Deutschlands Abstieg – gut für Europa?!
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Der Spiegel berichtete kürzlich, dass der Ökonom Professor Gabriel Felbermayr den Abstieg der deutschen Volkswirtschaft aus europäischer Sicht positiv bewertet: „Für Europa ist dieses Re-Balancing aber eine gute Sache“.
Er führt weiter aus, dass andere Länder in Folge der Euro-Krise ihre Hausaufgaben gemacht hätten, „Deutschland selbst aber hat sich wenig bewegt. Nun sinkt folgerichtig der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt, andernorts in Europa steigt er. Fast nach Lehrbuch.“ Daher schlussfolgert er: „Die Situation in Deutschland ist jetzt ähnlich wie die in Italien, Spanien oder Griechenland vor 15 Jahren.“
Felbermayr, der frühere Präsident des Kieler Instituts für die Weltwirtschaft (IfW) und derzeitige Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), geht auch davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt: „Davor muss man aber nicht so furchtbar viel Angst haben.“ Wegen der Alterung und geringen Zuwanderung müsste „Deutschland respektieren, dass die Höchstgeschwindigkeit, mit der die deutsche Wirtschaft fahren kann, langfristig zurückgehen wird“.
Was erwartet Deutschland? Mehr Arbeitslosigkeit, niedrigeres Wachstum und mehr Schulden?
Felbermayr erkennt also die schwierige wirtschaftliche Situation, in der sich Deutschland befindet, und geht davon aus, dass diese sich nicht bessern wird. Insbesondere der Vergleich mit Italien, Spanien und Griechenland vor 15 Jahren lässt aufhorchen. Er sagt selbst über diese Zeit: „Es gab hohe Arbeitslosigkeit, niedriges Wachstum, ausufernde Staatsdefizite“. Soll also Deutschland auch länger durch eine solche Zeit gehen?
Der Verweis auf die niedrige Zuwanderung kann wohl nur so verstanden werden, dass zu wenige qualifizierte Menschen in den Arbeitsmarkt einwandern. Im letzten Jahr wanderten 2,7 Millionen Menschen nach Deutschland ein.
Auch die Schlussfolgerung, dass der Abschwung Deutschlands gut für Europa ist, verwundert. Sind es doch gerade die südlichen Staaten in der EU, die von einem wirtschaftlich stärkeren Deutschland, profitiert haben.
Wirtschaftliche Stärke hat Förderung des Südens ermöglicht
Beispielsweise über Förderprogramme der Europäischen Union. Bereits seit vielen Jahren finanziert Deutschland einen deutlich größeren Anteil des EU-Haushalts als andere Staaten (gemäß ihrer Größe).
Alleine im Jahr 2020 wurde eine gemeinsame Schuldenaufnahme der EU in Höhe von 723,8 Milliarden Euro vereinbart.
Diese preist die EU auf ihrer Homepage als größtes Konjunkturprogramm aller Zeiten und beträgt immerhin circa 5,5 Prozent der jährlichen Wertschöpfung der EU (im Jahr 2020). Davon sind circa 338 Milliarden Euro direkte Zuschüsse an Mitgliedsstaaten, die nicht zurückgezahlt werden müssen.
Diese direkten Zuschüsse an die Staaten sind allerdings nicht gleich – oder nach Bevölkerungsgröße oder Wirtschaftskraft (bspw. des BIP der Mitgliedsstaaten) verteilt. Es findet eine massive Umverteilung Richtung Südeuropa statt:

Spanien und Italien erhalten zusammen über 40 Prozent der Mittel. Deutschland hingegen begnügt sich mit 7,6 Prozent. Auch die Betrachtung im Verhältnis zur nationalen Wertschöpfung spricht eine deutliche Sprache. Griechenland erhält eine Summe, die größer ist als 10 Prozent der jährlichen Wertschöpfung. Deutschland bekommt weniger als 1 Prozent seiner jährlichen Wertschöpfung.
Das heißt, die wirtschaftliche Stärke Deutschlands ermöglichte es, dass andere Staaten – zu Lasten Deutschlands – Förderprogramme erhielten. Diese wirken sich, im besten Falle, auch positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung dieser Staaten aus.
Umverteilung über den Euro
Darüber hinaus hat die gemeinsame Währung – der Euro – ebenso die Finanzierungskosten der Südstaaten erheblich reduziert. Der Stabilitätsanker Deutschland (gemeinsam mit anderen nördlichen EU-Staaten) war dafür hauptverantwortlich.
Dies war äußerst wichtig für die Südstaaten der EU, da diese eine hohe Verschuldung angehäuft hatten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine enorme Summe an Staatsanleihen gekauft, um die Staaten zu stützen. Im vergangenen Jahr hat die EZB sogar in einer Krisensitzung beschlossen die Zinsdifferenzen zwischen Deutschland und Italien aktiv zu Gunsten Italiens zu managen. Damit wird die Staatsfinanzierung für Italien günstiger und für Deutschland teurer.
Im letzten Jahrzehnt haben die starken Exportüberschüsse Deutschlands den Euro als Währung gestärkt. Ist die deutsche Wirtschaft schwächer, dann wird auch der Euro schwächer.
Ist jedoch der Euro schwächer, dann werden Importe für die gesamte Eurozone teurer. Die EU importiert nahezu all das Erdöl und Erdgas, das benötigt wird. Ein schwächerer Euro – aufgrund einer schwachen Wirtschaft – ist damit für jeden Konsumenten in der Eurozone schlecht. Die Inflation steigt, je teurer Importe werden.
Absurde Vorstellung
Die Vorstellung, dass die EU oder die Eurozone sich besser entwickeln, wenn es Deutschland schlechter geht, ist mehr als absurd.
Im Gegenteil: Es sollte im Interesse aller europäischen Staaten liegen, dass alle europäischen Staaten sich wirtschaftlich – aus eigener Stärke – gut entwickeln, da sie durch die Europäische Union und die Eurozone miteinander verbunden sind. Die Stärke oder Schwäche eines Mitgliedsstaats fällt direkt oder indirekt auf andere Staaten zurück. Die Stärke oder Schwäche eines Mitgliedsstaates fällt direkt oder indirekt auf andere Staaten zurück.
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