In Leipzig sollen Fußball-Fans den anderen nach seinem Geschlecht fragen
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Hauptsache sensibel für die Trans-Community: Die Stadt Leipzig, Gastgeber dreier Gruppenspiele und eines Achtelfinales, hat für die Fans einen „Verhaltenskodex“ erlassen.
Man „solle bitte bedenken, dass auch Sprüche, Witze, Lieder über Personengruppen diskriminierend und damit verletzend für manche Menschen sein können“. Die Stadt bittet, auf solche Aussagen zu verzichten. Es gebe großartige Sprüche, Witze und Lieder, über die „alle gemeinsam lachen können.“ Man wolle keine Form von „körperlicher und sprachlicher Gewalt“. Dazu den Ratschlag: „Versuche Konflikte durch Gespräche zu lösen.“
Mein gesunder Menschenverstand fragt sich: Gibt es plattere und – sorry – dümmere Ratschläge als die auf der Internetseite der Stadt Leipzig? Ich befürchte – nein.
Zum Beispiel dieser Hinweis: „Vergewissern Sie sich, dass der Mensch gegenüber auch wirklich mit einem ‚in Kontakt treten‘ möchte.“ Und wie? „Am besten, in dem du die Person fragst.“ Großartige Idee. Ich höre die Fangruppen einander zurufen: „Willst du mit mir in Kontakt treten?“ Unter dem fünften Punkt des „Verhaltenskodex“ heißt es: Gibt die Person ein „für dich unerwartetes Geschlecht an“, bittet die Stadt den Fan, die Person mit ihrem Wunschgeschlecht oder ihrem Namen anzusprechen.

Ein Portugiese beim Spiel gegen Tschechien in der Red Bull Arena Leipzig: Indianerkostüme fallen unter „Kulturelle Aneignung“
Weltfremder geht nicht!
Fans wollen feiern und nicht andere Fans nach ihrem Wunschgeschlecht fragen. Normalerweise fragen sie nicht, sie sehen es ja. Das war und ist meiner Erfahrung nach immer der gleiche Vorgang, seit es Fußball-Feste gibt: Männer finden (abgesehen vom Fußball) Frauen ganz nett, Frauen finden Männer ok (meist jedenfalls). Wenn sie jünger sind, nennt man diese Persönlichkeiten Jungs und Mädchen. Und das kleine Spiel des Anbandelns nimmt neben dem großen Spiel auf dem Rasen seinen Lauf – oder eben auch nicht. Wie schön, dass es neben dem Sport auch ein bisschen Flirten gibt.
Die Stadt Leipzig rät zudem zur „Vorsicht bei der Kleiderwahl“. Fans sollen „sensibel bezüglich kultureller Aneignung sein“. Wenn sie „Elemente einer anderen Kultur übernehmen, die ‚Diskriminierung ausgesetzt seien‘. Sehr gefährlich: „Traditionelle Kleidung, Afroperücken, kultureller Schmuck und Symbole“.
Wie schön war es doch, als man einfach so ins Stadion durfte. Und seine Begeisterung oder seinen Missmut zeigen durfte – ob die anderen das wollten oder nicht. Man nannte es Fußball. Das Wort „kulturelle Aneignung“ habe ich auf dem Bolzplatz oder auf der Schotterstraße meiner Kindheit eher selten gehört.
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