Mehr Mut zum Rückgrat! Es ist wichtig, zu seinen Überzeugungen zu stehen
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Es ist oft schwierig, für seine Überzeugung einzustehen, anstrengend. Risikoreich. Folgenschwer. Aber es ist wichtig.
Die vierfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Säbelfechten, Olha Charlan, hatte bei der Fecht-WM in Mailand ihre russische Kontrahentin deutlich überlegen mit 15:7 besiegt. Nach dem Gefecht reichte die unterlegene Russin, die nur unter neutraler Fahne antreten darf, der Siegerin die Hand. Aber Charlan, eine Ukrainerin, verweigerte den Handschlag, hielt ihr stattdessen den Säbel hin.
Von der ukrainischen Mannschaftsbank hörte man „Es lebe die Ukraine…!“ und die Russin begann einen 45-minütigen Sitzstreik. Nach einer Diskussion des Schiedsgerichts wurde die Siegerin disqualifiziert. Wegen unsportlichen Verhaltens.
Ich frage mich, was ich an Stelle der Ukrainerin getan hätte.
Die hoch überlegene Siegerin und Weltmeisterin tritt an, noch einmal Weltmeisterin zu werden, gewinnt und zeigt danach demonstrativ, was sie vom völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Russischen Föderation auf ihr Heimatland hält. Es ist nicht allein Putins Krieg. Es ist ein Krieg, den ein Staat ungerechtfertigt gegen den anderen führt.

Olha Charlan
Ich glaube, wir können davon ausgehen, dass Charlan der Russin persönlich nichts vorzuwerfen hat. Beide sind Sportsfrauen, erfolgreich, fair, die Besten ihres Fachs. Doch darum geht es hier nicht.
Hier zeigt jemand, dass ihm der ersehnte und greifbare sportliche Erfolg mit all seinen süßen Früchten weniger wichtig ist, als dem Aggressor gegenüber Haltung zu zeigen. Bewundernswert.
Eine Weltmeisterin weiß, was ihr im Falle einer Regelverletzung blüht. Sie weiß, dass das Schiedsgericht nicht anders kann, als sie zu disqualifizieren. Gerade in dieser stolzen Sportart, die aus einer Tradition stammt, in der in vergangenen Zeiten Ehrenhändel unter Edelleuten mit scharfer Waffe ausgefochten wurden.
Dass sie dennoch von ihren Gefühlen überwältigt wurde, wie sie selbst schreibt, und innerlich schreien wollte – nur ein weiterer Beweis dafür, wie wertvoll ihre Geste war.
Haltung zeigen, sich hintanstellen, wenn das Große zählt. Seine Ansichten auch gegen Widerstände durchsetzen, wenn sie für die gerechte Sache stehen. Zu seinen Überzeugungen stehen, auch wenn sie anderen nicht gefallen. Es scheint mir, dass diese Werte selten geworden sind in der Gesellschaft.
Wie großartig, wie mächtig und wie wichtig, wenn Menschen Rückgrat haben und es auch zeigen.
Der ukrainische Fecht-Verband hat die Disqualifikation übrigens angefochten. Nicht, um den Ausdruck des Protests der Sportlerin zu schmälern oder gar zurückzunehmen. Nein, der Einspruch soll bewirken, dass Charlan das ukrainische Team bei den Mannschaftswettbewerben unterstützen darf, von denen sie ebenfalls ausgeschlossen würde, wenn die Disqualifikation Bestand hätte. Auch das als Ausdruck dessen, wes Geistes Kind diese Fechterin ist.
Wie hieß es doch gleich bei den „Drei Musketieren“, wenn sie gemeinsam in den Kampf zogen: „Einer für alle – alle für einen!“
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
Update: Inzwischen wurde die Sperre tatsächlich aufgehoben: Ukrainerin Olha Charlan darf bei WM weiterfechten. Der Fechtverband meldete außerdem, die Regeln geändert zu haben. Der Handschlag am Ende eines Kampfes sei nun nicht mehr verpflichtend.
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