Warum wir den Einfluss Katars eindämmen müssen
Ein Beitrag von
Das steinreiche Emirat Katar transferiert längst seine wirtschaftliche Macht in politische Macht und treibt die Islamisierung westlicher Gesellschaften voran. Dass Katar eben den VW-Rüstungsdeal mit Israel blockierte, zeigt, wie weit der Einfluss bereits reicht und wie wichtig es ist, sich von den Scheichs weder irreführen noch bestechen zu lassen.
Am 12. Juli meldete sich Bundeskanzler Friedrich Merz bei X mit einem verstörenden Kondolenz-Statement: „In Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani verliert Katar einen visionären Staatsmann und Deutschland einen großen Freund. Er hat sein Land über lange Jahre geprägt. Mein herzliches Beileid gilt S.H. Scheich Tamim bin Hamad Al Thani und seiner Familie.“

Merz-Tweet bei X: Lobende Worte für den verstorbenen Ex-Emir.
Dass Merz den drei Ehefrauen und 24 Kindern Al Thanis kondoliert, ist in Ordnung. Aber: „visionärer Staatsmann“? „großer Freund“? Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani war bis 2013, als er die Macht an seinen Sohn Tamim bin Hamad Al Thani abtrat, Emir des Wüstenstaates und derjenige, der die Stärkung der Hamas im Gazastreifen einleitete. Das Emirat Katar finanzierte Al-Qaida und IS und eben auch die Hamas und ist Heimatbasis und wichtigster Geldgeber der weltweit größten Dschihadisten-Terrororganisation: der Muslimbruderschaft.
„Verlässlicher Partner“, der unsere Werte nicht teilt
Auch haben die Kataris mit der vom Kanzler stets beschworenen Demokratie ebenso wenig am Hut wie mit LGBTQ-Rechten oder Einbürgerungen. Nur ein Zehntel der Bevölkerung von 3,3 Millionen sind Staatsbürger, für Ausländer ist es so gut wie unmöglich, Katarer zu werden. Vor diesem Hintergrund sind die auf Social Media bekundeten, sehr wohlwollenden Statements zu Katar reichlich befremdlich.
Als Israel im September 2025 die in der Hauptstadt Doha ansässigen hochrangigen Hamas-Funktionäre angriff, nannte Merz „die Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars“ durch den israelischen Angriff „nicht akzeptabel“. Auch sonst scheint er gut mit den Kataris zu können: Bei einem Besuch in Doha Anfang Februar sagt er, er habe „sehr gute Gespräche“ mit dem Emir geführt, ließ Merz wissen. Mit Katar gebe es eine „sehr starke Zusammenarbeit“. Überhaupt sei das Emirat ein „sehr verlässlicher Partner“.

„Verlässlicher Partner“: Friedrich Merz und der Emir Al Thani in Doha.
Mit einer Partnerschaft kann es allerdings nicht allzu weit her sein, wenn nur eine Seite profitiert. Den Kataris ist die prekäre Lage bei Volkswagen, wo ihr Staatsfonds, die Qatar Investment Authority, 17 Prozent der Anteile hat und damit der drittgrößte Aktionär in Wolfsburg ist, durchaus bewusst. Am Standort Osnabrück sucht man verzweifelt nach einer Anschlussverwendung für 2.300 Beschäftigte. Da kam der Auftrag aus Israel, Komponenten für das Raketenabwehrsystem Iron Dome zu fertigen, gerade recht.
Problematische Investitionen in Deutschland
Dennoch legten die Kataris ihr Veto gegen den Rüstungs-Deal mit Rafael ein, wohl wissend, dass Iron Dome ein rein defensives Waffensystem ist, das Tausende Israelis (Juden wie Araber) vor Angriffen aus dem Libanon und dem Iran schützt. Der Sicherheitsexperte Nico Lange fasste das Problem so zusammen: „Wir leben in einer neuen Welt der Geopolitik, in der aus stillen Teilhabern plötzlich Türsteher für zentrale Fragen der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik in Deutschland werden.“
Da ist es keine gute Idee, sich von Ländern wie Katar abhängig zu machen, man denke nur an Robert Habecks Gas-Deal zurück. Die Unterstützung regionaler Terrorgruppen war der Grund für die Katar-Krise (2017–2021), als Saudi-Arabien und dessen Verbündete Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Doha abbrachen. Die vehement israelfeindliche Propaganda des katarischen Senders Al-Jazeera sollte ein weiterer Grund für Friedrich „Staatsräson“ Merz sein, die Partnerschaft mit dem Emirat infrage zu stellen, statt sie zu lobpreisen.
Der Einfluss der Kataris auch in Deutschland ist hochproblematisch. Milliarden wurden nicht nur bei Volkswagen investiert, sondern auch bei Hapag-Lloyd (12,3 Prozent), RWE (9,3 Prozent, größter Einzelaktionär), der Deutschen Bank (6 Prozent, kombinierte Anteile) und Siemens. Ganz zu schweigen von der gezielten Finanzierung islamischer Organisationen, Moscheebauten und Bildungseinrichtungen, etwa das Münchner Forum für Islam.
Befeuerung des Antisemitismus an US-Hochschulen
Die wichtigste Säule für die Finanzierung im Ausland ist die Qatar Charity, die offiziell als unabhängige „Nichtregierungsorganisation“ (NGO) und humanitäres Hilfswerk auftritt, jedoch eng mit dem katarischen Herrscherhaus und dem Regierungsapparat verflochten ist. Über diese Organisation flossen dreistellige Millionenbeträge in weit über 140 Projekte quer durch Europa (darunter Schwerpunkte in Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Deutschland).
Auch der Verfassungsschutz hat bereits festgestellt, dass die Gelder aus Katar auffallend oft an Organisationen und Moscheevereine fließen, die ideologisch der Muslimbruderschaft nahestehen. Die Strategie der Kataris zielt vor allem auf den Bildungssektor ab, um gesellschaftliche Narrative im Westen mitzugestalten. In den Vereinigten Staaten wird massiv in Infrastruktur investiert, das Emirat sponsert Unis wie Yale und Columbia mit Milliardenbeträgen.

Katars Einfluss macht sich bemerkbar: Israel-Hasser bei einer Gaza-Demo an der Columbia-Universität.
Das ist kein Akt der Philanthropie, der uneigennützigen Menschenliebe. Diese Gelder sind nicht neutral. Verträge sichern Katar Mitbestimmungsrechte bei Personal, Forschung und geistigem Eigentum. Middle-East-Studies-Programme werden beeinflusst, antiisraelische und islamistische Narrative gefördert – mit dem Ergebnis, dass an US-Universitäten judenfeindliche Vorfälle und antiisraelische Hass-Demos sprunghaft zunehmen. Katar kauft sich Prestige und Einfluss auf die nächste Generation westlicher Eliten – genau das, was die Muslimbruderschaft seit Jahrzehnten als „Zivilisations-Dschihad“ von innen anstrebt.
Erkaufte politische Bedeutung
Katar verdankt seine Macht seinem Geld aus Öl- und Gas-Export, mit dem Einfluss ziemlich unverschämt erkauft wird. Das Immobilienunternehmen Steven Witkoffs, mittlerweile US-Sondergesandter für den Nahen Osten, erhielt in den späten 2010er Jahren finanzielle Unterstützung von einer mit dem katarischen Staatsfonds verbundenen Gesellschaft für das Projekt Park Lane Hotel in New York (Umfang: 623 Millionen Dollar). Auch so – Achtung, Verschwörungstheorie! – lässt sich der angestrebte Iran-Deal heute erklären.
Da auch Präsident Donald Trump Außenpolitik wie ein klassisches Immobiliengeschäft verhandelt („Deals“), wird Katar trotz Terror-Unterstützung nicht sanktioniert, schließlich investiert das Emirat massiv in US-Infrastruktur, etwa in eine Pipeline für Flüssigerdgas (LNG) in Texas. Eine Art geopolitisches Schutzgeld, das auch noch Zugang zur Machtzentrale in Washington ermöglicht.
Heute lobt Witkoff Katar öffentlich als Partner bei den Gaza-Verhandlungen. Qatar ist Gastgeber des Hamas-Politbüros in Doha und nutzt seine Mediatorenrolle, um Einfluss zu sichern. Trump selbst hat Katar wiederholt gelobt und enge wirtschaftliche und diplomatische Bande geknüpft. Das ist kein Zufall – es ist das Ergebnis jahrelanger „Soft power“-Strategie: Reichtum kauft Zugang, Zugang kauft Wohlwollen, Wohlwollen schützt die eigene Agenda.
Von wegen moderner, weltoffener Partner
Die stetig gewachsene Bedeutung des Wüstenkleinstaates, der kleiner ist als Schleswig-Holstein, ist beängstigend. Ausgerechnet der Hamas-Sponsor Katar sitzt inzwischen im von Donald Trump gegründeten Board of Peace (Friedensrat) und spielt eine Rolle als Vermittler zwischen Staaten und Konfliktparteien, etwa in Afghanistan, im Gazastreifen oder im Iran-Krieg – wobei die Taliban, Al-Nusrah, die immer noch nicht entwaffnete Hamas und womöglich demnächst noch das Regime in Teheran profitieren.

Ideologische Nähe verbindet: Syriens Machthaber al-Scharaa zu Besuch in Katar.
Katar mag sich als moderner, weltoffener Partner des Westens präsentieren: Gastgeber einer großen US-Militärbasis, Vermittler in Nahost-Konflikten, Veranstalter der (ebenfalls gekauften) Fußballweltmeisterschaft 2022, reiches Emirat mit glamourösen Investitionen. Tatsächlich aber arbeitet das Emirat mit seinem Reichtum am Aufbau paralleler islamistischer Strukturen – nicht durch Masseneinwanderung allein, sondern durch gezielte Förderung der radikalsten Strömung innerhalb der muslimischen Gemeinden. Statt auf offene Konfrontation setzen die Scheiche auf langfristige ideologische Unterwanderung durch ein Gesellschaftsverständnis, das den liberalen Werten des Westens entgegensteht.
Wie ließe sich der unheilvolle Einfluss Katars begrenzen? Nun, zuallererst könnte der Westen aufhören, sich kaufen zu lassen. Souveränität beginnt damit, ausländischen Akteuren, die den eigenen Werten feindlich sind, klare Grenzen zu setzen. Es braucht Transparenz und Regulierung ausländischer Finanzierung, strenge Offenlegungspflichten für alle ausländischen Gelder an Universitäten, NGOs, Moscheen und Vereine.

In Katar wird vor allem der strenge sunnitisch-wahhabitische Islam praktiziert.
Zeit, die perfide Strategie Katars zu durchschauen
Als nächstes müsste man die Muslimbruderschaft und ihre Netzwerke als extremistische oder terroristische Organisationen behandeln, ihre Finanzströme und Aktivitäten überwachen und unterbinden. Investitionen der Qatar Investment Authority müssen bei nachgewiesener Terrorunterstützung oder destabilisierenden Aktivitäten sanktioniert oder eingeschränkt werden. Parallel dazu sollte sich der Westen stärker mit antiislamistischen Staaten der Region wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten vernetzen und Katar diplomatisch kaltstellen.
Schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb, dessen wir verlustig zu gehen drohen, sollte der Westen schleunigst damit beginnen, die Strategie Katars zu durchschauen und nicht den Verlockungen des schnöden Mammons zu erliegen. Alles, was uns ausmacht, ist mit Geld nicht zu kaufen. Wenn wir es behalten wollen, dürfen wir uns nicht weiter vom Doppelspiel des scheinbar konzilianten Wüstenstaates mit seiner Wolkenkratzer-Skyline täuschen lassen. Sonst springen mittel- bis langfristig viel mehr über die Klinge als die 2.300 VW-Mitarbeiter, die keine Defensivwaffen für Israel bauen dürfen.
Lesen Sie dazu auch: Islamisierung: Wie die Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft unterwandert
Haben Sie einen Hinweis zu diesem Thema? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
Mehr NIUS:
Es gab ein Deutschland ohne Messer
Cara Delevingnes Heuchel-Feminismus: Warum dieses Cover Selbstbestimmung sein soll
Wasser knapp? Das ist doch grüne Klima-Panik!
Gottschalk liebt die Frauen – na und?
Die Ahrtal-Flut und das Klima-Märchen
Erlebnis Deutsche Bahn – und plötzlich kam der Mann mit dem Hammer
Der Bundespräsident spaltet das Land
„Friendflation“: Freundschaft wird einfach zu teuer
Mehr NIUS:
Gottschalk liebt die Frauen – na und?
Die Ahrtal-Flut und das Klima-Märchen
Erlebnis Deutsche Bahn – und plötzlich kam der Mann mit dem Hammer
Der Bundespräsident spaltet das Land
„Friendflation“: Freundschaft wird einfach zu teuer
Der große Knall nach den Ostwahlen? Ich habe Zweifel: Die können ewig so weitermachen
Wann kommt die AfD im Westen an?
Jugendliche verlieren Interesse an FKK: Die Körperkultur steht für Freiheit und Lebenslust
Claudio Casula
Artikel teilen
Kommentare