Erbärmlich! Wenn Polizisten darum betteln, nicht attackiert zu werden, läuft etwas schief in diesem Land
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- Berlin bereitet sich mit dem größten Polizeieinsatz seit Jahrzehnten auf Silvester vor
- Vergangenes Jahr gab es in vielen Großstädten gezielte Angriffe auf Rettungskräfte, Hinterhalte und Krawalle
- Der Appell von Polizei und Feuerwehr „Greift uns nicht an“ zeigt: Es läuft etwas schief in diesem Land
Knall, rumms, wumms. Die Silvesternacht in Berlin ist für Polizei und Feuerwehr wie ein nicht endender Comic – nur, dass keiner der Einsatzkräfte in Uniform Superkräfte besitzt. Und die Menschen, die uns beschützen sollen, plötzlich Angst um ihr Leben haben. Mit einem dringlicher Appell fordern sie: „Greift uns nicht an. Beschießt uns nicht mit Böllern, Raketen oder Schreckschusswaffen.“. Es ist ein erbärmliches Zeugnis dafür, wie sehr wir die Kontrolle über den öffentlichen Raum verloren haben, wenn Rettungskräfte darum betteln müssen, nicht attackiert zu werden.

In der Berliner High-Deck-Siedlung zündeten vergangenes Jahr Randalierer einen Reisebus an und gefährdeten Menschenleben in den darüber liegenden Wohnungen.
Zwischen Krawall und Konsequenz
Die vergangene Silvesternacht 2022 in Berlin war ein Schock. Es waren Szenen wie aus einem anderen Land, mit dem wir nichts zu tun haben wollen: Junge Männer im Kampf mit der Polizei, Böller-Gefechte zwischen Kleingruppen, Beschuss mit Feuerwerkskörpern auf Kopfhöhe quer über die Straße. Ein einziger Rausch an Pyro und Testosteron. Ein Feuerlöscher wird auf einen fahrenden Rettungswagen geworfen, bleibt auf der Scheibe liegen. Ein Reisebus wird angezündet, und als die Feuerwehr ihn löschen will, wird sie von Vermummten attackiert.
NIUS hatte die Kapitulation des Rechtsstaats in einer Video-Dokumentation festgehalten:
Rettungskräfte wurden in Hinterhalte gelockt. Wie asozial kann man bitte sein?! Polizisten setzen Recht durch, Feuerwehr und Rettungsdienst helfen Menschen in Not. Und diese Menschen wurden in HINTERHALTE gelockt!
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik macht für dieses Jahr deutlich: „Es ist der größte Polizeieinsatz an Silvester der letzten Jahrzehnte.“ Doch es geht nicht nur um Präsenz. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner betont, dass ein entschlossenes Vorgehen nötig ist. Wer Polizei und Feuerwehrkräfte angreift, „muss mit einer sehr konsequenten Antwort des Rechtsstaats rechnen.“
Das Silvester, das Berlins Bürgermeister da beschreibt, hat nichts mit einem Fest oder einer Feier zu tun. Seine Worte klingen eher nach einer Vorbereitung für einen temporären Kriegszustand.

Vergangenes Silvester war Feuerwerk von Sprengkörpern kaum mehr zu unterscheiden.
Ein Appell an die Vernunft
In einem gemeinsamen Video appellieren Polizei und Feuerwehr an die Bevölkerung: „Bitte respektiert unsere Arbeit. Gebt uns genug Platz dafür. Und folgt unseren Anweisungen“. Es ist absurd, dass diese Botschaft überhaupt nach draußen gesendet werden muss.
Der Respekt vor den Menschen, die für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden da sind, sollte selbstverständlich sein. Ich als freiwilliger Feuerwehrmann investiere meine Freizeit in das Wohl der Gesellschaft – und verstehe, dass dies vielen Bürgerinnen und Bürgern inzwischen zu riskant ist. Zu groß sind die Anfeindungen und Respektlosigkeiten, etwa durch Gaffer, geworden.
Eine aktuelle Umfrage des Feuerwehrverbandes zeigt: Jeder zweite Freiwillige Feuerwehrmann wurde in den letzten zwei Jahren Opfer eines Angriffs – sei es durch eine Bedrohung, Beschimpfung oder eine körperliche Attacke. Wer hat denn da noch Lust, neben Job und Familie was für die Allgemeinheit zu machen?

Silvester 2022: Polizisten wurden aktiv mit Feuerwehrkskörpern beschossen und laut Polizeipräsidentin in Hinterhalte gelockt.
2.500 Einsatzkräfte sollen für Ruhe in Berlin sorgen
Mit 2.500 Einsatzkräften, verstärkten Streifenwagen und zusätzlicher Unterstützung aus anderen Bundesländern scheint Berlin gerüstet. Doch die wahren Herausforderungen liegen tiefer. Es geht um eine Kultur des Respekts und der Achtung – Werte, die in der hitzigen Atmosphäre einer Silvesternacht schnell vergessen werden können.
Die Silvesternacht wird kommen und gehen – unabhängig von der Eskalation in diesem Jahr bleiben aber die Fragen: Wie können wir solche Appelle überflüssig machen? Wie stellen wir die Kontrolle über unsere öffentlichen Räume wieder her? Es ist ein erbärmlicher Zustand, wenn Rettungskräfte um ihre Sicherheit fürchten müssen.
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