Geheimnisvolles Einhorn: Das schönste Tier der Welt lebt jetzt in Potsdam
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Wohl kein anderes Tier hat die Menschen jahrhundertelang so fasziniert. Es wurde gemalt, modelliert, gezeichnet. Meister wie Albrecht Dürer, Tizian, Arnold Böcklin, René Magritte haben es in ihrer Kunst unsterblich gemacht – das Einhorn. „Es ist in keinem Zoo als lebendes Tier zu sehen, aber zugleich allgegenwärtig – in der Popkultur, als Werbung oder in den Kinderzimmern“, sagt Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini zu Potsdam.
Mein gesunder Menschenverstand schnappt nach Luft (wenn er es könnte): Was ist bloß dran an diesem Tier, das nie gelebt hat, aber doch lebendiger scheint denn je?
Im Barberini-Museum in Potsdam habe ich nach Antworten gesucht – in einer großartigen Ausstellung, die das Fabelwesen Einhorn über Jahrtausende eindrucksvoll abbildet.

Eine wunderbare Ausstellung über das Einhorn im Barberini-Museum
Ein Symbol für Christus
Das Einhorn stand und steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Die Erzählungen vom Einhorn haben in Indien ihren Ursprung. Sie breiteten sich nach China und über Persien und Ägypten nach Europa aus. Das Einhorn galt als Symbol für Christus, deshalb wurde es auf vielen Altarbildern gezeigt. In der Lutherbibel von 1912 heißt es im Psalm 22,22: „Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und errette mich von den Einhörnern!“ Heute heißt es „Wildstier“.

Dame mit Einhorn aus dem 17. Jahrhundert. Der Maler ist unbekannt.
Das Einhorn galt als Zeichen der Keuschheit und wurde oft mit einer jungen Frau gemalt. Seinem Horn wurden medizinische Wunderkräfte nachgesagt. Deshalb nennen sich viele Apotheken nach dem Einhorn.
Das wundersame Horn des Einhorns
Im Mittelalter zweifelte niemand an der Existenz des Einhorns. Es gab als sichtbaren Beweis das wundersame Horn des Einhorns, das in manchen großen Kirchen zu sehen war: Eine lange weiße, spiralig gedrehte Stange, die oben spitz zuläuft. Erst im 17. Jahrhundert konnten Naturforscher beweisen, dass es sich dabei um einen Zahn des Narwals handelt. Aber auch diese wissenschaftliche Erkenntnis konnte die Anziehungskraft des Einhorns nicht schmälern.
Wenn Sie diese Ausstellung besucht haben, werden Sie, liebe Leser, eine konkrete Vorstellung dieses Fabeltiers haben, ohne jemals einem begegnet zu sein. Im Barberini-Museum faltet sich seine Existenz auf so wundersame Weise auf, dass man nur staunen kann, in welchen kostbaren Werken es sich überall versteckt hat. Man muss einfach genau hinschauen, und schon taucht es irgendwo auf. Nur dass man jetzt weiß, warum.
Der Dichter Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) hat wunderbare Worte für das Phänomen Einhorn gefunden:
„Kein Fabeltier ist beliebter als dieses, keines löst größeres Verlangen aus. Bis heute zeigt sich im Einhorn alle Liebe zum Nicht-Erwiesenen, Nicht-Greifbaren, aller Glaube an den Wert und die Wirklichkeit dessen, was unser Gemüt durch die Jahrhunderte aus sich erschaffen und erhoben hat.“
Schöner kann man es nicht sagen.
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