Leo XIV. schickt Memes per WhatsApp und ist Baseball-Fan: Warum der Papst eine coole White Sock ist
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Seit gut einem halben Jahr ist Leo XIV. Papst. Der erste Amerikaner auf dem Stuhl Petri hat die Herzen der Katholiken weltweit gewonnen. Lesen Sie hier, was er bisher getan hat und wie er persönlich „tickt“.
Sein Vorgänger, Papst Franziskus, galt als sprunghaft und brachte seine Presseabteilung mit spontanen Wortmeldungen gern einmal ins Schwitzen. Der Argentinier lehnte demonstrativ alle Insignien der Macht strikt ab, wohnte etwa im Gästehaus des Vatikans und gab sich demütig bis unterwürfig, wenn es um Asylbewerber ging. Am Gründonnerstag 2016 wusch und küsste Franziskus in der Asylbewerberunterkunft in Castelnuovo di Porto bei Rom die Füße von 12 Menschen, die aus Syrien, Nigeria, Eritrea, Mali und weiteren Ländern stammten.
Leo XIV., bürgerlich Robert Francis Prevost, ist da anders. Er wird im Apostolischen Palast wohnen, wenn die Renovierungsarbeiten dort abgeschlossen sind, akzeptiert auch den traditionellen Ringkuss als Geste der Gläubigen und tritt allgemein bedächtiger auf als der mitunter reichlich impulsive Franziskus. Wie dieser verzichtet er allerdings auf die roten Schuhe, die Benedikt XVI. noch trug.

Leo XIV: ein freundlicher und nahbarer Papst
„Er war immer ein Sox-Fan“
Vor allem ist der erste nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geborene Papst (Jahrgang 1955) mit dem entsprechenden Lebensgefühl aufgewachsen. Der aus Chicago stammende Prevost erzählte einmal: „Als Teenager liebte ich Autofahren – einfach losdüsen, Musik laut. In Chicago am Lake Michigan, das war Freiheit pur.“
Papst Leo liebt Baseball und ist Fan der Chicago White Sox aus dem Süden der Stadt. Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz begrüßte der US-Amerikaner die Gläubigen mit einer für kirchliche Würdenträger ungewöhnlichen Kopfbedeckung: einer White-Sox-Cap, die ihm von einem frisch verheirateten Paar übergeben worden war. „Er war immer ein Sox-Fan“, hatte sein Bruder John Prevost schon kurz nach dessen Wahl gegenüber dem US-Lokalsender WGN-TV verraten.

Ungewöhnlich: der Papst mit White-Sox-Cap
In den sozialen Netzwerken tauchte damals ein Video auf, das den heute 70-Jährigen vor 20 Jahren – da war er noch Generaloberer des Augustinerordens – beim Baseball auf der Tribüne zeigt, im passenden Trikot.
Morgenritual: Wordle
Wer glaubt, dass der Stellvertreter Christi auf Erden ganz altmodisch analog lebt, irrt: „Mein Bruder John und ich haben immer Witze gemacht – er ist der Ältere, der mich neckt. Selbst jetzt schicken wir uns Memes per WhatsApp.“ Leo nutzt Smartphones und WhatsApp für private Kontakte. Er spielt das Online-Buchstabenspiel Wordle, das ein bisschen an Scrabble erinnert: „Wordle ist mein Morgenritual – mit meinem Bruder. Fünf Buchstaben, die den Tag starten. Es hält den Geist scharf, ohne Stress.“

Mit Smartphones fremdelt der Papst nicht – er nutzt sie selbst täglich.
Der Pontifex Maximus hat noch eine weitere App auf dem Handy, die in eine ganz ähnliche Richtung geht. Das Mobile-Game „Words with Friends“ spielt er laut NBC-Interview regelmäßig mit seinem Bruder John. Er ist auch grundsätzlich offen für Künstliche Intelligenz, warnt aber dennoch vor den Gefahren, die von KI ausgehen.
Auch für Filme und Kultur ist der Papst zu haben. Er trifft sich des Öfteren mit Schauspielern – so waren schon Robert De Niro und Monica Bellucci bei ihm – und verriet sogar seine Lieblingsfilme: Hollywood-Klassiker wie Ist das Leben nicht schön? (1946, mit James Stewart, dort geht es um einen Schutzengel, der sich seine Flügel verdienen muss, indem er den Menschen hilft), The Sound of Music (1965), Eine ganz normale Familie (1980, mit Robert Redford) und Das Leben ist schön von und mit Roberto Benigni.

Papst Leo empfängt Film-Star Monica Bellucci.
Vor dem Konklave den Film „Konklave“ geschaut
„Vor dem Konklave habe ich noch ‚Konklave‘ geschaut – ironisch, oder? Der Film ist spannend, aber Hollywood übertreibt die Dramen“, erzählte Leo einmal. Ansonsten liest er Bücher: „Ich lese viel – Romane, Biografien, aber auch Krimis. Agatha Christie ist super, um abzuschalten. Lesen erweitert den Horizont.“
Bisher hat sich der Papst fast ausschließlich in Rom und – wenn keine Termine anstehen, einmal wöchentlich – in Castel Gandolfo aufgehalten, doch steht am 27. November seine erste Auslandsreise an, in die Türkei und den Libanon: „Reisen ist für mich Entdecken – neue Orte, Kulturen, Essen. Peru hat mich geprägt; ich liebe Ceviche und die Wärme der Leute“, sagte er einmal.
20 Jahre lebte Prevost als Missionar in Peru, wo er 2015 Bischof von Chiclayo wurde und die peruanische Staatsbürgerschaft erwarb. So spricht er neben Englisch und Italienisch auch Spanisch fließend. Kommunizieren kann er außerdem auf Französisch und Portugiesisch. Seine Deutschkenntnisse soll er mit einer Sprachlern-App aufbessern, heißt es.
Gegen die Gender-Ideologie
Soziale und ethische Themen, die den Papst umtreiben: Er ist vehement gegen Abtreibung („Leben muss vom ersten Herzschlag an verteidigt werden“) und Sterbehilfe („verwirft die Schwachen“). Auch die Gender-Ideologie lehnt er ab („erschafft Geschlechter, die nicht existieren“). Er kritisiert Medien und Popkultur für Sympathie mit „homosexuellem Lebensstil“ und „alternativen Familien“ (z. B. gleichgeschlechtliche Partnerschaften), sieht sie als Widerspruch zum Evangelium, auch wenn er Inklusion betont.
Bisher zeigte Leos Pontifikat keine signifikanten Ausschläge. Als Sohn eines D-Day-Veteranen betont er die Wichtigkeit von Friedensbemühungen („Wehe denen, die versuchen, Gott in Kriege hineinzuziehen! Der Krieg ist niemals heilig, nur der Frieden ist heilig, weil er von Gott gewollt ist“) und setzt sich für die Armen ein. Am Welttag der Armen gab es in der Vatikanischen Audienzhalle ein Essen mit 1.300 Bedürftigen. Serviert wurden unter anderem Lasagne, Hühnchen und Ofengemüse.

Der Papst mit Bedürftigen beim Essen zum Welttag der Armen
Auch fünf „Trans-Personen“ waren eingeladen, nachdem die Aktivistin Alessia Nobile zuvor um eine Audienz gebeten hatte, doch anders als unter Franziskus saßen sie diesmal nicht am Papsttisch, was in einigen Medien als mögliche Brüskierung interpretiert wurde. Die Plätze am Ehrentisch wurden jedoch „an arme Gemeindemitglieder vergeben“, die zuvor an einer Eucharistiefeier teilgenommen hatten.
Wofür steht der Papst?
Zu den großen Fragen der Zeit hat Leo eine differenzierte Haltung, etwa zur Migration aus der Dritten Welt in die wohlhabenden Länder: „Niemand hat gesagt, dass die Vereinigten Staaten offene Grenzen haben sollten. Ich denke, jedes Land hat das Recht zu bestimmen, wer wie und wann einreist.“ Jedoch müsse jeder Mensch mit Würde behandelt werden: „Ich denke, die Bischöfe haben sich sehr klar ausgedrückt, und ich möchte alle Menschen in den Vereinigten Staaten dazu auffordern, ihnen zuzuhören.“
Was die Klimapolitik betrifft, dürfte der Heilige Vater den Aktivisten näher stehen als den Kritikern. Besorgt über Klimawandel und Ressourcenausbeutung, fordert er mehr kirchliches Engagement. Auch sollten Umweltorganisationen Druck auf die nationalen Regierungen ausüben, damit diese strengere Standards entwickeln, um „den bereits entstandenen Schaden zu mildern“. Die Beherrschung der Welt dürfe nicht „tyrannisch“ werden. In einer eher befremdlichen Geste, die nicht zu seinem üblichen Auftreten zu passen scheint, segnete der Papst sogar einen Eisblock.

Geste für den Klimaschutz: Papst Leo segnet einen Eisblock.
Was die kirchliche Sexualmoral betrifft, bleibt Leo der katholischen Lehre treu. Er betont Ehe und Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Explizit kritisiert Leo Segensfeiern für Homosexuelle in Nordeuropa und erteilt dementsprechend förmlichen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eine Absage.
Zwei- bis dreimal pro Woche im Gym
Den italienischen Bischöfen gab Leo Ratschläge zum Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch. Sie sollten „eine Kultur der Prävention gegen jegliche Form von Missbrauch“ entwickeln. Eine gemeinsame Umkehr der Kirche setze voraus, dass die Betroffenen angenommen und gehört werden. Allerdings dürfe sich die Kirche vom Missbrauchsskandal nicht „vollständig in Beschlag nehmen lassen“, das entspreche nicht ihrem Auftrag. Die große Mehrheit der Geistlichen habe nie jemanden missbraucht, und Geistliche müssten vor falschen Anschuldigungen geschützt werden.
Leo XIV. ist ein um differenzierte Betrachtungsweise bemühter Papst, humorvoll und nahbar. „Ich bin kein Perfektionist – Fehler machen uns menschlich. Als Missionar in Peru habe ich mal einen ganzen Tag verschlafen, weil ich zu müde war.“ Man wird es ihm verziehen haben.
Grundsätzlich wohnt Leos gesunder Geist in einem gesunden Körper. Der inzwischen 70-Jährige geht nämlich zwei- bis dreimal pro Woche ins Fitness-Studio – wenn auch „nicht für Muskeln, sondern um den Kopf freizubekommen. Als Kardinal in Rom war das mein Ritual nach langen Meetings.“ Und schon kann es losgehen mit der nächsten Runde Wordle.
Lesen Sie dazu auch: Der Papst der drei Welten: Leo XIV. könnte der Kirche guttun!
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