Ein Deutschland, das ich gut und gerne verlasse
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Es war nie geplant, doch der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Ich stehe vor meinen Umzugskartons, die sich in wenigen Minuten in einem Mercedes-Sprinter auf den Weg nach Spanien machen. Ich verlasse Deutschland, ich ziehe ins Ausland, ciao, tschüss, auf Wiedersehen ...
Nach 29 Jahren in diesem Land fühlt es sich für mich wie der nächste logische Schritt an. Ich habe Deutschland stets gegen die Vorurteile verteidigt. So schlecht ist das Wetter doch gar nicht, ja, hohe Steuern, aber dafür bekommt der Bürger viel dafür, okay, die Bürokratie nervt, aber auf den Staat ist Verlass.
Nur all das stimmt nicht mehr. Länder, die Deutsche früher belächelt haben, übertrumpfen uns in Innovation, Modernität und Verlässlichkeit. Polnische Städte sind sauber, spanische Züge kommen pünktlich und in Griechenland lassen sich über 1000 Verwaltungs-Dienstleistungen digital, per Smartphone aufrufen. Wir sehen ganz schön alt aus.

Das bekannte Wahlplakat der Ex-Kanzlerin Angela Merkel aus dem Jahr 2017.
Das allein sind noch keine Gründe, auszuwandern. Nur summieren sie sich zu einer langen Liste an Ärgernissen, die Deutschland immer unattraktiver dastehen lassen, und mich zunehmend dazu inspiriert haben, mein Land zu verlassen, das ich einfach nicht mehr wiedererkenne:
Unanständig hohe Steuerlasten
Nach Belgien hat Deutschland die höchste Steuer- und Abgabenlast unter den 38 OECD-Ländern. Eine Familie mit Kindern muss durchschnittlich mit 40,8 Prozent Abgabenquote rechnen. Nur in Belgien ist es mehr: 45,5 Prozent. Nach Lohnsteuer, Krankenkasse, Rentenbeitrag, Arbeitslosenversicherung, Kirchensteuer, Grundsteuer und was es nicht noch alles in Deutschland gibt, kommen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und Co. dazu, bald eine Plastik- und CO2-Steuer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine Luftsteuer erhoben wird. Der Staat nimmt uns Geld weg, um es nach Gutdünken umzuverteilen, statt den Arbeitssamen mehr von ihrem Lohn zu überlassen. Spätestens bei Projekten wie dem Berliner Flughafen und der Elbphilharmonie frage ich mich, ob „Vater Staat“ seine Aufgaben nicht zu Kopf gestiegen sind. Das Steuergeld versiegt, während Schulen verlottern und Straßen marodieren.

Der Flughafen Berlin Brandenburg hat Milliarden an Steuergeldern verschluckt.
Neurose und Nörgelei
Ich hielt es lange für ein Klischee: die dauerschlechte Laune der Deutschen. Je mehr ausländische Freunde ich habe, desto klarer wird: es stimmt. Ich meine, ab und zu macht es Spaß, doch wir haben einen Volkssport daraus gemacht. Nichts ist gut genug, optimieren, optimieren, optimieren. Selbst als es um unsere Wirtschaft und Innovationskraft noch weitaus besser bestellt war als heute, haben wir uns nicht zufriedengegeben. Stillstand ist Tod, schaffe, schaffe, Häusle baue, Steuer zahle, sterbe. Euch Deutschen geht’s doch gut, oder? Ja, aber. Fünfe gerade sein lassen? Auf keinen Fall. Bis zum bitteren Ende ist der Deutsche verbissen dabei. Und wir wissen alle, wozu das einmal geführt hat.
Doch nicht nur Starrsinn und Nörgelei zeichnen uns aus, „German Angst“ ist ein weltweit anerkanntes Phänomen. Wir neigen zu Alarmismus und Panik. Die Pandemie hat das deutlich gezeigt. Parkbänke wurden eingezäunt, Senioren isoliert. Während in anderen Ländern längst wieder das normale Leben herrschte, liefen hier noch monatelang neurotische Menschen mit FFP2-Masken herum, um sich mitten im Wald an der frischen Luft vor der frischen Luft zu schützen.
Die neue Projektionsfläche der „German Angst“ ist der Klimawandel, beziehungsweise die Klimakatastrophe! In deutschen Medien geht jeden Tag die Welt unter. Überall sonst spricht man von warmen Tagen oder einfach von Sommer.

Sinnbild deutscher Panik: eine Parkbank während der Pandemie.
Regelwut und Staatsgläubigkeit
In welchem anderen Land der Welt schauen einen Passanten böse an, wenn man über eine rote Ampel läuft, weil weit und breit kein Auto zu sehen ist? Genau, in keinem. Die Regelwut der Deutschen ist einmalig. Regeln sind hier längst zum Selbstzweck geworden, ihre Sinnhaftigkeit wird wenig hinterfragt. Das, was der Staat uns vorschreibt, wird ja wohl seine Richtigkeit haben! Aber damit nicht genug. Der Deutsche neigt darüber hinaus auch dazu, Unbekannten zu erklären, dass sie eine Regel gebrochen haben. Wir sind nicht für unsere Kontaktfreudigkeit bekannt, doch, wehe, Sabine sieht, dass da jemand den Müll nicht trennt oder mit dem Rad auf dem Bürgersteig fährt. Dann wird eingegriffen. Und zwar pronto.

Ich trenne, also bin ich. Zumindest in Deutschland.
Immer schön praktisch bleiben
Es ist kein Zufall, dass es für „Savoir vivre“ oder „pura vida“ kein deutsches Äquivalent gibt. Wir sind nicht besonders talentiert im Genießen. Essen muss billig sein, der Geschmack ist zweitrangig. Aldi, Lidl, Netto, Penny – in unseren Städten wimmelt es nur so vor Discountern. Ein deutscher Exportschlager. „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“ – auch ein sinnbildliches Sprichwort für die Angst vor Genuss. Deutschland ist durch und durch von protestantischer Verzichts-Ethik und Moralismus geprägt.
Diese Lustlosigkeit zeigt sich auch in der Mode. Mich schaudert es, wenn ich Paare in abgestimmten, neonfarbenen Outdoor-Jacken von Vaude oder Jack Wolfskin auf ihren Elektro-Bikes sehe. Nein, Mode muss nicht vorrangig funktional sein, Tobias. Bitte tausch deine Zipp-Cargo-Hose endlich gegen eine Jeans ein!

Fahrradtasche, Regenjacke, Helm: Starter-Pack für Neudeutsche.
Rentner, die Flaschen sammeln
Wir sind die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wie kann es sein, dass Rentner, die 40 oder 50 Jahre gearbeitet haben, Flaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen? Dass es zu diesem Phänomen kommt, ist einem Land wie Deutschland unwürdig und eine riesengroße Schande. Wer sein Leben lang Steuern zahlt, sollte von seiner Rente leben können. Mindestens.

Solche Bilder sollte es gar nicht geben.
Rundfunkbeitrag
Es ist keine Steuer, aber fühlt sich wie eine an. Den Rundfunkbeitrag muss jeder gemeldete Haushalt in Deutschland zahlen. Auch, wenn er kein Radio, Fernseher oder Internetanschluss besitzt. Monatlich 18,36 Euro für tendenziöse, linkslastige Berichterstattung. ARD und ZDF, mit ihren zig Hörfunk- und TV-Formaten, sind der größte öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt. Jahr um Jahr frisst er mehr Geld, die Beiträge erhöhen sich stetig. Nur, um von Aktivisten, die sich als Journalisten ausgeben, über die immer wieder gleichen Themen belehrt zu werden.
Verwahrlosung, tote Innenstädte und Dreck
Fährt man durch Frankreich, könnte man in fast jedem Dorf anhalten und würde einen guten Bäcker, eine Kirche, einen Platz mit Springbrunnen und Menschen, die sich dort aufhalten, vorfinden. In Deutschland zieht sich der Einzelhandel immer mehr aus den Innenstädten zurück, leere Lokale lassen sie geisterhaft erscheinen. Das, was bleibt, sind Handy-Reparatur-Läden und Ein-Euro-Shops. Wer an deutschen Zugbahnhöfen ankommt, trifft Obdachlose mit eitrigen Wunden an, in S- und U-Bahnen betteln Roma-Banden, auf der Straße: Berge von Müll. Parks und Spielplätze sind für Kinder gefährlich geworden – Drogentütchen, benutzte Spritzen und Kot verschandeln Orte, die eigentlich zur Erholung gedacht sind.

Vermüllung und Obdachlosigkeit prägen deutsche Innenstädte.
Frauen sind zunehmend gefährdet
Viel zu sehr haben wir uns schon an Meldungen über Gruppen-Vergewaltigungen, Messerattacken und hinterhältige Eifersuchtsmorde gewöhnt. Dabei ist das nichts, woran wir uns je gewöhnen sollten. Frauen sind in vielen deutschen Städten von einer realen Gefahr bedroht: jungen Männern, oft, nicht immer, migrantisch. Viel zu viele sind über die vergangenen Jahre in unser Land gelangt. Und nichts, gar nichts, deutet darauf hin, dass sich in naher Zukunft etwas an der desaströsen Migrations-Politik der Regierung ändert. Man könnte fast denken, das Wohlergehen und die Bewegungsfreiheit von Frauen sei ihr egal. Denn wäre es nicht so, würde sie handeln, keine Straftäter mehr ins Land lassen, die hiesigen hinter Gitter bringen oder abschieben.
Bürgergeld
In Kombination mit der Migrations-Politik ist die Einführung des Bürgergeldes eine der irrsinnigsten Dinge, die die Ampel-Regierung verzapft hat. Wir lassen jeden ins Land, zahlen ihm nach gewisser Zeit, fast bedingungslos, Geld fürs Nichtstun und wundern uns über den Fachkräftemangel. Es ist eine Verhöhnung aller, die für ihr Geld arbeiten gehen.

Warum schuften, wenn’s auch anders geht?
Bürokratie und die „das-geht-nicht-Mentalität“
Deutschland ist im Zeitalter der Faxgeräte stecken geblieben. Klingt lustig, nervt im Alltag aber ungemein. Unkomplizierte Behörden-Gänge existieren nicht. Während der Deutsche bei der Kleidung übermäßig viel Wert auf Praktikabilität legt, ist der Beamte ein Meister der Verkomplizierung.
Die Menschen, die in Deutschland „einfach mal machen“ wollen, werden gebremst, mit zig Auflagen überhäuft. Ideen sind schön, aber ja nicht zu verrückt. Etwas wagen? Nur mit Helm und Schonern. Risiko eingehen? Muss doch nicht sein, der Staat kümmert sich am Ende um uns alle.
Politische Spaltung
Hilfe, SOS, Alarm, es geht ein Rechtsruck durch das Land. Die vergangenen Monate, wenn nicht Jahre, sind geprägt von wiederkehrenden Mechanismen. Es gibt ein Problem, zum Beispiel überproportional hohe Kriminalität unter Flüchtlingen, dieses wird vom Gros der Parteien ignoriert, die AfD thematisiert es und erhält Stimmzuwachs, die besorgten Bürger des Landes gehen auf die Straße und demonstrieren „gegen Rechts“, womit sie mittlerweile von FDP, CDU, CSU bis zur AfD und Rechtsextremen alle gleichermaßen mitmeinen. Das Problem? Ist immer noch da. Und so geht der ganze Zirkus von vorne los.
Debatten über Politik lassen sich in diesem Land nicht mehr ohne Schaum vorm Mund führen. Entweder, man ist „gegen Rechts“ oder ein Nazi. So abgenutzt, falsch und obendrein wenig originell dieser Vorwurf auch ist, er hält sich hartnäckig und dominiert die mediale Öffentlichkeit. Es ist ein Jammer, dass Deutschland es nicht schafft, Konservative, Liberale, Grüne, Linke und Rechte nebeneinander existieren zu lassen. Mit einem Absolutismus und einer Ideologie versuchen die Regierungsparteien, sowie linke Bündnisse ihre Sicht als Maß aller Dinge zu etablieren. Freundschaften werden aufgrund politischer Ansichten gekündigt, das Private wird hochpolitisiert, alles untersteht der Moral. Der sachliche und nüchterne Geist, der uns lange ausgezeichnet hat, ist abhandengekommen.

Hihi, wir sind Lisa und Maja und mögen keine Rechten. Man sollte die verbieten!
Es ist kalt in Deutschland
Niemand, wirklich niemand schätzt Deutschland, weil das Wetter hier so schön ist. Obwohl uns die Grünen seit ein paar Jahren einreden wollen, dass die Klimakatastrophe droht, sind die Winter noch immer lang, grau, kalt und regnerisch. Das fehlende Sonnenlicht drückt die Stimmung, Menschen laufen wie farblose Zombies durch die Straßen.

Nass, grau, kalt. Keiner mag deutsche Winter.
Ich weiß nicht, ob die Welt in Spanien wirklich eine bessere ist, aber immerhin scheint die Sonne. Ich bin dann mal weg.
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