Lufthansa-Maschine „Landshut“: Ein Symbol wehrhafter Demokratie verrottet
Ein Beitrag von
Ich bin über eine Petition gestolpert, die offiziell auf der Seite des Deutschen Bundestages eingereicht wurde. Sie hat mich nachdenklich gemacht.
Erinnern Sie sich an die Ereignisse im „Deutschen Herbst“, Mitte Oktober 1977 in Mogadischu, der Hauptstadt von Somalia? Terroristen der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ hatten die Deutsche Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf dem Weg von Palma De Mallorca nach Frankfurt entführt. An Bord, neben der fünfköpfigen Besatzung, 86 Passagiere, davon 23 Deutsche.
Die schwer bewaffneten Palästinenser wollten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) freipressen, die während der Entführung und Ermordung des Deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer in Stuttgart-Stammheim im Gefängnis saßen.

Die auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt am Main von vier palästinensischen Terroristen entführte „Landshut“ auf dem Flughafen von Mogadischu.
Nach einer viertägigen Odyssee durch den arabischen, europäischen und afrikanischen Luftraum und der Ermordung des Flugkapitäns Jürgen Schumann wurde die Maschine in der Dunkelheit von Mogadischu von Mitgliedern der frisch gegründeten Spezialeinheit GSG 9 gestürmt. Drei von vier Terroristen starben, einzig die damalige Chefstewardess Gabriele Dillmann wurde leicht verletzt, alle Passagiere konnten unverletzt befreit werden. Die Folge war der kollektive Selbstmord der führenden Köpfe der „Baader-Meinhof-Gruppe“ im Hochsicherheitstrakt von Stammheim.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) verlieh GSG-9-Einsatzleiter Ulrich Wegener nach der Befreiung der Geiseln aus der Lufthansa-Maschine das Bundesverdienstkreuz.
Weshalb ich Sie an die Fakten erinnere? Unter großen Anstrengungen und mit der Hilfe des Auswärtigen Amtes und der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) wurde 2017 die Maschine des Typs Boeing 737 von einer brasilianischen Fluggesellschaft zurück gekauft, wo sie als Frachtflugzeug ihren Dienst verrichtete. Zum Schrottpreis von 20.000 Euro. In zwei Teile zerlegt wurde die „Landshut“ von Brasilien nach Friedrichshafen gebracht, hier sollte sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt und bis zum 50. Jahrestag sorgfältig restauriert werden. Als Symbol für eine wehrhafte Demokratie, die sich dem Terror nicht beugt – weder von außen, noch von innen.

Die Landshut wurde nach Brasilien als Frachtflugzeug verkauft, landete dort auf dem Flugzeug-Friedhof.
Jetzt ist allerdings auf der Homepage der BPB zu lesen, dass die Rekonstruktion und Wiederherstellung des Originalzustandes der Maschine „sowohl aus didaktischer, als auch aus restauratorischer Sicht lediglich Authentizität simulieren würde“. Die Restaurierung ist nicht mehr geplant.

Deutschland kaufte die Maschine für 20.000 Euro zurück, ließ sie 2017 in einer russischen Antonov zwecks Restaurierung rückführen.
Gegen diesen offiziellen Stopp des Vorhabens richtet sich die erwähnte Petition. Der Antragsteller hebt die Symbolkraft des Flugzeugs hervor und bittet den Bundestag, die Restaurierung voranzutreiben. Die „Landshut“ verrotte zusehends und bald sei nichts mehr übrig, was man restaurieren könne. Es sei „eine Schande“, wie mit wichtigen Symbolen wehrhafter Demokratie verfahren werde.

Die „Landshut“ im Hangar des Dornier-Museums in Friedrichshafen. Das historische Flugzeug droht, zu verrotten.
In den Kommentaren zur Petition ist zu lesen, dass man das Geld für die Restaurierung bitteschön wichtigeren Zielen zur Verfügung stellen solle. Erinnerungskultur sei das falsche Ziel – die Kosten der Wiederherstellung seien zu hoch.
Ich finde diesen Vorgang in zweierlei Hinsicht bedenklich. Erstens ist mir die Begründung der BPB nicht verständlich, Authentizität werde nur simuliert. Wie bitte soll ein Wahrzeichen mit solcher Symbolkraft, mit so großer Bedeutung für die Kraft unserer Demokratie, die Wehrhaftigkeit des Staates denn sonst erhalten bleiben? Jedes noch so kleine Denkmal wird für viel Geld gehegt und gepflegt – aber die „Landshut“ soll auf dem Schrottplatz verrosten? (Nicht zu erwähnen, mit welchen absurden Projekten sonst unsere Steuergelder verbrannt werden – dazu aber ein anderes Mal…)
Zweitens sollte uns gerade die Erinnerungskultur hinsichtlich des Deutschen Herbstes und den Terror der RAF jeden Aufwand wert sein. Gerade in Hinblick auf die aktuellen Gefahren für unsere Demokratie – von innen und außen.
Falls Sie der Petition Gewicht geben und dabei helfen wollen, die notwendigen 50.000 Unterschriften für eine Erörterung im Bundestag zusammenzubringen – hier können Sie sich beteiligen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
Mehr NIUS:
Jan Josef Liefers als Versöhner: Macht diesen Mann zum Bundespräsidenten!
Die neue Esskultur der Deutschen Bahn: Currywurst ohne Pommes, kein Speiseeis
Die Linke beweist auf ihrem Parteitag: Die SED ist nie untergegangen
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Mehr NIUS:
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Wegducken gilt nicht mehr: Die CDU muss vor der Wahl sagen, ob sie mit den Linken regieren würde
Die letzten Helden tragen Trikots
Gedenken an den 17. Juni: Die Einheit wurde uns nicht geschenkt
Jan David Sutthoff
Artikel teilen
Kommentare