Die Polizei will nicht, dass wir dieses Video sehen – aber es ist wichtig, dass wir uns der Realität stellen
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Ich habe mir heute Mittag mehrere Male das Video von Mannheim angeschaut und versucht, die Zahl der Stiche mitzuzählen, mit denen Sulaiman A. auf seine Opfer einwirkt. Aber die Tat ist so verstörend, dass es mir schwerfällt, mich auf dieses eine Detail zu konzentrieren. Bei jedem Durchlauf sind mir andere Details aufgefallen, die mich von meinem Ziel, die Zahl der Stiche zu zählen, ablenken.
Am meisten beklemmt mich die unmittelbare Nähe zwischen Täter und Opfern. Es ist nicht wie bei einem Pistolenschuss, wo zwei Menschen mehrere Meter entfernt voneinander stehen. Einer drückt ab, der andere fällt um. Es besteht immer eine Distanz zwischen Täter und Opfer. Sulaiman A. dagegen hämmert ein langes Messer erst ins Gesicht von Islam-Kritiker Michael Stürzenberger, dann in den Nacken von Polizist Rouven L. Der in Afghanistan geborene Mann, laut Recherchen der Welt seit 2013 in Deutschland und abgelehnter Asylbewerber, muss jeden Knochen spüren, auf den er stößt. Jedes Mal, wenn die Klinge die Hautoberfläche durchdringt, muss er in seiner Hand den Widerstand spüren, dass da ein Schild durchbrochen wird, den die Natur uns Menschen als Schutz gegeben hat.
Sulaiman A. holt immer wieder Schwung, um immer wieder enthemmt zuzustechen. Er verfolgt seine Opfer, jagt ihnen hinterher. Sulaiman A. sticht nicht einfach auf seine Opfer ein, er metzelt sie nieder. Dann geht der Afghane auf einen Polizisten los, rammt ihm das Messer von hinten in den Hals, direkt unterhalb des Schädels. Ich beschreibe das so explizit, weil es die Realität ist, in der wir leben.
Gewalt und Kriminalität sind oft abstrakt, in der Regel eine nüchterne Reihenfolge von Buchstaben in einer Pressemitteilung der Polizei. Manchmal gibt es noch eine Zeugenaussage, in der eine Person beschreibt, welches Detail der Tat sie gesehen hat und welches Gefühl die Szene in diesem Moment ausgelöst hat. Was genau bei einem echten Verbrechen geschehen ist, ist fast immer eine Rekonstruktion und später dann Kopfkino. Gewaltszenen auf der Kinoleinwand wiederum sind deutlich expliziter, dafür weiß der Kopf aber auch: Ist ja alles Fiktion und Drehbuch. Das schafft auch eine Distanz, die Gewalt im Film ertragbarer macht.
Im Fall von Mannheim ist das nicht so. Da geht es um echte Menschen. Der Anschlag von Mannheim wurde live und in Farbe dokumentiert und im Netz in Echtzeit übertragen.
Wir müssen uns der Brutalität dieser Bilder stellen
Die Polizei Berlin twitterte am Wochenende: „Bitte verbreiten Sie zu dem Ereignis in Mannheim keine Videos (…). Das hilft niemandem.“ Dem würde ich gerne widersprechen. Sie müssen dieses Video sehen, um zu verstehen, was in diesem Land los ist.
Bitte verbreiten Sie zu dem Ereignis in #Mannheim keine Videos und beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen. Das hilft niemandem.
— Polizei Berlin (@polizeiberlin) June 1, 2024
Das @LkaBaWue hat für Hinweise Erreichbarkeiten veröffentlicht: https://t.co/Miy2VmeUPO
Unserem verletzten Kollegen wünschen wir alles Gute!
^tsm
Wir müssen uns der Brutalität dieser Bilder stellen. Es ist kein Schauspieler, der für eine Kino-Szene künstlerisch wertvoll den Messer-Mann mimt. Sondern ein echter Mensch, der all seine Wucht, all seinen Hass, all seine Überzeugung in den rechten Arm legt und mit aller Kraft anderen Menschen, seinen Feinden, ein Messer in den Körper rammt. Es gibt einen kurzen Moment in dem Video, da kann man die Entschlossenheit von Sulaiman A. in seinen Augen erkennen. Er will töten.
Michael Stürzenberger lag mit Stichwunden am Bein und im Gesicht im Krankenhaus, wird den Anschlag auf sein Leben überleben. Polizeihauptkommissar Rouven L. ist am Sonntag verstorben. Er wurde nur 29 Jahre alt. Rouven L. starb im Einsatz, weil er unser aller Grundrecht auf Meinungsfreiheit verteidigt hat. Für seinen Mörder gilt: „Motivlage unklar“. Wenn er kluge Rechtsanwälte hat, werden die ihm einflüstern: Du hast Stimmen gehört in deinem Kopf, dann bist du für die deutsche Rechtsprechung kein Islamist, sondern einfach psychisch krank. Dann bist du kein Täter mehr, sondern auch ein Opfer. Das spart Zeit im Gefängnis. Und unserer Regierung eine Debatte über Islamismus.
Drei Dinge, die in unserem Land gnadenlos schieflaufen
Wenige Tage vor der Europawahl deckt diese barbarische Tat gleich mehrere Dinge schonungslos auf, die in unserem Land schieflaufen.
Drei Beispiele:
1) Den Medien sind die Maßstäbe verrutscht.
Der WDR hat die Szene aus Mannheim gezeigt – aber so gut verpixelt, dass man nichts mehr von dem Grauen erkennt. Wissen Sie, was der WDR nicht verpixelt hat? Richtig. Die „Ausländer raus“-Gröler von Sylt. Sie werden mit folgender Begründung mit ihrem klaren Gesicht gezeigt: „Der WDR hat sich entschieden, die Personen in dem Video nicht unkenntlich zu machen, da es sich um ein zeitgeschichtliches Ereignis handelt und dies stärker wiegt als die Interessen der gezeigten Personen. Außerdem haben sie sich selbst in eine zumindest halb-öffentliche Lage gebracht und mussten damit rechnen, dass diese Bilder an die Öffentlichkeit gelangen.“ Die besoffenen Teenager von Sylt sind ein „zeitgeschichtliches Ereignis“ und „mussten damit rechnen“, ungepixelt von ihren eigenen Gebühren finanziert durch die Republik gereicht zu werden, der Messer-Mann von Mannheim wird in seinen Persönlichkeitsrechten geschützt. Viele Texte über den Anschlag kommen übrigens ohne den Namen von Michael Stürzenberger aus. Und die, die ihn nennen, haben in der Regel einen Absatz, der insinuiert: Der Mann ist doch irgendwie auch selbst schuld. Wer so spricht und sich so exponiert, macht sich doch zum legitimen Ziel. Mich ekelt das an. Egal, wie radikal ein Mensch denkt: In Deutschland soll er es sagen dürfen. Ohne Angst vor physischen Konsequenzen zu haben. Ohne, dass Medien, Experten und Politiker einen kollektiven Zungenschlag einlegen, der einen Anschlag auf ihn rechtfertigt.

Diese Form der Empörung ist geschichtsvergessen.
2) Die Regierung hat den Anstand verloren.
Vizekanzler Robert Habeck kommentierte am Freitag: „Furchtbare Szenen der Gewalt heute in Mannheim, bei denen sogar ein Polizist schwer verletzt wurde, als er tat, was seine Aufgabe ist: Menschenleben schützen, egal wann, wo und wen.“ Habeck hat diese Sätze geschrieben, als Rouven L. noch um sein Leben kämpfte.
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Der Vizekanzler verschweigt eiskalt, dass es einen gezielten Messer-Anschlag während einer politischen Veranstaltung gab. Er nennt auch nicht den Namen des Islam-Kritikers Stürzenberger, dem dieser Anschlag galt. Als SPD-Mann Matthias Ecke vor wenigen Wochen attackiert wurde und niemand die Hintergründe kannte, schrieb Habeck: „Der Angriff auf Matthias Ecke und all die anderen Attacken auf Wahlkampfhelfer, Politikerinnen und Politiker zielen darauf ab, Menschen einzuschüchtern, ihnen Angst zu machen und sie zum Rückzug zu drängen.“
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Dieselbe Klarheit hat JEDER in diesem Land verdient, der attackiert wird. Und nicht nur die, die im selben politischen Lager agieren. Aber für Habeck gibt es gute Opfer und schlechte Opfer. SPD-Ecke war ein gutes Opfer, Islam-Kritiker Stürzenberger ein schlechtes Opfer. Diese Form der politischen Bewertung ist eine Disqualifikation für jedes Amt, das von Steuergeldern finanziert wird.
3) Der Kanzler macht lieber Wahlkampf, als sich den Folgen seiner Politik zu stellen.
Olaf Scholz ist am heutigen Montag, 3. Juni, von Berlin nach Bayern gereist. Auf dem Terminplan stehen: ein Gummistiefel-Auftritt in den Flutgebieten und zwei Stadionbesuche (einmal EM-Vorfreude in München, am Abend dann Länderspiel in Nürnberg). Es ist keine Woche mehr bis zur Europawahl – da braucht der Kanzler gute Bilder.

Bundeskanzler Scholz in München.
Und keine Debatte über einen abgelehnten Asylbewerber, der brutal einen Polizisten tötet und einen politisch Andersdenkenden attackiert. Diese hätte er am Hals, wenn er bei seinem Schlenker in den Süden eine kleine Schleife nach Mannheim gemacht hätte. Aber Gewalt, die nicht von rechts kommt, ist dem Kanzler egal. Ich habe heute Morgen beim Kanzleramt nachgefragt, ob ein Besuch in Mannheim geplant sei, um der Familie des im Einsatz für Deutschland getöteten Polizisten zu kondolieren oder den Tatort zu besuchen. Die Antwort: „Über etwaige Termine des Bundeskanzlers informieren wir stets rechtzeitig.“ Danke! These: Scholz wird Mannheim meiden wie der Islamist das Weihwasser. Der Respekt-Kanzler, der im Wahlkampf 2021 mit einem einzigen Wort das Kanzleramt erobert hat, respektiert nur noch sein eigenes Amt. Die Menschen, für die er verantwortlich ist, sind ihm egal. Alles, was nicht seinem Mantra vom Kampf gegen Rechts entspricht, wird ausgeblendet.
Auch wenn es brutal ist: Wenn Sie das Video noch nicht gesehen haben, schauen Sie es sich an. Es ist brutal. Aber es ist die Realität. Und wir werden mit dieser Realität leben müssen, ob wir es wollen oder nicht.
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