunde mit Eva Schulz“: Schweiger und er erlebten derzeit eine „kriselnde Stimmung“, obwohl sie ein „geschwisterliches“ Verhältnis gehabt hätten. Man habe sich aufgrund von „Dynamiken“ entfremdet. Der Kontaktabbruch sei dennoch schwer. „Das schmerzt“, so Yardim. Er plane, Schweiger zu kontaktieren. Unklar ist, ob das geschehen ist.
Klar ist nur: Der Publikumsliebling muss jetzt aufpassen, dass er nicht plötzlich dasteht wie ein Opportunist.
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Melanie Grün
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