Israelischer Botschafter aus Café geschmissen – ein Skandal ist das nicht
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Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg kam es jüngst zum vermeintlichen Eklat. Der israelische Botschafter Ron Prosor wurde gebeten, ein Café zu verlassen, nachdem dieser als Vertreter des einzigen jüdischen Staates identifiziert wurde. Der Besitzer, ebenfalls Jude und Israeli, forderte Ron Prosor höflich, aber mit Nachdruck auf, sein Café zu verlassen, da er die Politik des Staates Israels nicht mag und den Staat sogar als Apartheid ansieht. Ich sehe das nicht so und bin sehr glücklich Ron Prosor als Repräsentanten meines Volkes in Deutschland zu haben – das ist kein einfacher Job.
Die deutschen Medien stürzten sich allzugern auf diesen Vorfall und versuchten, daraus einen Skandal zu machen – Stefan Kost von der BZ kam sogar nicht ohne eine Holocaustreferenz aus. Genau das ist meiner Meinung nach das wahre Problem bei dem Vorfall – denn jeder, auch ein Jude, hat das Recht, individuell vorzugehen – sogar das Recht, individuell diskriminiert zu werden und zu diskriminieren. Das sage ich als Jude und Unterstützer des Staates Israel.
Ein Ladenbesitzer hat Hausrecht und darf dieses auch durchsetzen, wenn ihm sein Kunde, aus welchen Gründen auch immer, nicht passt. Willkommen in der freien Marktwirtschaft. Ein Anbieter braucht weder Grund noch Argumentation, um eine potentielle Anfrage ausschlagen zu dürfen. Und selbst wenn er einen Grund nennt wie im Falle des Cafébesitzers: worin bitte besteht jetzt der Skandal?
Außerdem: Wenn ich als Jude aufgrund meiner Herkunft nicht in eine Bar eingelassen werde, dann merke ich mir, dass diese Bar offensichtlich von Antisemiten geführt wird und verliere schlicht das Interesse, diese besuchen zu wollen – einen Teufel werde ich tun, auf meinem Recht zu bestehen, diese Bar besuchen zu dürfen und mein Geld bei Leuten zu lassen, die mich nicht mögen. Das ist meine individuelle Entscheidung.
Doch das Spiel lässt sich auf jede Gruppe ummünzen: Wenn ich persönlich eine Bar hätte, würden Menschen mit Hakenkreuz-Tattoo bei mir nicht reinkommen, ebenso wie Kunden mit RAF-Shirt oder anderer antiisraelischer bzw. antisemitischer Symbolik. Zwar ermöglicht der Kapitalismus, mit verschlossenen Augen Handel mit Leuten zu betreiben, die man privat aus verschiedensten Gründen nicht leiden kann – aber genau das ist es ja: er „ermöglicht“, er „zwingt“ nicht. Der Liberalismus als Gesellschaftsmodell basiert auf Freiwilligkeit. Motivation und Demotivation haben bei Individuen allerhand subjektive Gründe.
Ob nun Lauterbach-Ultras Ungeimpfte nicht reinlassen, Linke Konservativen den Zutritt verwehren oder religiöse Menschen eine LGBTQ-Hochzeitstorte nicht in Auftrag nehmen wollen – all das ist das gute Recht des Dienstleisters und auch ein eindeutiges Signal an den abgelehnten Kunden, der daraus lieber lernen sollte, sich einen Anbieter zu suchen, der besser zu ihm passt oder der seine Weltanschauung teilt.
Wie so oft entsteht das Problem erst, wenn der Staat sich in das Geschehen einmischt: Der Staat kann einen religiösen oder anderweitig konservativen Bäcker durchaus zwingen, eine LGBTQ-Torte zu backen, indem er mit Repressalien oder Strafen droht, sollte der Bäcker es nicht tun bzw. mit seinem Nichttun diskriminieren. Genauso problematisch wird es, wenn der Staat gewisse Dienstleistungen einzelnen Bevölkerungsgruppen verwehrt, indem er explizit festlegt, wen Betriebe oder Institutionen bedienen dürfen und wen nicht. Zum Beispiel wenn der Staat vorschreibt, dass nur Geimpfte zum Friseur gehen dürfen – obwohl den meisten Salons der Impfstatus ihrer Klienten egal ist.
Nein-Sagen ist erlaubt. Das gilt auch für das Recht, sich seine Kunden und Handelspartner nach eigenen Kriterien aussuchen zu dürfen, ohne dass Berliner Journalisten prompt an den Holocaust erinnern müssten – oder dass der Staat vorschreibt, wer wen zu bedienen oder nicht zu bedienen hat.
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