Eine Liebeserklärung an Brigitte Bardot
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Wenn das Wort „sinnlich“ eine menschliche Gestalt haben sollte, dann passt es auf sie – auf Brigitte Bardot. Die französische Schauspielerin und Sängerin starb am 28. Dezember in Saint-Tropez. Sie wurde 91 Jahre alt.
Für viele Menschen meiner Generation, ich darf hier bitte das Klischee benutzen, ist sie unsterblich. Sie ist es, weil sie so frei war. Nicht, weil sie sich freizügig zeigte. Das haben andere auch gemacht. Sie schuf ein neues Frauenbild: Weibliche Schönheit durfte sinnlich und selbstbewusst sein. Sie prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp. Deutschlands Weltstar Curd Jürgens (1915 bis 1982), der mit ihr „Und Gott erschuf die Frau“ drehte, sagte über sie: „Sie, die das Gesicht, die Mode, die Frisur zweier Generationen verändert hat, tat wahrscheinlich mehr für die Befreiung der Frau als die anderen Feministinnen zusammen. Sie hat der Welt gezeigt, was patriarchalische Männer nie zugeben wollen: Die Frau wählt den Mann, nicht umgekehrt.“

Brigitte Bardot mit dem Schauspieler Jack Palance während der Dreharbeiten zu dem Film „Le Mépris“ (Die Verachtung)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte fest: „Mit Filmen wie Die Wahrheit, Die Verachtung und Viva Maria machte Bardot nicht nur Filmgeschichte. Sie hat mit ihrer Sinnlichkeit, selbstbestimmter Weiblichkeit und Erotik der sexuellen Revolution den Weg bereitet. Weibliche Schönheit durfte sexy und selbstbewusst sein.“
Wir starrten auf die Fotos unseres Idols
Als meine Klassenkameraden und ich Brigitte Bardot in den Fünfzigerjahren kennenlernten, war uns der Feminismus völlig egal. Das Wort kannten nur Intellektuelle. Wir 15-jährigen pickligen Gymnasiasten starrten täglich auf die Fotos unseres Idols, die in Glaskästen in der Nähe unserer Schule im Berliner Stadtteil Steglitz ausgestellt wurden, wenn ein Film mit ihr im Titania-Palast zu sehen war. Es gab viele Filme, sie liefen sehr lange und waren damals ziemlich freizügig. So lernten wir Schüler BB, wie man damals unter Kennern sagte und heute noch sagt, kennen und lieben. Mit der Nase am Schaufenster-Glas, und die Träume vom Leben begannen.

Brigitte Bardot im Jahr 1961 im Garten der Villa Verdiani in Spoleto (Italien)
Angucken durfte man ihre Werke damals nicht, die Filme waren ab 18, das erhöhte aber die Traumfantasie.
Bardot platzte herein, wie von einem anderen Stern
Es war die Zeit, als in Deutschland noch der Kuppelei-Paragraph galt (fremde Personen mussten eine Wohnung bis 22 Uhr verlassen, sonst machte sich der Vermieter strafbar), Homosexualität (Paragraph 175) war strafbar, Pornographie sowieso. Und in diese prüde Welt platzte das Wesen aus Saint-Tropez in unsere behüteten Heime. Sie war wirklich wie von einem anderen Stern. Und wer sie kennenlernen durfte (nicht nur im Glaskasten), der wurde schwärmerisch. Kein Wunder, dass sich viele Männer in sie verliebten. Sie machte aus ihren Affären keinen Hehl. Während ihr Ehemann Roger Vadim Und immer lockt das Weib drehte, begann sie eine Beziehung mit Filmpartner Jean-Louis Trintignant. In einem Interview sagte BB später: „Ich habe viel und leidenschaftlich geliebt. Das liegt in meiner Natur.“

Das Ehepaar Bardot-Sachs während ihres Winterurlaubs in Gstaad in der Schweiz 1967
Curd Jürgens fasste es so zusammen: „Das Sexkitten, wie die Amerikaner sie nannten, das Sexidol einer ganzen Zivilisation, kann und will sich nicht unterordnen. Deshalb, so denke ich manchmal, haben auch die Verbindungen mit starken Persönlichkeiten wie Gunter Sachs nie gehalten.“

Bardot mit ihrem Playboy-Partner Gunter Sachs im Jahr 1967
Sie war, so empfinde ich es wie einst auch meine Mitschüler im Heese-Gymnasium zu Steglitz, ein wirklich freier Mensch – begehrenswert und unerreichbar. Ich habe keine Ahnung, ob sie eine gute Schauspielerin war. Ich gucke mir ihre alten Filme aber immer wieder an, sie laufen oft im Fernsehen. Ich gucke, weil ich sie sehen will – das unvergessene Idol einer ganzen Generation.
Salut, Brigitte.
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