ISIS-Finger Welcome! Wie Medien plötzlich den Islamisten-Gruß verharmlosen
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Wir befinden uns inmitten einer historischen Debatte, die große Auswirkungen auf die Zukunft unseres Landes haben wird.
Es geht um die Frage, ob wir als freie westliche Gesellschaft den Gruß der Islamisten, den empor gestreckten Zeigefinger, mit dem Terroristen seit Jahrzehnten ihre barbarischen Gräueltaten feiern, normalisieren und als Zeichen vollkommen unpolitischer Frömmigkeit in unserem Alltag akzeptieren wollen. Oder aber ob wir diese Geste als Erkennungszeichen eines globalen Todeskults zurückweisen.
Hier sehen Sie ein Foto von einem der islamistischen Mörder, die am 7. Januar 2015 die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo überfielen und in den Redaktionsräumen zehn Journalisten und einen Wachmann erschossen.

Screenshot aus dem Amateurvideo: Viele Medien zeigten nur Ausschnitte des Clips.
Einen Tag später ermordete ein weiterer Terrorist des Kommandos vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt.

Eliteeinheiten der französischen Polizei stürmten den HyperCasher-Supermarkt an der Porte de Vincennes im Osten von Paris, wo ein Geiselnehmer mehrere Menschen in seiner Gewalt hatte.
Die Männer bekannten sich zur Terrororganisation ISIS. Ihr Gruß war der erhobene Zeigefinger.

Amedy Coulibaly, hier in seinem Bekennervideo, soll auch während der Morde, die er in einem Pariser Supermarkt beging, gefilmt haben.

Die Attentäter bekennen sich mit gezücktem Tauhid-Finger.
Die Reihe der Mörder und Unterdrücker, die diesen Gruß verwendeten und bis heute verwenden ist endlos, die Grausamkeit ihrer Taten und die Kaltblütigkeit ihrer Ideologie ist einzigartig, ihre Entschlossenheit, jeden Ungläubigen zu unterwerfen oder zu ermorden ist ungebrochen und – erschütternderweise – attraktiv für junge Muslime in aller Welt, die bereit sind, mit dem erhobenen Finger in den Heiligen Krieg gegen die westliche Welt zu ziehen.

Hamas Terroristen übernehmen am 7.10.2023 die Kontrolle über einen israelischen Panzer, nachdem sie den Grenzzaun zu Israel in Khan Yunis überquert haben.
Es ist also eine legitime Frage, ob wir diesen Gruß einer mörderisch-totalitären Ideologie in unsere Mitte aufnehmen wollen. Wollen wir, dass Jugendliche an unseren Schulen mit diesem Gruß Lehrern und nicht-muslimischen Mitschülern gegenüber treten? Wollen wir, dass Menschen mit dem erhobenen Finger durch die Straßen dieses Landes ziehen und Allahu Akbar rufen, wie es bereits geschieht? Betrachten wir das als Vielfalt, als Bereicherung? Oder sehen wir darin den Beginn einer Unterwerfung?

Pro-palästinensische Demonstranten zeigen am 3. November 2023 in Essen ihre Unterstützung für Palästina und verurteilen die israelischen Angriffe in Gaza.
All das sind legitime Fragen, die öffentlich diskutiert werden sollten, weil sie darüber mit entscheiden werden, was für ein Land wir in Zukunft sein werden, wo wir die Grenze zwischen Islam und Islamismus, zwischen Glaube und politischer Ideologie ziehen. Aber wie bei allen großen gesellschaftlichen Themen der letzten Jahre sollen wir plötzlich nicht mehr diskutieren, sondern folgsam sein.
Mal wieder wird eine vollkommen legitime Debatte mit Worten wie Hass und Hetze, Spaltung und Rassismus unterdrückt.
Mal wieder versuchen weite Teile der deutschen Medien, subtil oder brachial, Ihnen vorzugeben, was Sie denken und sagen sollen. Mal wieder werden Ihnen wichtige Informationen vorenthalten, damit Sie bloß nicht das Falsche denken. Sie erkennen, dass etwas faul ist, weil plötzlich fast alle das Gegenteil von dem behaupten, was sie bis vor kurzem gesagt haben.

Ausgelöst hat diese Debatte der deutsche Fußballnationalspieler Antonio Rüdiger, Abwehrchef unserer Mannschaft für die Heim-EM im Sommer. Um es hier einmal ganz klar zu sagen: Natürlich ist Antonio Rüdiger genauso Deutscher wie Thomas Müller oder Toni Kroos. Er ist ein überragender Fußballer. Wir bei NIUS wünschen ihm und der ganzen Mannschaft das beste Turnier und den Titel.
Es geht hier nicht um die Frage, was oder wie ein Mensch ist, sondern was er tut. Antonio Rüdiger ist durch sportliche Leistung ein Vorbild für Millionen Menschen, vor allem für Jugendliche geworden. Genau deswegen sind seine Gesten von Bedeutung.

Antonio Rüdiger im Freundschaftsspiel: Frankreich - Deutschland, 23.03.2024
In nahezu allen deutschen Medien lesen und hören Sie plötzlich, der erhobene Finger sei eine vollkommen normale, rein spirituelle Geste. Wer etwas anderes behauptet, sei ein Hetzer und Rassist. Bei dieser Geschichte, die von einem Foto handelt, zeigt so gut wie kein deutsches Medium das entscheidende Foto als Aufmacher. Schauen Sie hier, eine kleine Auswahl quer durch die Medienlandschaft:
Fast überall sehen Sie das Foto erst am Ende des Artikels, nachdem Sie gelesen haben, was Sie darüber denken und was Sie nicht denken sollen. Das ist doch seltsam.

Antonio Rüdiger hebt den Tauhid-Finger während seines Gebetes.
Wenn das Foto so harmlos ist und es nunmal um dieses Foto geht, wieso zeigt man es dann nicht einfach als Aufmacher? Das wäre doch vollkommen logisch und normal.
Ihnen wird in nahezu allen Medien suggeriert, dass nahezu alle Experten den erhobenen Zeigefinger für eine spirituelle Geste halten. Aber das ist schlicht unwahr. Man verschweigt Ihnen in den meisten Medien, was zwei der wohl wichtigsten Autoritäten des Landes zu diesem Thema zu sagen haben, nämlich die Imanin Seyran Ates und der Psychologe und Autor Ahmed Mansour, die beide seit Jahren von Islamisten bedroht werden.
Die Kollegen von der WELT haben mit Seyran Ates gesprochen. Hören Sie dieser Frau bitte genau zu:
Sie haben es gehört: Die Geste, über die wir hier sprechen, ist eben keine vollkommen normale Geste im Gebet. Und hier ist der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmed Mansour:
Die Kollegen von der WELT leisten hier großartige Arbeit. Sie sprechen mit den Menschen, die sich mit dem Thema auskennen. Interessanterweise werden Sie diese Stimmen kaum irgendwo zitiert finden, nicht einmal bei BILD, die wie die WELT bei Axel Springer erscheint.
Bei BILD finden Sie stattdessen diesen Satz: „Die meisten von BILD angefragten Experten bestätigen, dass es nicht grundsätzlich ein Extremisten-Symbol sei.“
Dass von BILD angefragte Experten das Symbol auch extrem kritisch einordnen, wird nicht gesagt. Einer dieser Experten, der Publizist und Islam-Kenner Kacem El Ghazzali, hat seine Antwort bei Twitter veröffentlicht. Er sagte BILD: „Wer die Geste heute in der Öffentlichkeit zeigt, muss sich bewusst sein, dass sie von vielen als Symbol des Islamismus wahrgenommen wird.” Der Mann wurde in der Berichterstattung von Bild komplett ignoriert. Weiter hat er gesagt: „Eine Online-Suche nach alten Aufnahmen muslimischer Gläubiger ergab kein vergleichbares Foto, auf dem die Geste derart demonstrativ in die Kamera gezeigt wird. Es liegt nahe, dass der IS die Zeigefinger-Geste als Erkennungssymbol direkt von Al-Qaida und dem Vorbild Osama bin Ladens übernommen hat.“

Der Tweet von Islam-Kenner Kacem El Ghazzali
Daraus macht BILD dann am Ende: „Die meisten von BILD angefragten Experten bestätigen, dass es nicht grundsätzlich ein Extremisten-Symbol sei.“ Das ist umso interessanter, weil BILD selbst bis vor wenigen Tagen, als es noch nicht um die Nationalmannschaft ging, vollkommen anderer Ansicht war. In einem Text über den Breitscheid-Platz-Attentäter Anis Amri schrieb BILD: „Der erhobene Zeigefinger ist DAS Symbol der ISIS-Terroristen. Auch die Islamisten, die Geiseln enthaupten oder bei lebendigem Leib verbrennen, lassen sich mit genau dieser Geste fotografieren. Ebenso die Charlie Hebdo Attentäter in Paris: Auf Videos der Bluttat sind auch sie mit dem ISIS-Finger zu sehen.“
Hier sehen Sie BILD von Anfang November 2023. Das Foto zeigt junge Frauen bei einer Demonstration in Essen. Darunter schreibt BILD: „Erschreckende Bilder mitten in Deutschland. Diese jungen Frauen zeigen den ,ISIS-Finger‘. Er symbolisiert den strikten Ein-Gott-Glauben, wurde vielfach von Attentätern der Terror-Miliz gezeigt.“

Hier sehen Sie noch einmal BILD, ebenfalls aus dem November. Dort steht: „Es sind Bilder, die an den Einmarsch der Terrororganisation ISIS in syrische Städte erinnern. Die schwarzen Fahnen. Die Allahu Akbar Rufe. Der einzelne Finger in den Himmel gereckt.“

Bis vor wenigen Wochen erinnerte der erhobene Finger BILD an ISIS, nun lässt sich BILD von nicht genannten Experten bestätigen, dass dieser Finger nicht an ISIS erinnert.
Es kommt aber noch besser: Noch im August 2022 zog BILD bis vor das Bundesverfassungsgericht, um den ISIS-Finger als ISIS-Finger bezeichnen zu dürfen. Dabei ging es um diese Geschichte: Drei Mitarbeiter im Sicherheitsbereich des Flughafen Düsseldorf hatten den Gruß der Islamisten gezeigt. BILD schrieb damals: „ISIS-Gruß in Düsseldorf! Islamisten arbeiten am Flughafen!“

Und: „ISIS-Gruß am Düsseldorfer Flughafen! Islamisten-Alarm auf dem Rollfeld!“ Der Einstieg der Geschichte ging so: „ISIS-Alarm auf dem Flughafen Düsseldorf: Drei Mitarbeiter stehen auf dem Flughafen-Vorfeld vor dem Koffer-Rollband, recken den ISIS-Zeigefinger zum Himmel. Sie bekennen ihre Sympathie mit islamistischen Terroristen.“
Noch einmal: BILD selbst bewertete den Gruß als Sympathie-Bekundung für den islamistischen Terrorismus. Anders als bei Antonio Rüdiger handelte es sich bei dem Bild nicht um ein hochwertig produziertes Foto eines globalen Superstars für Social Media und Millionen Follower, sondern um eine spontane Geste dreier vollkommen unbekannter Männer. Diese drei Männer bekamen – meiner Meinung nach zurecht – die ganze Wucht der Marke BILD zu spüren. Sie klagten dagegen, von BILD als Islamisten bezeichnet zu werden. BILD ging in der Sache bis vor unser höchstes Gericht – und gewann in Karlsruhe. Vor Gericht argumentierte BILD, das Thema sei „von großem öffentlichen Interesse – Terroristengruß durch Flughafenmitarbeiter.“
Das Verfassungsgericht schildert in seinem Urteil die Berichterstattung von BILD. Wörtlich heißt es dort:
„Ihren etwa eine dreiviertel Seite füllenden Beitrag in der Ausgabe kündigte die Beschwerdeführerin auf der Titelseite mit der Schlagzeile ,Direkt an den URLAUBSFLIEGERN in, ,ISLAMISTEN arbeiten am Flughafen!‘ an, begleitet von einem eine dritte Person zeigenden Ausschnitt des Fotos und dem Begleittext ,Einer der drei Gepäckträger zeigt auf dem Rollfeld den ISIS-Gruß‘.
In dem auf der dritten Seite der Ausgabe abgedruckten Beitrag füllte sodann das im Bereich der Gesichter mit Augenbalken versehene Foto etwa ein Drittel der Seite, das den links oben angeordneten Begleittext ,Mit ISIS-Finger auf dem Rollfeld des Flughafens (…): die drei islamistischen Gefährder‘ enthielt.
Unter dem Übertitel ,Wegen ISIS-Gruß: Bundespolizei sperrt Kofferträger am (…) Flughafen‘ und dem Haupttitel ,ISLAMISTEN-ALARM auf dem Rollfeld‘ berichtete die Beschwerdeführerin darüber, dass drei Mitarbeiter „den ISIS-Zeigefinger zum Himmel“ gereckt und ,ihre Sympathie mit islamistischen Terroristen‘ bekannt hätten.“
Weiter schreibt das Bundesverfassungsgericht zu der BILD-Klage: „Unter der Abbildung einer bis auf ihre Augen verhüllten Person, die in vergleichbarer Weise mit seitlich vom Körper nach oben abgewinkeltem Arm ihren Zeigefinger himmelwärts richtet, druckte die Beschwerdeführerin die Überschrift „Das ist der ISIS-Gruß“ ab, gefolgt von der Erläuterung ,Der nach oben gestreckte Zeigefinger (,Tauhid‘) ist der Gruß der ISIS-Terroristen.‘
Anders als in den übrigen Medien veröffentlichte sie dort zudem am 23. Juli 2022 einen weiteren Beitrag mit dem Übertitel ,NACH BILD-BERICHT ÜBER ISIS-SYMBOLE‘ und dem Haupttitel ,Kriminelle haben am Sicherheitscheck nichts verloren‘“.
Sie sehen: Niemand im Land hat den Fingerzeig klarer als ISIS-Gruß bezeichnet als BILD. Und das vollkommen zurecht. Doch das ist nun plötzlich ganz anders. Ich hätte Rüdiger in die Nähe von Terroristen gerückt, behauptet BILD nun, nachdem BILD den Islamisten-Gruß immer in die Nähe von Terroristen gerückt hat. Und, wie gesagt: „Die meisten von BILD angefragten Experten bestätigen, dass es nicht grundsätzlich ein Extremisten-Symbol sei.“
In dem Artikel äußert sich erstmals auch Antonio Rüdiger ausführlich. Es ist ein langes Statement, bei dem es so scheint, als wären journalistische Nachfragen nicht möglich gewesen, weil es keine Nachfragen gibt. Je länger ein Statement ist, desto aufmerksamer muss man nach dem entscheidenden Satz suchen, den PR-Berater und Anwälte in vielen Worten zu begraben versuchen. Der entscheidende Satz hier lautet: „Als gläubiger Muslim praktiziere ich meinen Glauben, aber ich distanziere mich entschieden von jeglicher Art von Extremismus und den Islamismus Vorwürfen. Gewalt und Terrorismus sind absolut inakzeptabel. Ich stehe für Frieden und Toleranz ein.“

Von JEGLICHER Art von Extremismus. Das ist der klassische, allgemein gehaltene Satz, den man sagt, wenn man sich nicht ausdrücklich vom Islamismus distanzieren will, was doch eigentlich so einfach wäre. Antonio Rüdiger sagt auch, er distanziere sich von „Islamismus Vorwürfen“. Nicht vom Islamismus, sondern von „Islamismus Vorwürfen“. Ich frage mich: Wenn man den Gruß der Islamisten postet, was ist dann so schwer an dem Satz: Ich distanziere mich vom Islamismus?
Antonio Rüdiger sagt auch: „Gewalt und Terrorismus sind absolut inakzeptabel. Ich stehe für Frieden und Toleranz ein.“ Da hat er vollkommen Recht, aber Islamismus beginnt eben nicht erst mit Gewalt.
Was wir gerade erleben, ist die mediale Normalisierung einer Geste, die vollkommen inakzeptabel wäre, wenn sie zum Beispiel von rechtsextremistischen Fanatikern und Mördern genutzt und vereinnahmt worden wäre. Wenn Neonazis seit zwanzig Jahren mit diese Geste morden würden, dann hätten wir diese Diskussion nicht. Und genau deswegen sollten wir die Diskussion führen, ob wir wollen, dass dieser Gruß der Islamisten Einzug in unseren Alltag hält.
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