Die Deutschen sind nicht „wehleidig“, Herr Bundeskanzler – sie machen sich Sorgen
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Es ist schon erstaunlich, wie man mit wenigen Worten Millionen Menschen beleidigen kann. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz geschafft.
Bei einer Veranstaltung der Mittelstands- und Wirtschaftsunion in Köln rief er die Deutschen dazu auf, „nicht so larmoyant und so wehleidig zu sein“. Was für eine Wahrnehmung! Wie abgehoben muss man sein, um so etwas zu behaupten? Und wie weit weg kann man sich eigentlich von den Menschen entfernen, die einen gewählt haben?
Die Aussage von Friedrich Merz offenbart eine groteske Lebensfremdheit. Ich erlaube mir zu sagen, dass ich es bewundernswert finde, wenn sich der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Flugzeug erarbeitet hat. Aber es darf nicht dazu führen, die Menschen aus einer Art Vogelperspektive zu betrachten, wie Merz es offensichtlich tut.
Der verzweifelte Versuch, die eigene Unfähigkeit zu kaschieren
Friedrich Merz ist Kanzler eines Landes, das von Rekordkriminalität, Deindustrialisierung und explodierenden Lebenshaltungskosten geplagt wird. Der Kanzler predigt seinen Bürgern Optimismus – ohne ernsthaft die Probleme anzugehen, die diesen Optimismus rechtfertigen würden. Seine emotionale Rede wirkte wie ein verzweifelter Versuch, die eigene Unfähigkeit zur Lösung drängender Probleme durch Appelle an die Mentalität der Bürger zu kaschieren.
„Das Glas ist halb voll“, deklamierte der Kanzler mehrfach – eine Phrase, die der gesunde Menschenverstand leicht durchschaut. Nein, Herr Bundeskanzler, das Glas ist halbleer. Bestenfalls. Wenn man bei diesem abgedroschenen Bild bleiben will.

Die Koalitionsführer Lars Klingbeil (SPD) und Friedrich Merz (CDU)
Nur 13 Prozent wollen noch in Deutschland investieren
Merz behauptete, er erhalte „aus dem Ausland Anrufe, Briefe, Besuche von bekannten Persönlichkeiten“, die alle in Deutschland investieren wollten. Diese angebliche internationale Begeisterung steht im krassen Widerspruch zu den Fakten. Eine Untersuchung der Wirtschaftsberatungsgesellschaft EY vom November 2024 belegt, dass 45 Prozent der deutschen Unternehmen planen, neue Standorte im Ausland zu errichten. Nur 13 Prozent wollen noch in Deutschland selbst investieren. Wir haben Handwerker, die unter der Bürokratie ächzen, Familien, die sich das Leben kaum noch leisten können oder Menschen, die sich in ihren eigenen Städten nicht mehr sicher fühlen.
Fazit: Wehleidig sind nicht die Bürger, die zu Recht katastrophale Zustände in diesem Land beklagen. Wehleidig ist ein Kanzler, der offenbar nicht in der Lage ist, die Realität anzuerkennen und stattdessen das eigene Wahlvolk tadelt.
Deutschland braucht keinen Gute-Laune-Coach. Deutschland braucht einen Regierungschef, der für seine Bürger das Beste herausholt. In guten wie in schlechten Zeiten. Besonders aber in schlechten.
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