Neues „Tannen“-Grün im Wahlkampf: Die Grünen entdecken ihre dunkle Seite
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Es muss so ein schönes Leben sein, wenn man Politiker berät. Man kann sich die absurdesten Dinge ausdenken. Irgendeiner mit Parteibuch plappert sie schon nach. Und irgendjemand im Publikum nickt dann generös, was das denn wieder für eine grandiose Botschaft ist.
Meine Lieblings-Geschichte aus dem politischen Berlin in dieser Woche geht so: Die Grünen wollen nicht mehr grün sein. Das ist keine Entwarnung, sondern eine Ankündigung der Partei. Es geht dabei leider nicht um politische Grundsätze, sondern um den Farbton auf den neuen Wahlplakaten.

Das Tannen-Trio: Emily Büning, Ricarda Lang und Omid Nouripour bei der Vorstellung der Kampagne für die Europawahl.
Das knallige Hellgrün wird ersetzt durch eine dunklere Version – die Grünen entdecken gewissermaßen eine düstere Seite an sich. Man könnte sich dafür jetzt hunderte Gründe einfallen lassen, die jeder sofort glauben würde: Wirkt sympathischer. Verblasst nicht so schnell. Einfach mal was anderes probieren.
Aber das, was dann hochbezahlte Marketing-Experten der Bundesgeschäftsführerin Emily Büning ins Ohr geflüstert haben, ist unbezahlbar. Büning trägt vor der versammelten Hauptstadtpresse vor: „Wir haben als Partei nach der letzten Bundestagswahl Verantwortung in der Bundesregierung übernommen … Wir haben Verantwortung in Regierungen in vielen Bundesländern aktuell und wir haben uns weiterentwickelt als Partei. Und wir haben uns entschieden, hier eine dunkle Farbe, wir nennen sie ,Tanne‘, zu wählen als Hauptfarbe, die eben auch diesen Verantwortungston auch nochmal zeichnet.“
Wer kennt das nicht aus der Schulzeit, wenn man Gras oder Blätter an die Bäume mit dem Wassermalkasten gepinselt hat: Je dunkler das Grün, desto mehr Verantwortung drückt es aus, da entwickelt man sich als Künstler ja auch weiter. Geht aber noch weiter und wird viel besser. Büning nennt das neue Tannen-Grün noch „staatstragend“.
Staatstragend. Tannen-Grün ist staatstragend.
Ich spare mir jetzt Kalauer im Sinne von, die Partei will uns nicht mehr hinter die Fichte führen oder plant am Verteidigungsministerium einen großen Tannenzapfenstreich.

Die Bundesvorstände von Bündnis 90/Die Grünen, Ricarda Lang und Omid Nouripour, stellen den Antrag zur Vorstellung für das Wahlprogramm zur Europawahl 2024 vor.
Und wünsche mir stattdessen, dass die Spitzenkräfte der Grünen sich nicht durch Farben, sondern durch ihr Verhalten in Richtung „staatstragend“ entwickeln. Annalena Baerbock, die durch die Welt reist und Diplomaten auf der ganzen Welt erklärt, was feministische Außenpolitik ist. Robert Habeck, der verwuschelt auf Fensterbänken hockt und darüber philosophiert, dass Bäcker nicht pleite gehen, sondern nur nicht mehr produzieren. Cem Özdemir, der in seinem Leben nur Hanf angebaut hat, aber den Bauern vorschreiben will, wie Landwirtschaft geht.
Die Grünen brauchen mal ganz dringend einen neuen Anstrich. Aber das hat nichts mit ihrer Partei-Farbe zu tun.
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