Die zweite Beerdigung des Ludwig Erhard
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Chinesische Unternehmen dringen in immer mehr Industriebereiche vor, in denen Deutschland lange als führend galt.
Früher produzierten chinesische Unternehmen lange Zeit günstige Produkte, von denen Verbraucher und Unternehmen profitierten: Haushaltsgeräte, Kleidung, Unterhaltungselektronik und Vorprodukte. Aber inzwischen, das meldet das Handelsblatt, werden immer mehr chinesische Firmen zu ernsthafter Konkurrenz auch in deutschen Schlüsselindustrien: Autobranche, Maschinenbau und Elektroindustrie. Diese Branchen wurden allesamt als „Kernbereiche der chinesischen Industriepolitik“ identifiziert, sagt Elisa Hörhager, China-Repräsentantin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).
Innovationsführer beim Maschinenbau
Das bedeutet: Die einstigen Billigprodukte aus China, die zwar günstig waren, aber meistens nicht hochwertig, haben sich gewandelt – zum Nachteil der deutschen Konkurrenz. Mittlerweile ist China selbst in der deutschen Vorzeigebranche Maschinenbau größter Exporteur der Welt. 55 Prozent der deutschen Unternehmen in China gehen inzwischen davon aus, dass chinesische Wettbewerber in den kommenden fünf Jahren zum Innovationsführer in ihrer Industrie aufsteigen. Das zeigt eine Umfrage der deutschen Handelskammer in China (AHK). Chinas Ausfuhren stiegen im vergangenen Jahr auf ein Rekordniveau von umgerechnet fast 3,6 Billionen US-Dollar, wie Daten des chinesischen Zollamts zeigen.

Längst schlägt das ehemalige Billigland China Deutschland in dessen Kernindustrien.
China kopiert Deutschland mit seinen Erfolgsindustrien – und ist oft erfolgreicher als Deutschland selbst. Nicht nur die deutschen Schlüsselindustrien dienen Chinas Staatsplanern als Vorbild. Unter dem Namen „Kleine Giganten“ fördert Peking gezielt hoch spezialisierte kleine und mittelständische Unternehmen. Vorbild sind die „Hidden Champions“, die in ihren Nischenmärkten global führend sind. Mehr als 10.000 private chinesische Unternehmen werden mit diesem Programm gefördert. In Deutschland gibt es weniger als 2.000 Hidden Champions.

55 Prozent der deutschen Unternehmen in China gehen inzwischen davon aus, dass chinesische Wettbewerber in den kommenden fünf Jahren zum Innovationsführer in ihrer Industrie aufsteigen. Das zeigt eine Umfrage der deutschen Handelskammer in China (AHK).
China schlägt Deutschland mit seinen eigenen Waffen
Fazit: China schlägt Deutschland mit seinen eigenen Waffen. Aus dem Billig-Produktionsland mit billigen Waren ist China inzwischen eine ernsthafte Konkurrenz bei Produkten geworden, die einst Deutschlands Domäne waren: Maschinenbau, Elektrotechnik, Kraftwagenteile. Diese chinesischen Produkte sind oft deutlich billiger als die deutschen – aber inzwischen auch qualitativ konkurrenzfähig.

Ein chinesischer Arbeiter in einer Autofabrik.
Wie schlecht es gerade um die deutsche Wirtschaft steht, beweisen die Meldungen von nur einem Tag, dem Mittwoch:
- Horror-Zahlen bei Porsche: Gewinn bricht um 30 Prozent ein. Das Konzernergebnis sackte im Jahresvergleich auf rund 3,6 Milliarden Euro ab, wie das Dax-Unternehmen in Stuttgart mitteilte. 2023 hatte Porsche noch rund 5,2 Milliarden Gewinn gemacht. Gründe für das Minus waren schlecht laufende China-Geschäfte und hohe Kosten für die Erneuerung von neuen Modellen.
- Der Persil-Hersteller Henkel vollzieht gerade den größten Umbau in der Konzerngeschichte. Henkel rechnet mit einem deutlich geringeren Wachstum. Im Zuge des Umbaus des Konsumgeschäfts baut Henkel auch Stellen ab – allein im vergangenen Jahr waren es 850. Die Henkel-Aktie notierte am Nachmittag zehn Prozent tiefer und war damit der größte Verlierer im Dax.
- Gestern hatte Volkswagen seine katastrophale Jahres-Bilanz bekannt gegeben. Der Konzern aus Wolfsburg verdiente in einem Jahr 30,6 Prozent weniger. Hauptursache: das schlechte China-Geschäft und der schleppende Verkauf der E-Autos.

Lang ist es her: Wirtschaftsminister Ludwig Erhard besichtigt einen BMW 700 auf der Berliner Automesse 1959.
Alles in allem: nur schlechte Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. Mein gesunder Menschenverstand formuliert es so: Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard (1899 bis 1977) wird zum zweiten Mal beerdigt.
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