Deutschland hat nichts übrig für seine Helden – Nowitzkis Worte sagen alles
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Am Wochenende wurde es sehr laut in der „Naismith Memorial Hall of Fame“ im US-amerikanischen Springfield. Zum ersten Mal wurde ein deutscher Sportler in diese Ruhmeshalle aufgenommen. Basketball-Weltstar Dirk Nowitzki konnte nicht verbergen, wie viel ihm diese einmalige Ehre bedeutet: „Die Hall of Fame ist der Gipfel des Berges, das beendet diese Phase meines Lebens…“
Da wird einer geehrt, der zu den besten Basketballern aller Zeiten zählt. Ein Deutscher, der in seinem Sport ein Leuchtturm ist, nicht nur wegen seiner körperlichen Größe (2,13 Meter), sondern mehr noch durch seine menschliche.
Als erster Deutscher gewann Nowitzki die US-amerikanische Basketball-Meisterschaft, mit den Dallas Mavericks, für die er 21 Jahre lang spielte. Auch diese langanhaltende Treue ist in der schnelllebigen Sportwelt einzigartig und hat ihm die Liebe seiner Mavericks Fans gesichert. Für immer.

Dirk Nowitzki spricht während seiner Aufnahme in die „Hall of Fame“
Bei der Dankesrede wurde er dann auch von seinen Gefühlen überwältigt. Nicht nur, weil seine Eltern, seine Frau und seine drei Kinder dabei waren. Eine Familie, die ihn immer bedingungslos unterstützt hat. „Was ihr für mich gemacht habt, werde ich nie vergessen für den Rest meines Lebens, und wenn ich nur ein halb so guter Vater werde, wie ihr es Eltern für mich wart, dann bin ich glücklich.“
Schon vorher sagte Nowitzki einen Satz, der mehr Bedeutung hat, als es zunächst scheint: „In Deutschland existiert so etwas wie eine Ruhmeshalle für Sportler nicht wirklich, deshalb bin ich damit nicht aufgewachsen. Erst als ich in die USA gewechselt bin, habe ich erkannt, wie gewaltig das ist.“
Da spricht ein Superheld das aus, woran wir hier in Deutschland leiden: Wir haben nichts übrig für unsere Helden. Und wenn es welche gibt, sind wir schneller dabei, sie zu zerstören, als wir sie aufgebaut haben.
Das klingt verrückt, wenn wir uns die Begeisterung für unsere Fußball-Götter anschauen. Doch das sind auch die einzigen Sportlerinnen und Sportler, die uns ein wenig Ehrfurcht entlocken. Allerdings nur während ihrer aktiven Karriere. Danach sind sie erst Zielscheibe für unsere Sensationsgier, dann nahezu bedeutungslos.
Ja, einer wie Boris Becker hat in seinem Leben viele Fehler gemacht. Aber der Mann hat mit 17 Wimbledon gewonnen, und wir haben mit ihm gezittert, vor ihm niedergekniet. Inzwischen trampelt ganz Deutschland auf ihm herum – in Großbritannien wird er nach wie vor als Held gefeiert. Trotz seines Gefängnisaufenthalts.
Ein Symptom für den Mangel an Respekt, den man hierzulande echter Leistung entgegenbringt. Wenn hier jemand stürzt, wird er umso mehr zum Opfer. Das Gegenteil in den angelsächsischen Ländern – man geht direkt auf ihn zu, bittet ihn aufzustehen und es wieder zu versuchen. Nach dem Motto: Auf geht´s, jetzt erst recht! Du kannst das!
Es scheint, als würde die Ausbreitung der sprichwörtlichen deutschen Neidgesellschaft jede Initiative im Keim ersticken. Die Bundesjugendspiele waren bislang eine der wenigen Sportveranstaltungen, die es schon Kindern in der Grundschule ermöglichten, sich untereinander im sportlichen Wettkampf zu messen. Ab dem kommenden Schuljahr gibt es sie in dieser Form nicht mehr, die Gleichmacherpädagogik hat gewonnen. Wieder einmal.

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker und seine Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro
Wie sollen Kinder und Jugendliche denn lernen, dass das Leben da draußen große Herausforderungen für sie bereithält? Wer bereitet sie darauf vor, dass sie nach der Schulzeit in eine Welt entlassen werden, in der der Bessere gewinnt? Der, der den Rest hinter sich lässt?
Wenn es hier weiterhin keinen Platz für Helden gibt, wenn Vorbilder verlacht werden, Leistung nicht respektiert und Initiative eher unerwünscht ist, um die Gefühle derer nicht zu verletzen, die lieber zuschauen, dann werden wir das spüren. Die kommenden Generationen werden dafür bezahlen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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