Kommunisten, Transgender und Weltpolitik: Was ist denn mit dem Papst los?
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Als Religionsführer genießt der Papst hohes Ansehen bei Millionen von Katholiken weltweit. Seine Rolle als moralische Instanz ist unter den Katholiken unumstritten – umso mehr verwundern seine Aussagen zu Themen wie Kommunismus, Transgender oder der weltpolitischen Lage, die mit dem konservativen Ruf der katholischen Kirche wenig zu tun haben.
Papst Franziskus, geboren am 17. Dezember 1936 in Argentinien, ist seit dem 13. März 2013 der 266. Bischof von Rom und damit Papst und somit Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Aktuell steht Franziskus aufgrund seiner Äußerungen zum Ukraine-Krieg in der Kritik. Doch es sind nicht die ersten Äußerungen, die zumindest für Verwunderung sorgen.
Der Flirt mit den Kommunisten
Im Januar empfing der Pontifex eine Gruppe Marxisten zum Dialog.
„Es handelt sich um ein Dialogprojekt zwischen Sozialisten/Marxisten, Kommunisten und Christen, das darauf abzielt, eine gemeinsame Sozialethik zu formulieren, die als neue Narrative für ein Europa auf der Suche nach seiner Identität vorgeschlagen werden kann, mit einer integralen Ökologie zwischen der Soziallehre der Kirche und marxistischer Gesellschaftskritik als Kern“, schreibt Vatican News.
Der Dialog wurde 2014 durch den Papst und unter anderem den griechischen Sozialisten ehemaligen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ins Leben gerufen.

Der Papst und die Marxisten
Den Marxisten riet Franziskus nicht aufzuhören zu träumen. „Es waren die großen Träume von Freiheit und Gleichheit, von Würde und Brüderlichkeit, die den Traum Gottes widerspiegeln und zu Fortschritt und Fortschrittlichkeit geführt haben“, sagte der Papst zu den Kommunisten. Unerwähnt blieben die Millionen von Menschen, die dem Kommunismus zum Opfer fielen.
Darunter auch reihenweise Geistliche: Zum Beispiel nahezu die gesamte Besetzung der russisch-orthodoxen Kirche, die dann mit Beginn des Zweiten Weltkriegs neu aufgebaut und von parteinahen Funktionären besetzt wurde.
„Die jahrzehntelange Unterdrückung der Religion durch die Sowjetunion wurde der ganzen Welt vor Augen geführt, als das polnische Volk während der apostolischen Reise von Papst Johannes Paul II. in sein Heimatland im Jahr 1979 rief: ,Wir wollen Gott'“, schreibt das Online-Portal realclearreligion. Zusätzlich kritisierte der Papst die Marktwirtschaft.

Der bolivianische Präsident und Sozialist Evo Morales überreicht dem Papst eine Fusion aus Kruzifix und Hammer und Sichel.
Gemischte Signale beim Thema Gender
Nahezu dialektisch in seinen Widersprüchen agiert der Papst beim Thema Gender. Einerseits bezeichnete er erst kürzlich die Gender-Ideologie als „schlimmste Gefahr“ – andererseits sorgte der Pontifex für Schlagzeilen, als er am „Tag der Armut“ eine Gruppe Transfrauen, also Männer verkleidet als Frauen, zum Abendbrot einlud.
„Früher war die Kirche uns gegenüber verschlossen. Sie sahen uns nicht als normale Menschen, sondern als den Teufel“, sagte ein Mitglied der Transgender-Gruppe, Andrea Lopez, der Associated Press. Im fünften Buch Mose 22:5 heißt es:
Eine Frau soll nicht das Kleid eines Mannes tragen, und ein Mann soll nicht den Mantel einer Frau anziehen; denn wer das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.
Kampf zwischen Gut und Böse
Zuletzt sorgte der Papst mit Äußerungen zur Weltpolitik für Aufsehen. Statt der typischen Weltfrieden-Phrasendrescherei fand der Katholik klare Worte an die Ukraine. Laut dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zeige nur der Stärke, „der die Situation erkennt, der an das Volk denkt, der den Mut hat, die weiße Flagge zu hissen und zu verhandeln“.
„Wenn man sieht, dass man besiegt wird, dass die Dinge nicht gut laufen, muss man den Mut haben, zu verhandeln“, sagte Franziskus. Dieser faktische Aufruf sich als Angegriffener an einen Verhandlungstisch zu setzen und dem Aggressor Zugeständnisse zu machen, erntete viel Kritik, auch von der Regierung der Ukraine.
„Der Stärkste ist derjenige, der sich im Kampf zwischen Gut und Böse auf die Seite des Guten stellt, anstatt zu versuchen, beide auf eine Stufe zu stellen und dies ,Verhandlungen' zu nennen“, erklärte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Sonntag auf X. „Unsere Flagge ist gelb und blau. Dies ist die Flagge, unter der wir leben, sterben und siegen. Wir werden niemals eine andere Flagge hissen“, fügte er hinzu.
Übrigens: Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde erst 1870 von Papst Pius IX. ins Leben gerufen. Diese wird durch einen Zirkelschluss mit der Unfehlbarkeit des Papstes kirchlich bestätigt.
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