Fürs Klima kommt die Post jetzt später
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Revolution bei der Post – nach mehr als 62 Jahren hat sie ihre Inlands-Briefbeförderung mit dem Flugzeug eingestellt.
Die Älteren erinnern sich noch gut an den kleinen, blauen Aufkleber. Auf ihm stand AIR MAIL PAR AVION, mit dem Flugzeug also. Der Brief im Flugzeug kostete nichts extra – eigentlich erstaunlich. Aber er war eben am nächsten Tag an jedem Ort in Deutschland. Das hatte die Post garantiert und auch eingehalten. Wer an einem Bahnhof oder Flughafen einen Brief in einen Nachtbriefkasten geworfen hatte, konnte sicher sein: Am nächsten Morgen war er beim Empfänger.
Das ist nun Geschichte. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat sich der letzte „Flieger auf den Weg gemacht – von Berlin nach Stuttgart“, wie die Post mitteilt. Bereits zuvor waren weitere Maschinen von Hannover, München und Stuttgart losgeflogen. An Bord der letzten „Flugeinheiten“ (Post-Deutsch) befanden sich insgesamt 1,5 Millionen Briefsendungen mit einem Gesamtgewicht von 53 Tonnen.

DHL Hub Flughafen Leipzig
Die Entdeckung der Langsamkeit
Mit den letzten Flügen ging auch eine Epoche zu Ende. „Wir beenden die Ära mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt der zuständige Post-Manager Marc Hirschfeld dem Nachrichtensender n-tv. „Auf der einen Seite ist der Brieftransport per Flugzeug innerhalb Deutschlands in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zu rechtfertigen, auch weil es bei den Briefen nicht mehr diese Eilbedürftigkeit wie noch vor Jahrzehnten gibt.“
Fürs Klima kommt die Post jetzt später, das durfte in der Erklärung natürlich nicht fehlen. Aktuell ist die Post aber immer noch dazu verpflichtet, 80 Prozent der eingeworfenen Briefe am nächsten Tag zuzustellen. Allerdings müssten Menschen, die Briefe aus weit entfernten Regionen erwarten, jetzt mit einer längeren Wartezeit rechnen.
Der Bundestag hat nun also für die „Modernisierung des Postgesetzes“ gestimmt. Die Post muss nun erst innerhalb von drei Werktagen Briefe zum Empfänger bringen. Das gilt für 95 Prozent der Briefe. Bisher war es so, dass Standardbriefe mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent am nächsten Tag ankommen müssen und zu 95 Prozent am zweiten Werktag. Nun wird es keine festen Zielvorgaben für die ersten beiden Tage mehr geben. 99 Prozent der Briefe müssen am vierten Werktag im Briefkasten liegen. Gleichzeitig sollen die Arbeitsbedingungen für Paketzusteller verbessert werden. Pakete mit einem Gewicht von über 20 Kilogramm dürfen zukünftig grundsätzlich nur noch von zwei Personen getragen werden.
Wie finden wir die Neuregelung bei der Post? Die Kommunikationswege der Menschen haben sich geändert, der Brief hat an Bedeutung verloren, das stimmt. Die Briefe werden auch weiterhin montags zugestellt, das ist gut. Allerdings kann man jetzt von einer „Schneckenpost“ sprechen, wenn manche Briefe drei Tage brauchen, bis sie irgendwo ankommen. Und irgendwo ist Deutschland.
Vielleicht sollte man wieder mehr Liebesbriefe schreiben – da kommt es auf die Stunde nicht an. Echte Liebe hält auch ein paar Tage länger aus.
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