Friedrichstraße – wie es zum Niedergang eines Prachtboulevards kommen konnte
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Diese Straße ist wie ein Symbol für eine ganze Stadt. Leider ein trauriges Symbol. Die legendäre Friedrichstraße in der Berliner Mitte – einst Inbegriff für Luxus und Glamour – ist auf ein Niveau gesunken, das an die DDR-Zeit erinnert.
Die Friedrichstraße hatte viele Leben. Das letzte haben die Grünen ausgelöscht. 2020 ließ die Grüne Bettina Jarasch einen Teil der Friedrichstraße zur Fahrradstraße umwidmen – davon hat sich die Einkaufsmeile bis heute nicht erholt. 2023 wurde die Friedrichstraße wieder für Autos freigegeben. Aber kaum ein Auto kam noch. Und auch keine Autofahrer, die teure Waren kauften.
„Mitten auf der Friedrichstraße steht ein Palast, der nicht mehr glänzt, sondern seit Langem nur noch gähnt“, konstatiert die Berliner Zeitung ironisch.

Die heutige Friedrichstraße im Zentrum Berlins – Glamour sieht anders aus.
Die Friedrichstraße war wie die „Kö“ in Düsseldorf – sie strahlte ein bestimmtes Lebensgefühl aus, das Gefühl, reich und schön zu sein. Zumindest für die Zeit, die man in einem der vielen mondänen Geschäfte der großen internationalen Modelabels verbrachte. Das Quartier 206 war einmal als feine Mitte der Friedrichstadt-Passagen gedacht. Nördlich lag das Quartier 207 mit den Galeries Lafayette, südlich das Quartier 205, verbunden durch unterirdische Passagen.
NIUS-Politik-Chef Ralf Schuler: „In der DDR-Zeit gab es dort nur Brachen“
Damals hatte Berlin Geschichte und Glamour. Damals – das waren ein paar prächtige Jahre nach der Wiedervereinigung. In der DDR-Zeit, berichtet mein Kollege Ralf Schuler, bestand die Friedrichstraße vor allem aus Brachen und leeren Flächen. Man konnte weit sehen, weil nichts den Blick verstellte. Manchmal konnte man von dort aus auch West-Bands hören, weil kein Gebäude den Schall aufhielt.
Die einstige Nobelmeile (sie ist 3,3 Kilometer lang) wurde erstmals 1695 erwähnt. In diese Gegend waren viele Hugenotten gezogen. König Friedrich Wilhelm I. forcierte den Ausbau der Friedrichstadt (daher der Name).

Der Grenzübergang am Checkpoint Charlie zu Zeiten der DDR.
Edelsteine und Prostituierte
Um das Jahr 1900 galt die Friedrichstraße als Handelsplatz für Edelsteine und Gold – und sie war ein Zentrum der Prostitution. In den 1930er-Jahren gab es in der Friedrichstraße teure Hotels (wie das Hotel Metropol), Künstler-Etablissements und berühmte Speiserestaurants wie den Franziskaner. Mit dem Bau der Eisenbahn und der Bahnstation Friedrichstraße wuchs die Bedeutung dieser Straße für das Leben in Berlin.
Zur Einkaufsstraße war die Friedrichstraße erst nach der Wende geworden. Zwar träumte Erich Honecker davon, die Friedrichstraße „zur attraktivsten Geschäftsstraße unserer Hauptstadt“ zu machen, aber daraus war bis zu seinem Untergang nichts geworden.
Später kam dann die Phase mit den Galeries Lafayette mit schwarzem und weißem Marmor und unterirdischem Wandelgang mit Pianisten im Atrium. Ich darf sagen: Das war so schön, so geschmackvoll, dass ich aus diesen prachtvollen und gepflegten Hallen gar nicht mehr rauswollte. Mit meiner Kollegin Caroline Methner war ich dort jeden Mittag essen – und nicht nur wir allein. Die Galeries Lafayette waren die französische Variante des KaDeWe – nur noch eleganter. Ein Berliner Paradies aus Marmor, ein Paradies unter der Erde.
Dann hatte die Grüne Bettina Jarasch die Idee, die Friedrichstraße für Autos zu sperren. Die Geschäftsleute liefen Sturm, kaum noch Kunden. Die Straße wurde wieder für Autos geöffnet. Zu spät.
Was mal weg ist, kommt nicht wieder. Gehen Sie heute mal in die Friedrichstraße im Herzen von Berlin. Glamour sieht anders aus.
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