Die Fussball-EM offenbart es: Die deutschen Tugenden – so schlecht sind die gar nicht
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Viele sprechen jetzt von deutschen Tugenden – beim Fußball nämlich. Da zählen Eigenschaften, über die man sonst eher seltener redet: Disziplin, Mut, Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Widerstandskraft.
Es ist das gute alte „Made in Germany“, was da durchblitzt.
Diesmal stammt die Aufstellung tatsächlich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er nennt die Eigenschaften „Deutsche Tugenden 2.0 – menschliche und fußballerische Qualitäten verbinden“. Das Verblüffende: Das alles sind Eigenschaften, die im Deutschland dieser Tage normalerweise nicht im Vordergrund stehen. Oder, wie es mein Kollege Julian Reichelt in einem Kommentar bei NIUS formulierte: „Bei diesem Turnier ist die Nationalmannschaft das Beste an Deutschland. Unzählige Gäste werden Zeuge unserer maroden Infrastruktur, die Deutsche Bahn blamiert unser Land, Einlass, An- und Abfahrt sind vielerorts chaotisch, viele Fans erleben das schlechteste WLAN Europas, die New York Times spottet, man solle alles vergessen, was man über deutsche Effizienz geglaubt habe“.
Schauen wir einmal etwas genauer auf die sogenannten deutschen Tugenden, die jetzt beim Fußball eingefordert werden. Sie haben sich aus den preußischen Tugenden aus der Zeit um Friedrich des Großen (1712 bis 1786) entwickelt. Es waren oft militärische Eigenschaften, welche die preußischen Tugenden ausmachten: Tapferkeit ohne Wehleidigkeit, Selbstdisziplin, Mut, Gehorsam, Verantwortung. Aber eben auch ethische Einstellungen, die noch heute gelten.

Der „Alte Fritz“ in seinem Arbeitszimmer
Die erfolgreiche Vorbild- und Vorreiterfunktion Preußens wirkte sich innerhalb des deutschen Sprachraumes unter anderem dahingehend aus, dass die Tugenden allgemein als Ideale übernommen und schließlich als „deutsche Tugenden“ verstanden wurden und werden. Noch heute gelten Höflichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß und Ordnung als Tugenden sowie Toleranz und Gerechtigkeit als Werte der Deutschen.
Die deutschen Tugenden wurden immer wieder im Sport beschworen, besonders beim Fußball. „Gerade bei Länderspielen“, so schreibt „Wikipedia“, „wurden vielfach aufopfernder Einsatzwille, Leidensbereitschaft und Disziplin als die Mittel angepriesen, mit denen die vermeintlich technisch minderbegabten deutschen Spieler den versierteren Spielern anderer Nationen Paroli bieten sollten.“

Torhüter Manuel Neuer nach dem 2:0 gegen Dänemark
Diese Anmerkungen sind ein paar Jahre alt. Kein Fußball-Fan würde heute über die deutsche Mannschaft sagen, sie sei „technisch minderbegabt“.
Grundeigenschaften wie Fleiß, Anstand, Verlässlichkeit, Pflichterfüllung sind noch heute aktuell – und sie werden es immer bleiben. Der Historiker Rafael Seligmann hat es so formuliert: „Was als Sekundärtugenden verschrien wurde, hat erst Wohlstand und Frieden in Deutschland mit ermöglicht.“
Freuen wir auf das Spiel gegen Spanien mit möglichst vielen positiven deutschen Tugenden!
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