Friedrich Merz macht sich unsichtbar – als künftiger Kanzler sollte er aber nach Rom reisen und mit Trump sprechen
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Am 6. Mai soll der Bundestag Friedrich Merz zum Kanzler wählen. Sofern der CDU-Vorsitzende bis dahin auftaucht. Momentan macht Merz vor allem eins: sich rar. Seltsam ist das für einen Mann, der die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt regieren will.

Friedrich Merz glänzt im Augenblick durch Abwesenheit.
Sogar die Gelegenheit, sich am Samstag bei der Beerdigung des Papstes mit den Mächtigen auszutauschen, lässt Merz verstreichen. Die Zurückhaltung fügt sich ins trübe Bild: Da will einer Kanzler werden, der gehemmt wirkt – ratlos und freudlos zugleich. Nichts aber braucht Deutschland weniger als einen Schmerzensmann, der über die eigenen Füße stolpert, weil ihm der Kompass abhandenkam.
Merz ist ein Sitzriese
Spitzenpolitiker haben das Recht auf Urlaub. Er sei Friedrich Merz gegönnt. Doch während Merz urlaubt, sinkt das Zutrauen der Deutschen in seine Fähigkeiten rapide, zieht die AfD in den Umfragen an der Union vorbei und streiten die neuen Koalitionäre im Stundentakt.
Merz müsste jetzt – um in der Sportlersprache zu bleiben – rausgehen und kämpfen, kämpfen, kämpfen. Dass er auch nach Urlaubsende nicht nach Rom reist, um Franziskus die letzte Ehre zu erweisen und politische Gespräche zu führen, ist unbegreiflich. Der hochgewachsene Merz ist offenbar ein Sitzriese. Bewegen sollen sich die anderen.
Der doppelte Merz
Ein Muster zeichnet sich ab: Der Kanzler Merz und der Kandidat Merz scheinen zwei verschiedene Personen zu sein. Im Wahlkampf und noch bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags kündigte Merz ein neues Auftreten auf der Weltbühne an. Die vornehme Zurückhaltung innerhalb der EU werde ein Ende haben. Unter Merz werde deutsche Außenpolitik wieder gestaltet.
Merz und seine Regierung wollen also den Wandel in der Welt für Deutschland mitgestalten. Man will einen Aufbruch organisieren. Und nun bleibt Merz im Sauerland und bereitet sich auf einen Kleinen Parteitag der CDU am kommenden Montag vor.
Back on track?
Handverlesene Delegierte werden den Koalitionsvertrag absegnen. Er würde besser nach Rom reisen und mit Donald Trump sprechen, statt auf heimischer Scholle in sich zu gehen. Zumal Merz den amerikanischen Präsidenten unlängst direkt ansprach.
Germany is back on track? Wenn Deutschland zurück in der Spur sein sollte, dann fährt Merz auf dem Nebengleis. Selten kam eine Regierung wurschtiger, verzagter, achselzuckender in ihr Amt. Droht uns eine Alles-egal-Koalition? Kein Appell zum Aufbruch klingt verzagter, als wenn ihn Friedrich Merz vorträgt. Oder übt er schon für eine Anschlussverwendung als Trauerredner?
Verantwortung muss man übernehmen wollen. Merz will regieren. Dass damit Verantwortung einhergeht, weiß Merz theoretisch. Praktisch scheut er sie. Er schlingert, er hadert, er schweigt. Als Leerstelle ist jeder Kanzler eine Fehlbesetzung.
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