Letzter Tag in der Grundschule – was erwartet unsere Kinder da draußen?
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In fast allen Bundesländern haben diese Woche die Ferien begonnen. Zeugnisse gab es auch, für viele Hunderttausende die letzten in der Grundschule. Meine Nachbarin Adriana,12 Jahre alt, gehört dazu. Sie flog buchstäblich die Treppen herunter am Morgen und rief mir zu: „Wir verkleiden uns heute, ich muss schnell weg.“ Und dann, fast beiläufig: „Letzter Schultag.“ Und weg war sie. In Sekundenbruchteilen rasselte die Erfahrung meines Lebens durch mein Gehirn: was kommt im Gymnasium, neuer Abschnitt, neues Leben ... Dinge, die Erwachsene denken, Eltern noch mehr. Wir bündeln unser Leben in Abschnitte, Kinder bündeln ihr Leben in Stunden.
So weit, so gut. Aber das Neue ist: Kann so ein Schulleben in etwa so sein, wie wir, die Älteren, es noch kannten? Mit Leichtigkeit, Leistung, Tränen und dem ganz großen Abenteuer, das Leben heißt?
Es wird immer schwerer zu lernen, was gelernt werden muss fürs Leben
Nicht für die Schule lernen wir, wir lernen fürs Leben, sagte der Philosoph Seneca: Non scholae sed vitae discimus. Heute mag man sagen: In deutschen Schulen lernen wir oft nicht mehr genug, um bei den Pisa-Anforderungen mitzuhalten. Wie sollen unsere Kinder im Leben bestehen, wenn die Schule es ihnen so schwer gemacht hat, zu lernen, was Kinder eigentlich lernen müssten? Und: Immer weniger haben Deutsch als Muttersprache. Es gibt einzelne Schulen, vor allem in Großstädten, an denen bis zu 80 Prozent aller Erstklässler auch zu Hause kein Deutsch sprechen.

Deutschland reiht sich ins europäische Umfeld ein.
Oft fehlt schon bei Erstklässlern die Basis
Nehmen wir die letzte Pisa-Studie 2023. Deutsche Schulkinder liegen beim Lesen auf Platz 15 aller 35 OECD-Länder. Alle Leistungen zusammengenommen ergaben: Deutsche Schülerinnen und Schüler schnitten so schlecht ab wie nie zuvor. Große Defizite gibt es vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik. Gute Schulbildung wird immer schwerer, wenn schon bei Erstklässlern die Basis fehlt, auf der sie aufbauen können. 22 Prozent aller Schülerinnen und Schüler gaben an, mit ihrem Schulleben nicht zufrieden zu sein.
Ein anderer Vergleich macht noch ratloser: Im internationalen Vergleich gehen deutsche Schüler am wenigsten gerne in die Schule. Nach einer Umfrage der Montessori-Schulen unter 56.000 acht-bis zwölfjährigen Kindern war Deutschland Schlusslicht.
Der zweite große Sektor, warum viele Eltern Angst um ihre Kinder haben, ist die steigende Kriminalität. So sind im Schuljahr 2022/2023 insgesamt 261 Kinder und Jugendliche Opfer einer bei der Polizei gemeldeten Gewalttat geworden, dazu kommen Taten, die nicht angezeigt wurden, also eine hohe Dunkelziffer. Offiziell erfasste Verbrechen an Kindern und Jugendlichen sind um 23 Prozent gestiegen. Fast täglich geschehen Verbrechen wie Messerangriffe, Vergewaltigungen, Gruppenschlägereien. Die Täter werden immer jünger – und leider auch die Opfer.

Polizisten sichern den Pausenhof einer Gesamtschule in Lünen. Ein Schüler soll von einem Mitschüler getötet worden sein.
Die Schritte meiner Nachbarin Adriana, die ich anfangs beschrieben habe, tappen aus der Grundschule also in ein neues unbekanntes Terrain. Das heißt nicht nur Gymnasium, neue Freundinnen, neue Sprachen, neue Erfahrung. Es ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten, mit der sie in der Schule gequält wird – aber auch im richtigen Leben. Alte Schule weg, die neue Schule wartet. Ein Aufbruch von vielen, die noch kommen werden.
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