Die Flaschenhals-Affäre – endlich gelöst!
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Ein kleines Ding beschäftigt die Welt – oder zumindest Europa. Die Kappe auf Plastikflaschen. Die man aufdrehen muss, um ans Getränk zu kommen. Die man immer noch drehen kann. Aber sie geht nicht mehr ab. Sie bleibt am Flaschenhals hängen. Und wenn man die Kappe mit Gewalt abdrehen will, wehrt sie sich. Und die Flüssigkeit spritzt heraus.
Das alles könnte man als belanglos abtun. Aber wenn man davon ausgeht, dass von den 80 Millionen Deutschen die Hälfte zur Flasche greift, haben wir eine Kappen-Zielgruppe von ungefähr 40 Millionen Menschen. Die fragen sich, was wir uns bei NIUS auch mehrfach in unseren Redaktionskonferenzen gefragt haben: Warum gehen diese Deckel nicht mehr ab von der Flasche? Ich selbst habe gedacht: Bin ich denn so schwach geworden, dass dieses verdammte Ding stärker ist als ich?
Aus dem großen Schmelztiegel für gute Ideen
Mein Kollege Felix Perrefort wollte die Flaschenhals-Affäre nicht auf sich beruhen lassen, guter Reporter eben. Er fand Verblüffendes heraus, wie ich denke. Die Idee, Flaschenkappen so fest zu montieren, dass man sie nur mit groben Eingriffen abreißen kann, kommt aus dem großen Schmelztiegel für gute Ideen – aus Brüssel, direkt aus dem Zentrum der EU.
Es ist nun sage und schreibe fünf Jahre her, dass sich kluge Menschen in der Europäischen Kommission überlegt haben, was man machen kann, damit Plastikkappen nicht mehr die Weltmeere verschmutzen. Die Unter- und Oberkommissare gingen wohl davon aus, dass die Verbraucher den Deckel leerer Plastikflaschen immer wegschmeißen würden.

Die kleinen blauen Dinger bleiben jetzt immer fest am Flaschenhals, um die Umwelt nicht zu belasten.
Welcher Unsinn, sagt mir mein gesunder Menschenverstand! Wenn man sein Leergut in den Supermarkt bringt und die Kappe ist nicht mehr auf der Flasche, wird die Tragetasche nass. Ich kenne keinen, der seine leeren Wasserflaschen freiwillig ohne Deckel in den Pfandbehälter wirft.
Das sah die EU-Flaschenkommission vor fünf Jahren anders – und deren Befund greift eben in diesem Jahr, so lange hat die Flaschenindustrie gebraucht, um diese Technik durchzusetzen. Die EU behauptet, dass 86 Prozent aller Einwegstoffabfälle (welch ein elegantes Wort!) an den Stränden oder im Meer landen würden. So erfand man die Flaschenkappen, die sich nicht mehr abdrehen lassen. Und verantwortlich dafür war kein Geringerer als Frans Timmermans, heute für Nachhaltigkeit zuständiger Erster (großgeschrieben!) Vizepräsident der Kommission.
So kann man Karriere machen.
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