Homeoffice macht uns zu Idioten
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Die moderne Arbeitswelt hat eine neue Spezies hervorgebracht: Das Weichei, das sich bereits bei der bloßen Erwähnung des Begriffs „Leistungsgesellschaft“ wegen Burn-out krankschreiben lässt. Wohin wird uns dieser Trend führen?
Es mag kontrovers klingen, aber ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen, die im Homeoffice tätig sind und ständig auf dem Begriff „Work-Life-Balance“ herumreiten, faule Personen sind, die eine verzerrte Vorstellung von Arbeitsmoral haben. Warum sonst geht es bei der Diskussion um Work-Life-Balance immer nur darum, den „Work“-Anteil zu reduzieren? Sind wirklich alle Berufstätigen völlig überarbeitet? Die ehrliche Antwort lautet: Nein, aber in der heutigen Gesellschaft lohnt es sich, das Opfer zu spielen.
Meine alleinerziehende Mutter musste zwei Jobs und sechs Kinder unter einen Hut bringen, aber heute schreiben junge Frauen ganze Bücher darüber, wie traumatisierend es ist, nach der Yoga-Stunde nur 30 Minuten Zeit zu haben, um das Einzelkind von der Kita abzuholen. Wer heute von Burn-out betroffen ist, muss seinen Leidensweg sofort zu Papier bringen, um sich von der Gesellschaft in einer paradoxen Mischung aus Mitgefühl und Bewunderung feiern zu lassen. Die Überforderung durch die bloße Existenz ist zu einem begehrten Statussymbol geworden.

Füße auf den Tisch, heißt es für viele im Homeoffice
Illusorische Vorstellungen
Immer, wenn Arbeitnehmer nach den Vorzügen des Homeoffice gefragt werden, lautet die Antwort unisono: „Ich kann mich zu Hause besser konzentrieren und viel produktiver arbeiten.“ Diese Aussage wird niemals angezweifelt, als hätten die Befragten plötzlich, und nur in diesem speziellen Kontext, ihre Fähigkeit zur Unehrlichkeit verloren. Glaubt wirklich jemand daran, dass auch nur ein Arbeitnehmer offen zugeben würde, das Homeoffice zu schätzen, weil er dort fürs Nichtstun bezahlt wird?
Viele Unternehmer und Führungskräfte neigen dazu, sich der bequemen Lüge von einer „höheren Produktivität“ anzuschließen, aus Angst davor, sonst als rückständige Sklaventreiber dazustehen. Diese unkritische Akzeptanz ist ein Symptom einer völlig kranken gesellschaftlichen Tendenz: Der Opferkult triumphiert über Fleiß und Können.
Es gab mal eine Zeit, in der pflichtbewusste, engagierte Mitarbeiter im Mittelpunkt standen. Heute jedoch erlangt man mehr Wertschätzung, wenn man sich wegen eines Schnupfens zwei Wochen zu Hause verkriecht, verpackt unter dem wohlmeinenden Vorwand, die Kollegen nicht anstecken zu wollen. So einfach wird man zum gefeierten Helden. Natürlich ist Wertschätzung im Beruf wichtig. Aber Wertschätzung sollte etwas Besonderes sein und niemals die Bedeutung von echter Leistung verwässern.
Genauso erlebe ich regelmäßig, dass sich ein Dutzend Anzugträger in Online-Meetings mit bedeutungslosen Worthülsen bewerfen, um Entscheidungen zu treffen, die am Ende von den drei Leuten ausgebadet werden müssen, die tatsächlich noch arbeiten und nicht nur rhetorische Luftschlösser bauen. Dass die Mehrheit der Menschen lieber zu den schmierigen Anzugträgern gehören möchte, anstatt zu den fleißigen, anständigen Menschen, stimmt besonders traurig.

Affen auf dem PC-Bildschirm
Die Politik lebt es vor
Das Prinzip „Leistung gegen Bezahlung“ wird von Befürwortern einer sogenannten gesunden Work-Life-Balance fast schon als barbarisches Konzept dargestellt. Sie beschwören Begriffe wie „Achtsamkeit“ oder „Wertschätzung“, wobei diese Werte scheinbar nur in eine Richtung gelten – nämlich ihnen selbst gegenüber.
Sie fordern mehr Rechte ohne die dazugehörigen Pflichten und streben nach mehr Freiheiten, ohne zu erkennen, dass die Ausweitung der Freiheit für den einen oft eine Einschränkung für die anderen bedeutet. Wir erleben den Aufstieg einer neuen Arbeitskultur, in der das Image von Produktivität wichtiger ist als die tatsächliche Leistung.
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