Kein Scherz: Die Regierung erlaubt das Kiffen und will jetzt gegen das Rauchen kämpfen
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Stellen Sie sich einmal vor, ein Politiker kämpft morgens im Parlament leidenschaftlich für ein Alkoholverbot in Kneipen, um dann am Abend feierlich ein Weinfest zu eröffnen. Würden Sie dem Mann noch irgendetwas abkaufen, geschweige denn ihn wählen? Ich nicht.
Genau das Gleiche macht gerade unsere Bundesregierung – nur andersherum.
Vor wenigen Tagen erst hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach das Gras freigegeben, Kiffen ist legal. Wer will, kann 25 Gramm getrocknetes Cannabis mit sich führen und die doppelte Menge zu Hause aufbewahren. Die Regierung sagt: Das ist eine gute Sache, deswegen erlauben wir das jetzt.
Und dieselbe Regierung kündigt jetzt einen härteren Kurs gegen das Rauchen an. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung – ich nehme an, er kümmert sich inhaltlich um das Thema und ist nicht für die Beschaffung innerhalb des Kabinetts zuständig – sieht beim Tabak-Konsum nämlich „massiven Handlungsbedarf“. Burkhard Bienert von der SPD sagte der Bild-Zeitung: „An der Ernsthaftigkeit, mit der das Thema Rauchen in anderen Ländern angegangen wird, können wir uns ein Beispiel nehmen.“ Hintergrund ist die Initiative der britischen Regierung, Tabak auf der Insel künftig für illegal zu erklären.

Zigarette oder Joint? Bald könnte eines davon wieder illegal sein – diesmal umgekehrt.
Wer soll das bitte noch ernst nehmen?
Ich fasse also zusammen und betone, dass es sich dabei nicht um einen Scherz, sondern um das Handeln der mächtigsten Politiker in unserem Land handelt: Die Regierung erlaubt erst das Kiffen und will jetzt gegen das Rauchen kämpfen. Wer soll das bitte noch ernst nehmen?
Was sagt Burkhard Bienert als Drogenbeauftragter bitte, wenn er Gesundheitsminister und Parteifreund Karl Lauterbach auf dem Flur begegnet? „Super, dass jetzt alle kiffen dürfen, Genosse Karl – jetzt müssen wir nur dafür sorgen, dass weniger geraucht wird!“ Lauterbach wird dann zu einer langen Antwort ansetzen, aus fünf verschiedenen Cambridge-Studien zitieren, die er gestern Nacht gelesen hat, um dann zu dem Schluss zu kommen: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und Kiffen.“ Für die beiden scheint das alles logisch zu sein.
Tut mir leid. Ich würde diese Regierung gerne verstehen. Mir fehlt nur die Phantasie, wie das alles noch zusammenpassen soll. Wenn sich das Kabinett am nächsten Mittwoch im Kanzleramt zur großen Tafelrunde trifft, wünsche ich mir nur einen, der mal laut fragt: „Leute, können wir das bringen – Kiffen legalisieren, gegen Kippen kämpfen?“
Es wird nicht passieren. Wir werden das noch ein paar Monate ertragen müssen.
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Willi Haentjes
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