Kolumne für den gesunden Menschenverstand: Ich will zu Weihnachten kein Tofu. Danke!
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Ich hatte mich auf das Rezept gefreut: Bohneneintopf mit Speck, mhhm!
Dann sagte der Koch im ARD/ZDF-Mittagsmagazin: „Ich nehme heute mal Tofu statt Speck.“ Grrr – so schnell habe ich noch nie den Fernseher abgeschaltet. Sind die denn jetzt alle verrückt geworden, dachte ich mir.
Eines der traditionsreichsten Gerichte, der Inbegriff deutscher Hausmannskost, wird verunstaltet. Tofu statt Speck, geht’s noch?! Was soll das – ein neuer Woke-Wahnsinn? Weil es dem Klima guttut? Das Gegenteil ist der Fall. Tofu wird aus Sojabohnen hergestellt. Weil es in Deutschland nicht genug davon gibt, wird Soja importiert und umweltbelastend zu uns gebracht.

Gebratener Tofu wird bei Salaten immer öfter als Fleischersatz angeboten.
Irrsinn mit Methode
Um den zunehmenden Bedarf zu decken, werden die Anbauflächen in den Herkunftsländern ständig vergrößert, wie das Nachrichtenmagazin Focus schreibt. „Monokulturen entstehen, in Brasilien werden Regenwälder gerodet und Savannen in Äcker verwandelt. Einzigartige Lebensräume gehen verloren, die Artenvielfalt schwindet, fruchtbarer Boden wird zerstört und der Klimawandel durch die Abholzung angetrieben.“
Ein Irrsinn, der Methode hat: Um uns vom Fleischessen abzuhalten, sollen wir auf Soja, sprich Tofu umsteigen. Der gesunde Menschenverstand sagt: Ich esse, was ich will. Denkste! Immer wieder versuchen uns auch Politiker vorzuschreiben, wie oft und wie viel Fleisch wir essen sollen. Werbeverbote für Süßwaren zu bestimmten Zeiten zum Beispiel, war der letzte Angriff auf den gesunden Menschenverstand. Ja doch – wer zu viel Süßes isst, wird dick und seinen Zähnen tut es auch nicht gut. Besonders, wenn man sie nicht putzt. Ich weiß nicht, ob das Adam und Eva schon wussten. Ich weiß solche Sachen seit meiner Kindheit. Übrigens: Einer der Sponsoren beim Grünen-Parteitag war die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ).

Speck canceln, aber Zucker feiern ... Der Bundesparteitag der Grünen wurde zumindest unter anderem von der „Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker“ bezahlt.
Stulle und Sonntagsbraten bei Oma
Einmal in der Woche mittags um eins gab es bei meiner Oma Sonntagsbraten. Es war oft Geflügel, dazu Kartoffeln mit viel Sauce. Abends wurde der Knochen zerpflückt und mit Stulle gegessen. Man hatte es nicht so üppig, man machte das Beste daraus. In der Woche gab es oft Suppe, abends immer Brot. Vater trank ein Glas Bier. Damals lernte ich von meiner Großmutter: Genießt und achtet das Besondere – und Fleisch ist etwas Besonderes. Für diesen klugen Rat brauchte ich damals wie heute keine Regierung, die mir vorschreibt, wie viel ich wann essen soll. Irre!
Wenn ich an mein Lieblingsessen denke, denke ich an drei kleine Wiener Schnitzel: knusprig, flach, kross paniert. Immer dabei – Sauce und Kartoffeln, um die Kartoffeln mit der Gabel einzutunken und zu zerquetschen. Diese Leibspeise gab es nur in der Berliner Schloßstraße in Steglitz. Das Gericht war teuer, es kostete 8,60 Mark – nicht wenig Anfang der 50er Jahre.
„Iss Kind, damit du groß und stark wirst“
Damals dachte ich: Toll, dass es etwas so Schönes gibt. Auch wenn ich es nicht täglich zu mir nehmen kann. Das wusste mein gesunder Menschenverstand, keiner musste mir das erklären. Zu Hause gab es viel aus der Dose, Ananas, Pfirsiche, Gemüse. Wir haben es gut überstanden. Heute warnen Umweltschützer vor Bisphenol A in Dosen, das ist eine Chemikalie, die bestimmte Hormone in unserem Körper beeinflussen soll. Ich weiß nicht, wie viele Raviolidosen mit Tomatensauce ich in meiner Kindheit und Jugend verschlungen habe – ich müsste eigentlich ein Fall für den Chemie-Friedhof sein …

1964: In einem Hamburger Supermarkt stapeln sich die Obstkonserven.
Wer isst, der lebt, war damals noch ein unausgesprochenes Gesetz. Es hieß am Tisch: „Iss Kind, damit du groß und stark wirst.“ Es hieß „gute Butter“ und „echter Bohnenkaffee“. Es kam der Tag, wo sich die Deutschen ihr Essen leisten konnten – Fleisch, vegetarisch, vegan. Man konnte alles, was Eltern und Großeltern nicht konnten. Und wovon sie manchmal träumten – wie ich vom kleinen Wiener Schnitzel.
Niemand hätte sich damals denken können, dass man eines Tages darüber diskutiert, Lebensmittel künstlich teurer zu machen, damit die Menschen weniger günstig produziertes Fleisch essen. Oder dass einem eine Regierung sagt, was man wie oft essen soll und was nicht. Oder, dass Köche im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen aus offensichtlich vorauseilendem Ernährungswahn deutsche Traditionsgerichte verhunzen. Zu Weihnachten schon gar nicht.
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