Mit 25 PS ins Glück: Was die Fahrt in einem Käfer mit einem machen kann
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Diese Woche jährt sich unser Grundgesetz zum 75. Mal – am 23. Mai 1949 wurde es in Bonn durch den Parlamentarischen Rat feierlich verkündet. In Wolfsburg lief gerade die Produktion eines Autos an, das als Meisterwerk an Innovation und Wirtschaftlichkeit weltweit gefeiert werden sollte: der VW Käfer.
Er wurde zum erfolgreichsten deutschen Auto aller Zeiten – über 21,5 Millionen Mal verkauft. Luftgekühlter unverwüstlicher Boxermotor – der Käfer war mit seiner Mechanik und seiner runden Form ein Stück unverwechselbarer deutscher Fertigungsqualität. Er war „Made in Germany“ im besten Wortsinn. Er entwickelte sich zum weltweiten Exportschlager – er war das Symbol des Wirtschaftswunders. Um ihn zu erwerben, musste ein durchschnittlich verdienender Arbeiter 16 Bruttomonatslöhne aufbringen – die Standardausführung kostete 1960 knapp unter 5000 D-Mark.
Ich habe jetzt den B-Teil beschrieben. Denn: Natürlich muss man den Käfer heute erklären. Es sind zwei Generationen vergangen, seit dieses Auto nicht mehr unser Straßenbild prägt. Es gab fast kein Straßenfoto aus deutschen Städten in den letzten Jahrzehnten, auf dem nicht ein Käfer zu sehen ist. Jetzt ist der Käfer verschwunden. Nicht ganz. Ich habe ihn gerade erlebt, live. Mein Cousin besitzt einen. Ich durfte ihn fahren – eine Sensation.
Keine Servolenkung, aber dennoch Fahrkomfort
Auf den Straßen Oberbayerns gibt es keinen Mangel an stattlichen Limousinen. Sie rollen mehr oder weniger lautlos dahin. Im Raum Starnberg fällst du nicht auf mit Jaguar, BMW 7er, Porsche oder Mercedes-Sportwagen. Mit einem lauten Käfer schon. An roten Ampeln bleiben Passanten stehen und fragen dich nach PS und Höchstgeschwindigkeit. Den Satz „so einen hatte ich auch“, hörst du fast von jedem älteren Fußgänger. Mein Käfer (der von meinem Cousin natürlich) ist knallorange, er leuchtet Kilometer weit. Das Lenkrad ist so groß wie das von einem Trecker. Keine Servolenkung, der Käfer stammt aus den 60er-Jahren, da musste man noch ordentlich kurbeln. Auch bremsen geht nicht zaghaft. Der Spruch „geh in die Eisen“ ist da treffend. Die 25 PS beschleunigen gemütlich, die dünnen Originalreifen erlauben nicht mehr als 100 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Aber bitte nicht in den Kurven.
Ich habe das alles ganz gut gemeistert. Mein lieber Cousin blieb jedenfalls gelassen und ungerührt neben mir sitzen. Ich habe nicht alles richtig gemacht – es ist ja auch 40 Jahre her, dass ich meinen letzten Käfer gefahren bin. Jetzt habe ich den Käfer beim Anfahren wiederholt abgewürgt, die richtige Gasdosierung ist beim gleichzeitigen Auskuppeln nicht leicht. Den Blinker muss man zurückstellennach dem Abbiegen, das geht nicht automatisch. Eigentlich sind wir immer mit Blinklicht gefahren, vielleicht ganz gut so.
Diese Reise nach Bayern und die Fahrt ins Glück mit 25 PS – ich wünsche Ihnen, liebe Leser, dass sie so was auch mal machen können. Manchmal sind die alten Sachen besser als die neuen.
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