Politik für Genießer mit einem Hauch Dekadenz: „Ein Espresso im Staatssekretärsbüro“
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Es ist immer schön, wenn Menschen in sich ruhen. Inmitten all der Hektik und Atemlosigkeit des Berliner Politikbetriebs hat sich der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) aus dem Ries-Donau-Kreis in Bayerisch Schwaben ein kleines Refugium geschaffen. Sein Staatssekretärsbüro im Verkehrsministerium. Obwohl: So klein ist das Büro nun auch wieder nicht. Liebevoll schwenkt die Kamera vom Schreibtisch herüber zur Sitzgruppe und der Schrankwand für Akten und Bücher ...
„Ein Espresso“, sagt Lange mit großer Gelassenheit und hält die Tasse ins Bild. „Ein Espresso in meinem Ministeriumsbüro, meinem Staatssekretärsbüro, mit einer Staatssekretärstasse, einem Geschenk von einer ehemaligen Mitarbeiterin in meiner neuen Funktion.“ Für meine neue Funktion, soll es wohl heißen, sonst wäre es ja keine ehemalige Mitarbeiterin, aber wer wollte kleinlich sein: Auch Influencern in Anzug und Krawatte unterlaufen mal kleine Ungenauigkeiten.
Bitteschön:
Am Anfang war das Social-Media-Team
Mach’ mal was auf Social Media, werden sie dem Staatssekretär gesagt haben. Zum Beispiel auf Insta, hat das Team vorgeschlagen, und Ulrich Lange hat verstanden, dass dieses moderne Zeug heute irgendwie dazugehört. Diese ganz beiläufigen Dinge aus dem Alltag lieben die Leute, werden sie ihm gesagt haben, und er hat sich nach etwas Bedenkzeit für die Staatssekretärstasse in seinem Ministerbüro entschieden. Einfach mal was ganz Alltägliches. So einen kleinen Einblick jenseits der Akten in den stressigen Alltag eines Profi-Politikers.
Und so hat er sich dann mit seiner lustigen Espressotasse in den Sessel gesetzt, wo er sonst Besucher begrüßt und ganz entspannt etwas über Espresso im Amt erzählt. „Der Espresso gehört auch im Ministerium dazu neben all den Akten, Terminen und Besprechungen und alldem, was hier an Arbeit anfällt.“ Die kleinen italienischen Momente beim Regieren, verstehen wir, und müssen an diesen alten Werbespot denken, der so wunderbar Ruhe und Geborgenheit verströmte: „... du kommst rein, kannst dich freun, bist zufrieden ...“ auf der entspannten Melodie von Cat Stevens „Father and Son“.
Savoir-vivre im Staatssekretärsbüro
„Ein Espresso. Eine gute Woche“, sagt Ulrich Lange und prostet uns mit jener freundlichen Ausgeglichenheit an, die man mit rund 24.000 Euro Monatsgehalt im Staatssekretärsbüro verspürt, wenn sich draußen in der wilden Welt die Dinge überschlagen und man es mit 56 Jahren endlich geschafft hat.
Wir wissen nicht, ob all die anderen 37 Staatssekretäre der Bundesregierung auch ihren Espresso aus kleinen, meditativen Staatssekretärstassen trinken und dabei ein sympathisches Phlegma an den Tag legen, gegen das ein unterkühlter Leguan ein Hektiker ist. Die Sache mit diesem Social Media jedenfalls ist für Ulrich Lange voll aufgegangen. Eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit durchströmt bei diesem Video den Betrachter: Hier versickern keine Steuerzahlergelder. Hier sehen wir unsere Fiskus-Groschen liebevoll investiert in praktisches Mobiliar, eine großzügige Arbeitsfläche und jene nervenschonende Lebensart, die die Franzosen Savoir-vivre nennen.
Wir spüren: Hier wird noch angepackt. Hier ist Deutschland in guten Händen. Hier lebt Genuss ohne abgespreizte Fingerchen. Hier lässt sich jemand nicht vom Tagesgeschäft treiben, sondern hat noch ein Gespür dafür, was wichtig ist im Leben. Oder um es mit Loriots Familie Hoppenstedt zu sagen: „Oh, ein Espresso, ein Espresso ...“
Ein Land, dessen Wohlstand stilvoll vertrödelt wird. Parteien, die inhaltlich längst erschlafft sind und sich an das Leben in vom Steuerzahler finanzierten Ministerien gewöhnt haben. Wer soll es denn sonst tun, wenn nicht wir! Ein Video, das den feinen Hauch von Dekadenz verströmt, ein freundliches Siechtum, mit Haltung und Spaß dabei. „Ein Espresso!“
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