Höcke versus Voigt: Nur einer sagt, wo die schlimmsten Judenhasser herkommen
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Donnerstagabend: Das Land sitzt gespannt vor dem Bildschirm. Es ist das TV-Event des Jahres – Mario Voigt (CDU) debattiert mit Björn Höcke (AfD). Es geht um den Posten des Ministerpräsidenten Thüringens. Beide träumen davon, den linken Bodo Ramelow abzulösen. Beide Kandidaten äußern sich zu Themen wie Wirtschaft, EU, Migration, aber auch zu Antisemitismus und Erinnerungskultur.
Natürlich: Ohne einen „Wiedergutmachungs-Wettbewerb“ lässt sich in Deutschland kein Wahlkampf machen. Der Umgang mit der dunklen Vergangenheit der Deutschen wird zum relevanten Politikum – gleichauf mit der Steuerpolitik und der Migrationskrise. Als wäre die Entscheidung der Welt-TV-Redaktion, das Thema Erinnerungskultur als eigenes Themen-Segment aufzustellen, nicht fragwürdig genug – verblüffen beide Kandidaten mit ihren Antworten.
Die Welt-Moderatoren erinnern daran, dass der Duell-Tag gleichzeitig auch der Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald ist und fragen die beiden Kontrahenten nach ihrer persönlichen Beziehung zu diesem Tag.
„Denkmal der Schande“
Voigt reagiert mit einer Geschichte aus seiner Kindheit: Er habe den Glockenturm des KZs aus seinem Heimatort beziehungsweise auf dem Schulweg gesehen und es folgen die üblichen Worthülsen rund um das Gedenken an den Zivilisationsbruch der Shoah. Der CDU-Mann brüstet sich, dass er bei der Gedenkfeier des KZs selbstredend anwesend sein wird – einer Feier, zu der Höcke im Übrigen nicht eingeladen sei, so Voigt.
In Deutschland entscheiden offenbar einzelne Institutionen, wie in diesem Fall die Gedenkstätten-Stiftung, wer sich durch Anwesenheit von seiner „Erbschuld“ reinwaschen kann und sich damit profilieren darf – und wer nicht. Voigt darf sich damit als „wieder gut gewordener Deutscher“ inszenieren – Höcke nicht.

Voigt sah diesen Turm täglich – laut eigener Aussage.
Höcke betont, dass er gerne an der Gedenkveranstaltung teilnehmen würde, aber ihm dieses Privileg verwehrt bleibt. Er stellt, nachdem er mit Vorwürfen überhäuft wird, klar, dass die systematische Vernichtung von Millionen Juden ein Zivilisationsbruch darstellt. Angesprochen auf seine eigene Aussage zum „Denkmal der Schande“ – bezeichnet Höcke nun den Holocaust als Schande.
Der „Tote-Juden-Kult“
Übrigens: Zu den schärfsten Kritikern des Holocaust-Denkmals in Berlin gehört der jüdische Schriftsteller Henryk M. Broder. Vor mehr als zehn Jahren verkleidete er sich als Denkmal-Stein und besuchte eine deutsche Wohlfühl-Veranstaltung namens „Bürgerfest fünf Jahre Holocaustmahnmal“. In seiner Sendung „Entweder Broder“ dokumentierte er dann einen dort gehörten Satz, der so absurd wie pervers wirkt. „In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal“, sagte Historiker Eberhard Jäckel.

Heute undenkbar: Henryk M. Broder und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad bei der Deutschland-Safari, produziert vom ÖRR. Auch das war einst möglich.
Statt an die Verbrechen zu erinnern, bauen sich zahlreiche gesellschaftliche Akteure in diesem Land eine Karriere auf dem „Reinwaschen“ auf. Es wirkt nahezu wie ein „Tote-Juden-Fetisch“ – die Deutschen als „Wiedergutmachungs-Weltmeister“. Profitierten früher NS-Funktionäre und Fabrikanten von den sterbenden Juden – profitieren heute Politiker und andere gesellschaftliche Akteure von dieser toxischen Interpretation der Erinnerungskultur. Das ist keine Gleichstellung oder Relativierung – es ist lediglich eine Beobachtung.
Und warum kritisieren viele Juden diesen „Tote-Juden-Kult“? Ganz einfach: Neben den Unmengen an versprühtem „Moralin“ vergessen Politiker und gesellschaftliche Akteure, dass der Antisemitismus nicht besiegt ist und es auch niemals sein wird. Doch während man den jüdischen Opfern des rechten Judenhasses gedenkt, vergessen die meisten, zumeist linken und bürgerlichen Menschen, dass der Antisemitismus heutzutage in der Regel aus dem islamistischen und linken Lager kommt. Juden werden heutzutage von Islamisten ermordet, ob nun in Paris oder im Kibbuz Kfar Aza. Schaut man sich die RIAS-Statistik der antisemitischen Vorfälle seit dem 7. Oktober in Deutschland an, wird man die Befürchtung nicht los, dass dies auch in Berlin passieren kann.

Quelle: RIAS
Das heißt nicht, dass es keinen rechten Judenhass mehr gibt, nur spielen kahl rasierte militante Rechte kaum eine Rolle in der Gefährdung der Juden.
Vielleicht noch in den USA, aber da können sich Juden durch bewaffnete Bürgerwehren verteidigen, während sie in Deutschland Islamisten nahezu schutzlos ausgeliefert sind.
Mehr NIUS: Kurz nach Angriff auf jüdischen Studenten: Judenhass-Kundgebung an der Freien Universität Berlin
Wie gingen die Duellanten mit dem Thema Antisemitismus um?
Während in der Anmoderation des Themas an den Überfall der Hamas erinnert wurde, schien Voigt zu vergessen, woher der zeitgenössische Judenhass in Deutschland größtenteils kommt. Voigt spricht Flaggen und anti-israelische Spruchbanner an – Leute mit solchen Ansichten sollten kein „Aufenthaltsrecht“ haben. Doch zu sagen, welche Leute das genau sind, fiel dem Christdemokraten schwer. So schwer, dass er es verschwieg. Dafür gab Voigt damit an, dass er Gründungsmitglied des Freundeskreises Israel im Thüringer Landtag sei …
Während die Junge Union bei den Demonstrationen wie etwa „Fridays for Israel“ klare Kante beweist, eierte Voigt rum.
Höcke bediente den Talking-Point des „importierten Antisemitismus“, stellte aber auf Nachfrage klar, dass es auch deutsche Neonazis gibt. Er forderte einen Einwanderungs-Stopp von Menschen aus dem islamischen Kulturkreis, betonte jedoch, dass er „kein Feind des Islams“ sei.
Erwartbare Antworten von beiden Seiten: Während Höcke das Problem des muslimischen Antisemitismus klar benannte (sicherlich nicht ohne Eigennutzen), verlor sich Voigt in leeren Worthülsen. Gerade der Kandidat, der angeblich täglich mit der Shoah, in Form des Glockenturms von Buchenwald konfrontiert wurde, bekam es nicht hin, die Gefahr für europäische und deutsche Juden zu benennen.
Glaubhaft wirkten beide nicht. Doch während Höcke das Privileg besitzt, das Problem beim Namen zu nennen, traut sich Voigt nicht. Zu viel steht auf dem Spiel, möglicherweise Wählerstimmen von jenen Muslimen, die 2015 durch die CDU-Politik nach Deutschland kamen, mittlerweile eingebürgert wurden und daher Mutti Merkel und ihrer Partei bis heute dankbar sind.
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