Spektakulärer Kane-Transfer: Die Bayern machen's vor – im Fußball und in Deutschland
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Vielleicht haben Sie es mitbekommen, es beherrscht die Titelseiten: Harry Kane kommt nach München. Der Torschützenkönig der britischen Premier League, ausgerechnet der Superheld von der Insel, wechselt zum FC Bayern. Für über 100 Millionen Euro Ablöse von Tottenham Hotspur. Plus sagenhafte 100 Millionen Gage für einen Vier-Jahres-Vertrag.
War das ein Hin und Her… Erst hieß es, die Verhandlungen seien gescheitert. Dann hieß es, seine Frau habe sich schon eine Villa im noblen Vorort Grünwald angeschaut. Dann die Freigabe zum obligatorischen Medizincheck, den die Spieler absolvieren müssen, um ihre Fitness nachzuweisen.
Dann plötzliches Zögern. Gehaltspoker. Legen die Bayern doch noch nach? Freitagmorgen soll Abflug nach München sein, Tottenham entzieht Kane aber kurz vor Start die Abflugerlaubnis. Dann plötzlich doch noch die Flugfreigabe…

Kane kommt in München an
Ich gebe zu: Ich bin Bayern-Fan, ziemlich großer sogar. Kein anderer Verein in Deutschland wäre in der Lage, so einen Transfer hinzubekommen. Die Bayern schon, sie lassen wieder mal die Muskeln spielen.
Es hat nun also geklappt. Und das zeigt einmal mehr, wie Bayern das Spiel beherrscht. Nicht nur auf dem Platz.
So wie der FCB ist auch seine Heimat, der Freistaat Bayern. Wenn es sein muss, wird geliefert. Bayern ist ein Erfolgsland. Wirtschaftlich stark, politisch stabil. Dabei mit Sinn für Tradition. Laptop und Lederhose.
Sie kriegen (fast) alles hin da unten. Weshalb? Weil sie in Bayern durchgreifen. Weil sie die Normen, die das Gesetzbuch vorgibt, durchsetzen. Klimakleber? Fehlanzeige. Wenn eine Reiterstaffel der Bayerischen berittenen Polizei auftaucht, hat sich der Kleber schnell wieder verflüssigt.
Parallelgesellschaften? Clanbildung? No-Go-Areas? Na servus, die gibt´s in bayerischen Städten nicht, die überlassen sie lieber Berlin, Frankfurt und dem Pott.
Parks, in denen unter den Augen der Polizei mit Heroin, Crack oder sonstigen harten Drogen gehandelt wird? Nein, der Englische Garten ist selbst nachts voll mit fröhlichem Partyvolk.
Es geht also – und die Bayern machen´s vor.
Man darf vermuten, dass vieles an diesem Zustand dem bayerischen Sicherheitskonzept zu verdanken ist. Aus gutem Grund.
Der spätere Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß musste hautnah miterleben, wie der Polizeieinsatz bei einer Geiselnahme 1971 in der Münchner Prinzregentenstraße desaströs endete. Damals gab er die berühmte Devise aus, dass in Bayern ein Geiselnehmer nicht aufrecht oder ohne Handschellen den Tatort verlassen dürfe. So etwas spricht sich rum.

Bayern Ministerpräsident Markus Söder
Sicher liegt es auch an den tragischen Erfahrungen bei der Geiselnahme und der Ermordung der israelischen Sportler durch palästinensische Terroristen während der Olympischen Spiele 1972. Niemand war darauf vorbereitet, schon gar nicht die Polizei. Ebenfalls ein Desaster für die Sicherheitskräfte. Das durfte nie wieder vorkommen, die Polizei-Sondertruppe GSG9 entstand.
Ob nun im Fußball oder im echten Leben: Der Süden Deutschlands lebt dem Rest der Republik vor, wie es funktionieren kann. Seit Jahren. Vielleicht sollten sie hier in Berlin einmal ideologie- und vorurteilsfrei nach München schauen. Da gäbe es viel zu lernen lernen.
PS. Mein Kollege Willi Haentjes sieht den Kane-Transfer nicht ganz so euphorisch. Hier lesen Sie seinen Kommentar.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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