Lusche, Leugner, Leihmutter!
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Der diesjährige „Kai-Wegner-Gedächtnispreis“ für sein Lebenswerk geht an Jens Spahn (CDU), Noch-Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion.
Herzlichen Glückwunsch.
Es ist ein Unterschied, ob irgendein Mann zu irgendeiner Prostituierten geht – oder ob es der Papst ist, der durch das Rotlichtviertel streift.
Es ist ein Unterschied, ob ein schwuler Mann eine Leihmutter im Ausland beauftragt, um seinen Kinderwunsch über das Gesetz in Deutschland zu stellen. Oder ob es der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, dessen Partei Anfang des Jahres die Leihmutterschaft noch auf Antrag der Frauen-Union ablehnte.
Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe
Und wenn sich ein führender CDU-Politiker, der als Fraktionsvorsitzender einer christlichen Partei die Politik der Bundesregierung maßgeblich mit beeinflusst, über das Gesetz stellt – dann gehört das politisch gewürdigt. Und nicht als bunte Homestory in eine Jubel-Berichterstattung von „Ich-mache-mit-Promis-gerne-Selfies-Ikone“ Tanja May (BILD).
Spahn hat allen Politikerinnen und Politikern in Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Klare Botschaft: Wir machen zwar die Gesetze, aber wir stehen über ihnen, wenn es uns gerade in den Kram passt. Einen üppigen Geschenkkorb der AfD hat er sich damit mehr als verdient. Oder den Wählerwanderpreis auf der Strecke CDU-AfD.
Spahn muss die Brisanz der Leihmutterschaft – vor allem mit Blick auf seine persönliche Situation – bewusst gewesen sein. Die GQ zitierte ihn schon 2015, damals gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“
Keine Sorge. Inzwischen weiß es ganz Deutschland, lieber Jens Spahn.
Die Bingo-Karte für einen möglichen Rücktritt von Jens Spahn ist gut gefüllt: seine Rolle bei den Masken-Deals während Corona, seine Beteiligung an der Lobbyagentur Politas, sein FinTech-Investment während seiner Zuständigkeit als Staatssekretär für FinTechs, seine Minister-Weisung, Sterbehilfe zu versagen, obwohl es gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes verstieß, die Auftragsvergabe an einen persönlichen Freund in Höhe von über einer halben Million Euro (u. a. für Corona-Warn-App), sein Geschäftsgebaren rund um ein privates 5,3-Millionen-Euro-Villa-Projekt oder das Spenden-Abendessen, bei dem die Teilnehmer aufgefordert wurden, an seinen Kreisverband Borken 9.999 Euro zu spenden. 1 Euro unter der Meldepflicht im Parteispendengesetz.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Jens Spahn (CDU)
Spahn scheint zu wissen, wie man’s macht
Sein Agieren als Nutznießer einer Leihmutterschaft ist eine dreiste Form, sich jenseits deutschen Rechts zu bewegen. Vielleicht kommt man auf solche Ideen, wenn man mit all den anderen Sachen weitestgehend ungehindert durchgekommen ist.
Als schwuler Mann hat er öffentlich von den Problemen eines Outings gesprochen und den hohen gesellschaftlichen Druck erwähnt. Zu seinem Outing sagte er: „Es waren die 90er Jahre. In unserem Dorf gab es das nicht.“ Und: „Heute nehme ich mit Freude zur Kenntnis, wie selbstverständlich gleichgeschlechtliche Partner leben. Früher ist man weggezogen oder hat sich verstellt.“
Warum hatte er dann Angst, sich als werdender Vater zu „outen“? Man ist selbstverständlich schwul, aber dann nicht selbstverständlich Vater? Niemand muss sich schämen, wenn er Vater wird. Ob er dieses „große Maß an Demut, nicht auf natürlichem Weg Vater“ zu werden, aufbringen kann, wusste er allerdings Anfang 2026 sehr wohl. Und hat gekniffen. Das gibt der Story jetzt den entscheidenden Spin.
Auf dem Parteitag im Februar 2026 stimmte die CDU einem Antrag der Frauenunion zu, wonach sogar die altruistische Leihmutterschaft (also ohne direkte Bezahlung der Leihmutter) zu ächten sei. Und Spahn? Er äußerte sich nicht dazu. Zu diesem Zeitpunkt war die Spahn-Leihmutter bereits schwanger.
Ein aufrechter Mann (schwul oder nicht-schwul) wäre hier ans Rednerpult getreten, hätte eine Gewissenserklärung abgegeben und seinen Kinderwunsch auch gegen das Geschrei der Frauenunion klar begründet. Spahn nicht.
Das fällt ihm jetzt auf die Füße. Jens Spahn hätte den entscheidenden Spin setzen können und hat es verpasst. Wenn eine Geschichte ohnehin öffentlich werden wird, dann kann man rechtzeitig das Narrativ setzen.
In der CDU wagen sich bereits die Ersten mit Rücktrittsforderungen aus der Deckung. Nicht unbedingt aus der ersten Linie der Parteiprominenz – aber jeder Politiker weiß: Du kannst alles an Lügen und Skandalen überstehen – du musst nur deine Partei hinter dir haben.
Jens Spahn wird die Partei nicht mehr lange hinter sich haben.
Und da bleibt dem glücklichen Paar doch eine sehr schöne Lösung. Treu dem Motto von Jens Spahn, wie er es der BILD übermittelt hat. Laut deren Informationen hatte Spahn gegenüber Vertrauten und Kollegen erklärt, ihm seien das politische Risiko und die Brisanz der Leihmutterschaft für die Union bewusst, sein persönliches Glück sei ihm jedoch wichtiger.
Es sei ihm gegönnt. Also: Gehen Sie in Elternzeit! Vorher gibt es aber noch etwas Wichtiges nach der Spahn-Methode zu erledigen.
Für Bundestagsabgeordnete gelten (noch) andere Regeln (sie haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit). Hier ist Jens Spahn gefragt, zwei Dinge auf den Weg zu bringen:
- Das Bundeselterngeld- und Elternteilzeitgesetz noch schnell anpassen und als „Lex-Spahn“ in die Geschichtsbücher eintragen lassen.
- Finanzminister Lars Klingbeil daran hindern, dass er mit den sozialistischen Teilen der SPD ins Ehegattensplitting eingreift.
Spätestens wenn das erledigt ist, kann ein geordneter Rückzug aus der Politik erfolgen.
Allerdings nur, wenn die Zeit und die Dynamik in Berlin nicht zwischenzeitlich gegen ihn arbeiten. Ich wette: Noch bevor der Kleine sprechen kann, wird Jens Spahn politisch verstummt sein.
Es sind halt spahnende Zeiten in Berlin.
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