Deutsche Bahnkrotterklärung: Die rollende Inklusions-Maschine grenzt jetzt offiziell alte Menschen aus
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Neues von der Bahn: Deutschlands größte Entgleisung ist nicht nur unpünktlich und unzuverlässig, sondern wird aus eigenen Stücken heraus im wahrsten Sinne des Wortes immer asozialer. „Mehr Bahn für alle“, damit wirbt die Deutsche Bahn. Für alle. Außer natürlich für die, die systematisch beim Ticketverkauf vernachlässigt werden.
Wer günstig Bahn fahren will, ist immer häufiger auf den digitalen Weg angewiesen – dabei bleiben diejenigen auf der Strecke, die eben nicht digital sind. Und wer jetzt meint: Im Jahr 2024 haben doch eh alle Deutschen ein Smartphone und eine Mail-Adresse … Nein. Dem ist nicht so. Knapp die Hälfte der Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind in Deutschland, haben kein Smartphone. Das zeigt eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom. In der Altersklasse Ü80 ist laut Statistischem Bundesamt nur jeder Dritte online. 17 Prozent der Deutschen nutzen KEINE E-Mails. Es sind vor allen Dingen Senioren, die offline sind. Und bei der Bahn damit Kunden 2. Klasse.
Ab Juni 2024 wird die BahnCard nicht mehr analog als Karte, sondern nur noch digital in der App ausgegeben. Schon seit Oktober 2023 werden die Sparpreis-Tickets selbst am Schalter nicht mehr einfach so verkauft, sondern nur noch, wenn man eine Mail-Adresse oder Handynummer hinterlegt. Wer günstig Bahn fahren will, ist also gezwungen, digital und mit Smartphone unterwegs zu sein.
90 Prozent der Fernverkehr-Tickets verkauft die Bahn aktuell online, im Regionalverkehr sind es 78 Prozent. Heißt: Die absolute Mehrheit ist digital unterwegs. Aber ein zweistelliger Prozent-Teil der Kunden eben nicht.

Problemkind Deutsche Bahn
Lupenreine Altersdiskriminierung
Um es auf eine soziale Klartext-Formel zu bringen: Wer kein Smartphone hat, ist in der Regel überdurchschnittlich alt, hat unterdurchschnittlich viel Geld oder ist extrem sensibel, was den Umgang mit eigenen Daten angeht. All diese Menschen schließt die Bahn aus. Das ist insofern sehr bemerkenswert, weil die Bahn sich auf ihre Regenbogen-Fahne geschrieben hat, wirklich jeden Menschen gleich zu behandeln.
Kein deutsches Unternehmen hat seinen Arbeitsschwerpunkt so sehr weg vom Leistungs-Prinzip hin zur Diversity-Kultur verschoben. Die Bahn hat einen eigenen „Diversity-Report“, der offenbar wertvoller ist als die Pünktlichkeits-Quote der ICE-Flotte. Unter „Unser Verständnis von Vielfalt bei der DB“ erläutert der Konzern, wie wichtig der Umgang mit „geschlechtlichen Identitäten, Generationen, sozialen Herkünften, ethnischen Herkünften und Nationalitäten, Religionen, psychischen und psychischen Fähigkeiten, sexuellen Orientierungen genauso wie für Vielfalt der Perspektiven“ ist.
Ja, da stand auch „Generationen“ und „soziale Herkünfte“. Wobei: Der oben genannte Vielfalts-Katalog gilt natürlich nur für die eigene Belegschaft, die Bahn blickt dabei auf ihr Innenleben. Bei der Kundschaft ist das alles egal: Digitalferne Generationen und sozial schwache Menschen sind der Bahn egal. Und Menschen, die einfach ein Papierticket in der Hand haben wollen, ohne dafür ihre Daten rausgeben zu müssen, auch. Ich weiß, es ist altmodisch und manche Motive mögen sich nicht mit den klinisch-sauberen Moral-Vorstellungen der Vielfalts-Bahn decken, aber: Manche Menschen wollen auch einfach anonym von A nach B kommen.
Die Bahn betreibt hier lupenreine Altersdiskriminierung. Und die Bundesregierung greift nicht ein – was ihre Pflicht wäre. Denn die Bahn ist weiterhin zu 100 Prozent Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.

Altersinklusion sieht anders aus: Die Bahn wird rentnerfeindlich
Brandbrief an den Bahnchef
In einem bemerkenswerten Brandbrief haben sich jetzt 29 große Verbände (u.a. Awo, Lebenshilfe, Rheuma-Liga, die Gewerkschaft der Polizei und der Bundesverband der Verbraucherzentrale) persönlich an Bahnchef Lutz (Vorname bei Amtseinführung abgeschafft), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sowie die Fraktionen im Bundestag gewandt. Ihre Botschaft: „Mobilität für alle gewährleisten: günstig Bahnfahren ohne Digitalzwang“. Die Unterzeichner wenden sich ausdrücklich nicht gegen digitale Angebote. Aber sie sagen: „Wir sind überzeugt, dass die Bahn im (…) unterschiedliche Zugänge zu ihren Dienstleistungen anbieten muss, um den unterschiedlichen Bedürfnissen ihrer vielfältigen Kundschaft Rechnung zu tragen. Es darf nicht sein, dass Menschen, nur weil sie kein Internet nutzen, benachteiligt und von Mobilitätsangeboten ausgeschlossen werden.“
Um es ein wenig deutlicher zu formulieren: Die Bahn, die sich der Vielfalt und Inklusion verschrieben hat, wird mit ihrer Digital-Strategie immer asozialer, weil sie das Gegenteil von Inklusion betreibt – sie schließt Menschen aus.
Amtliche Warnung vor der Deutschen Bahn
Dem ist dann auch nichts mehr hinzuzufügen. Wobei doch. Wenn wir schon mal bei der Bahn sind, hier die beste Bahn-Meldung der Woche: Schottland bestreitet am 14. Juni das EM-Eröffnungsspiel gegen Deutschland in München. Und der Fan-Verband der Schotten warnt jetzt amtlich vor der Deutschen Bahn: „Vorsicht Schottland-Fans! Stellt sicher, dass ihr den früheren Zug nehmt! Verlasst die Kneipe ein bisschen schneller, gebt euch selbst ein wenig mehr Zeit. Das Letzte, was ihr wollt, ist, erst zur Halbzeit anzukommen“, sagt Paul Goodwin, Gründer der „Scottish Football Supporters Association“.
Wir sind also an dem Punkt angelangt, an dem die Schotten mehr Angst vor der Deutschen Bahn als vor der deutschen Nationalmannschaft haben …
Zum Schluss biete ich noch eine Wette an: Wetten, dass extrem viele Fans extrem gut gelaunt ins Land kommen, sich das Deutschland-Ticket für 49 Euro kaufen und sich dann von Schaffnern im ICE oder IC erklären lassen müssen, dass das leider nicht im Fernverkehr gilt und sie das 190-Euro-Ticket (ja!) für die Strecke von München nach Berlin jetzt entweder schnell in der Bahn-App (die der Otto-Normal-Portugiese selten auf dem Handy hat) das Ticket nachlösen können oder den Zug leider verlassen müssen?
„Mehr Bahn für alle“ – wir werden noch öfter über diesen Slogan reden …
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