Millionen für Computerspiel-Branche: Wenn der Staat Kreativität fördert, bekommt er Ideologie
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Es sind schlechte Zeiten für Satiriker: Die beste Satire schreibt die Realität. Ein Zwölf-Milliarden-Loch klafft im Bundeshaushalt, seit Monaten droht das Ampel-Aus wegen der Finanzierungslücken – aber die Bundesregierung finanziert skurrile Computerspiele in Millionenhöhe.
Öffentlich hochgekocht ist das Thema in dieser Woche anlässlich der Spiele-Messe Gamescom, die auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) besuchte. Er versprach den Herstellern für das kommende Jahr ein neues Förderkonzept, das diese steuerlich entlasten solle. Denn die Regierung muss trotz sprudelnder Steuereinnahmen den Rotstift ansetzen. Eigentlich sollte die Förderung der Games-Industrie, die zuvor in Habecks Haus angesiedelt war, von 2024 bis 2026 in die Zuständigkeit der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne), wandern: 100 Millionen Euro waren eingeplant. Nun wird die Summe wohl eingestampft.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf der Videospielmesse Gamescom.
Und nicht mal Habecks Vorschlag einer steuerlichen Entlastung dürfte durchkommen, denn Finanzminister Christian Lindner (FDP) widersprach sogleich: Es bedürfe „nicht zwingend einer steuerlichen Förderung“ der Spiele-Branche.
Lindner wehrt sich zurecht gegen die Förderung. Das zeigt ein Blick auf die staatlich finanzierten Projekte der vergangenen Jahre. In den letzten fünf Jahren wurden vom Bund bereits 200 Millionen Euro an Spieleentwickler ausgeschüttet. Jedes Jahr standen 50 Millionen Euro aus Habecks Haus zur Verfügung – obwohl die Ampelkoalition von Beginn an um nichts so sehr ringt wie um das Geld.
In Deutschland gelten Computerspiele seit 2008 offiziell als Kulturgut. Dies entschied der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der deutschen Kulturverbände. Für die Computerspiel-Branche bedeutet das nichts Gutes – gerade in Zeiten, in denen die Regierung die Kultur als ideologisches Einfallstor nutzt.
So lesen sich die Spiele, die wir mit unserem Steuergeld bezahlen, teils wie kommunistische Phantasmen: Rund 930.000 Euro erhält ein Entwickler für das Spiel „Tropico 6“. Das Wirtschaftsministerium schreibt dazu heiter: „In Tropico 6 schlüpft der Spieler in die Rolle des Diktators ‚El Presidente‘ und übernimmt die Führung des kleinen, namensgebenden karibischen Inselstaates ‚Tropico‘ von den Anfängen in der Kolonialzeit bis in die Moderne.“ Die staatliche Förderung ermögliche, das bereits existierende Hauptspiel um „eigene Mechaniken, Missionen, neue Gebäude, Forschungen und Erlasse“ zu erweitern.

In „Tropico 6“ wird der Spieler zum Diktator.
Jeder weiß, was Erlasse von Diktatoren bedeuten: Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, Abschaffung von Wahlen, brutale Niederschlagung demokratischer Proteste.
Ein anderes Spiel, das die Regierung mit rund 200.000 Euro fördert, kreist um „eine Gruppe idealistischer junger Menschen, die sich gegen mächtige Unternehmen stellen“, wie es auf der Website von Habecks Ministerium heißt. Ausgerechnet das Wirtschaftsministerium fördert also ein Spiel, in dem Unternehmertum und Idealismus als Gegensätze dargestellt werden.
Zahlreiche Spiele widmen sich Umwelt und Klimawandel: Das Spiel „ClimateTimeMachine“ etwa unternimmt Zeitreisen in die Klimazukunft (knapp 170.000 Euro Förderung), im Spiel „State of Nature“ haben „die katastrophalen Folgen des globalen Klimawandels jegliches Zusammenleben unmöglich gemacht“ (190.000 Euro Förderung), fast 270.000 Euro haut die Bundesregierung für ein „Entsorgungsspiel“ raus: „Nur, wer die Rohstoffe klug einsetzt und Müll als Wertstoff begreift, wird seine Gesellschaft langfristig erhalten können.“

Die Welt nach der Klima-Apokalypse.
Das „Oktoberfest-Spiel“, das die Steuerzahler eine schlappe Million kostet, simuliert das Oktoberfest, allerdings als politisch korrekte Vielfalts-Vision: im Dirndl, auf Fahrgeschäften, am Hau-den-Lukas wimmelt es nur so vor schwarzen Wiesn-Besuchern.

Die Wiesn, wie die Spiele-Branche sie sieht.
An der Computerspiel-Branche zeigt sich sinnbildlich, was in der deutschen Wirtschaft schiefläuft: Wenn der Staat Kreativität fördert, bekommt er Ideologie. Besonders deutlich wird dies immer dort, wo es um Produkte der Kreativbranche geht, doch es gilt für das gesamte Unternehmertum. Wer am Tropf des Staates hängt, muss sich nicht mehr an den Wünschen der Kunden orientieren und kreative Lösungen finden. Das Wohlwollen der Regierung wird zu seinem Maßstab.
Der Spieleentwickler Jakob Braun bezeichnete gegenüber dem ZDF die wegbrechende Förderung als „absolute Hölle, weil man ja keinerlei Planbarkeit mehr hat.“ Nun, diese Hölle hat einen Namen: Sie nennt sich freie Marktwirtschaft und brennt gnadenlos weg, was keiner braucht. Zum Beispiel Flugsimulatoren auf dem technischen Stand von 2000 (370.000 Euro Förderung) oder Spiele, in denen man in die Rolle eines „unbeholfenen Ritters“ (365.000 Euro Förderung) oder eines Barkeepers (rund 130.000 Euro Förderung) schlüpft.

In „Lucky Tower Ultimate“ spielt man einen unbeholfenen Ritter.
Auch Park-Simulatoren, bei denen man „Parkhäuser in einer dynamischen Stadtumgebung bauen und managen“ muss, dürften es auf dem freien Markt schwer haben. Aber solange sie vom Wirtschaftsministerium gefördert werden, ist zumindest eines gewiss: Die Spieler werden „die Möglichkeit haben, Ihre Parkumgebung eco-friendly umzusetzen.“
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