Vokuhila heißt jetzt Mullet – muss dieses Comeback wirklich sein?
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Dieser junge Mann will uns etwas über Investitionen erklären. Das Problem: Niemand schaut auf seine Zahlen. Einzig seine Frisur steht im Fokus.

Selbst Finanzprodukte werden jetzt von Männern mit Mullet beworben.
Apropos Frisur: Sehen Sie dieser Tage – vor allem in den Großstädten – auch so viele Vokuhilas? Sie haben sich nicht getäuscht und waren auch in keiner Zeitkapsel. Die Retrofrisur aus den 80ern, vorne kurz, hinten lang, prangt seit ein paar Jahren wieder fest auf jedem dritten Hipsterkopf, gerne auch mal durch einen baumelnden Ohrring samt Schnauzer ergänzt. Ach ja, die Stofftasche ist noch wichtig.
Aus Vokuhila wird Mullet
Diese Frisur sagt: Ich bin ein Produkt der neuen (alten) Zeit und nicht mehr die olle Fußballerfrise aus den 1980ern, die auch Manta-Fahrer liebten. Heute heißt sie „Mullet“ und ist das Aushängeschild der Matcha-Jünger. Der Name kommt vom Wort „Mullethead“ und wurde im 19. Jahrhundert benutzt, um geistig eingeschränkte Menschen zu beschreiben. Bei uns wurde die Frisur vor allem durch Fußballer wie Rudi Völler berühmt. In Dänemark gibt es bis heute die Bezeichnung „Bundesligahår“, weil so viele unserer Kicker den Vokuhila trugen.

Rudi Völler wurde 1990 Fußballweltmeister. Frisurenweltmeister ist er ohnehin.
Aber er ist eben nicht nur eine Frisur für eher athletisch veranlagte Menschen, sondern Kunst: In den 70er-Jahren trug David Bowie als Ziggy Stardust Vokuhila. Und seit ein paar Jahren tragen gefühlt alle jungen Männer (und ein paar junge Frauen) den Haar-Unfall als politisches Statement. Motto: Sag mir, was du auf dem Kopf hast, und ich sage dir, was drin ist.

David Bowies „Ziggy Stardust“ war eine androgyne Alien-Rockstar-Kunstfigur, die er Anfang der 1970er Jahre verkörperte.
Wer heute Mullet trägt, will zeigen, dass er gendersensibel ist. Denn in der queeren Szene galt und gilt der Style als Zeichen für Lesben, die sich als „Butch“ identifizieren, also einen männlichen Stil tragen. Außerdem spielen die unterschiedlichen Längen natürlich mit Klischees von Weiblichkeit und Männlichkeit. Der Mullet ist das Gegenstück zum weiblichen Problempony. Im Internet heißt es über Aktivistinnen mit diesem Haarschnitt: „Je kürzer der Pony, desto länger die Diskussion.“

Bestsellerautorin Caroline Wahl wird für ihren „White Girl Feminism“ kritisiert.
Proll ist toll
In England sagt man zum Mullet: „Business in the front, party in the back“ – frei übersetzt: vorne seriös, hinten Party. Die Süddeutsche Zeitung nannte ihn den meistgehassten Haarschnitt der Geschichte. Jetzt ist kein Fashion-Event, keine Modelshow mehr denkbar ohne Mullet. Früher trugen ihn die Nicht-Akademiker, heute tragen ihn Werber, Studis und Mit-Buch-im-Café-Sitzer. Als Intellektueller aussehen wie ein Innenverteidiger, das ist der Twist. „Proll ist wieder toll“, schreibt die Weltwoche.
Während der Marc-Forster-Look mit Bart-Käppi-Brille vor ein paar Jahren wohl aus reiner Zweckmäßigkeit entstand (keine Haare und Sehschwäche), gibt es für einen Mullet exakt NULL Gründe – außer den, sich als modern und woke erkennen geben zu wollen.

Jacob Elordi kann eigentlich alles tragen. Aber bei seinem Vokuhila ist für viele Fans Schluss.
Nicht nur in Berlin-Mitte, auch in der Werbung und in politischen Kampagnen tauchen Mullets auf den Köpfen junger Männer auf. Hier wirken sie aber weniger als ein Fashion-Statement, als ein Zeichen der richtigen Gesinnung.

Ski Aggu gehört zu den berühmtesten Rappern in Deutschland. Seine Markenzeichen: Skibrille und Vokuhila.
Aber es gibt gute Nachrichten: Die Uhr tickt für den Mullet. Auf den Fashion-Shows waren dieses Frühjahr vor allem Männermodels mit kurzen oder feminin-langen Haaren zu sehen. Sieht so aus, als müsse sich die gruseligste Frisur aller Zeiten wieder für ein paar Jahre verabschieden. Wir werden sie nicht vermissen.
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