Polizei-Video entlarvt, wie „Der Spiegel“ manipuliert
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Niemand in der deutschen Medienlandschaft lügt und erfindet so poetisch und perfide wie der Spiegel.
Der Märchenerzähler Claas Relotius konnte nur beim Spiegel zum Starreporter aufsteigen, weil für den Spiegel alles wahr ist, was schön klingt, schön geschrieben ist und schön ins eigene Weltbild passt.

Claas Relotius veröffentlichte jahrelang erfundene Reportagen im „Spiegel“ und wurde mehrfach dafür ausgezeichnet.
Der Spiegel leistet sich eine ganze Armada von Reportern, die immer die fantastischsten Geschichten erleben, die wiederum alles bestätigen, was beim Spiegel alle denken. Jede Laubsägearbeit ist weniger holzschnittartig als das Weltbild eines Spiegel-Redakteurs. Der Spiegel ist die Heimat der üblen Kolportage, wo all das, was man gern hätte, aber nicht beweisen kann, solange geraunt wird, bis es Spiegel-Lesern, die den Spiegel lesen, um intelligenter zu erscheinen, als sie sind, als Fakten erscheint. Sagen, was ist – das war einmal das Motto beim Spiegel. Heute müsste es lauten: Sagen, wie wir’s gern hätten.
Die aktuelle Folge „Achtung, Reichelt!“ sehen Sie hier:
Gefangen in der eigenen Wahnwelt
Nichts hasst der Spiegel so sehr wie das Amerika von Donald Trump samt all seiner Wähler. Menschen, die nur über den Spiegel von den USA erfahren, müssen sich das Land als düsteres Neandertal voller Rassisten und Fanatiker vorstellen, in dem nur ein paar Aufrechte an den Universitäten und in den Think Tanks gegen die aufziehende Diktatur kämpfen. Im Spiegel fahren alle Trump-Wähler Pick-up oder sind rechte Milliardäre, während alle Trump-Gegner als lebende Abbilder der Freiheitsstatue mit Augenringen beschrieben werden, müde vom ständigen Kampf gegen Rechts, gegen Trump und den neuen amerikanischen Faschismus.

Donald Trump und seine Anhänger werden vom „Spiegel“ häufig diffamiert.
Auf dem Spiegel-Titel letzte Woche sah man Donald Trump, der Wladimir Putin grinsend die Hände auf die Schultern legt. Dazu die denkbar plumpe Zeile:

„Zwei Schurken, ein Ziel. Wie Trump und Putin Europa angreifen“. Niemand, der klar bei Verstand ist, würde jemals einen Diktator und den frei gewählten Präsidenten der ältesten Demokratie der Welt gleichsetzen. Schon gar nicht würde irgendein ernstzunehmender Journalist auf den Titel schreiben, dass beide Europa angreifen, wenn der eine Krieg in Europa führt und der andere Europa schon vor fast einem Jahrzehnt vor eben diesem Krieg gewarnt hat und der größte militärische Unterstützer der Ukraine ist. Solche Gleichsetzungen sind obszön und geradezu krankhaft. Jedem normalen Menschen zeigen sie, dass man beim Spiegel in einer eigenen Wahnwelt gefangen ist.
Bei ihrer Arbeit gehen Spiegel-Redakteure normalerweise vorsichtig vor. Liest man ihre Geschichten, weiß man als durchschnittlich begabter Leser mit ein bisschen Lebenserfahrung, dass sich viele Dinge nie und nimmer so zugetragen haben können, weil es die Welt, die Spiegel-Redakteure schildern, so schlicht nicht gibt. Die Guten sprechen immer wie Robert Redford, die Bösen entweder wie James-Bond-Bösewichte oder wie grunzende Waldbewohner, je nach Klischeebedarf. Aber weil Spiegel-Reporter normalerweise keine Spuren hinterlassen und manchmal auch gar keine Spuren hinterlassen können, weil sie wie Relotius nie an dem Ort waren, von dem sie schreiben, ist es schwer, ihnen ihre Märchen nachzuweisen.
Bis jetzt.
Der Fall Winnfield
Vor einigen Wochen erschien im Spiegel eine Reportage über die Abschiebe-Offensive von Donald Trump. Abschiebungen mag man nicht beim Spiegel. Abschiebungen entstammen dem Reich des Rassismus. Die Spiegel-Geschichte trug den Titel „Wie ein Anwalt in den Südstaaten gegen Trumps Abschiebemaschine kämpft“.

Die Rollen waren klar verteilt: Illegale Migranten gut, Anwalt gut, Südstaatler dumm, primitiv, paranoid, misstrauisch und böse. Der Autor, Jonah Lemm, war schon als Jugendlicher als journalistischer Anti-AfD-Aktivist aktiv. Und natürlich traf er auf böse Trump-Fans und Fox-News-Gehirngewaschene, die ihn aus einer Kleinstadt vertreiben wollten. Daraus verfasste Jonah Lemm ein rührseliges Heldenepos, in dem er selbst, der Reporter, immerhin der Zweitmutigste ist, gleich nach dem Asylanwalt.
Allein, die Geschichte hat sich etwas anders zugetragen, wie Video-Aufnahmen beweisen, die uns vorliegen.
Jonah Lemm filmte bei einem Football-Spiel in der 4000-Einwohner-Gemeinde minderjährige Mädchen in Cheerleader-Kostümen und fuhr wenig später am Haus von einem der Mädchen vorbei. Das war der Grund, warum die Menschen im Ort misstrauisch wurden und die Polizei riefen.
Meine Kollegin Joelle Rautenberg hat die Bodycam-Aufnahmen der Polizei vor Ort besorgt, solche Aufnahmen sind in den USA öffentlich. Sie hat mit den Beteiligten gesprochen und dokumentiert, wie man sich beim Spiegel die Wahrheit zurechtbiegt.
Die Geschichte handelt also davon, wie Jonah Lemm ein Football-Spiel der Highschool-Mannschaft von Winnfield, Louisiana besucht. Wir dokumentieren hier, was Lemm schreibt und was sich aus den Video-Aufnahmen ergibt.
Lemm schreibt: „Das Footballspiel war am Freitagabend. Die Winnfield Tigers trafen auf die Jonesboro-Hodge Tigers. Am Platzrand standen Pick-up-Trucks (natürlich, Pick-up-Trucks), die im Flutlicht glänzten. Das Ticket kostete elf Dollar. Die Teams liefen ein, hinter mir aß ein Mann schmatzend (natürlich schmatzend) Erdnüsse, Libellen zischten über die Köpfe. Jemand sprach über Lautsprecher ein Gebet. Man bat Gott um ein faires Spiel. Gott antwortete nicht.“
Wie es sich für einen Spiegel-Redakteur gehört, macht Lemm sich über den Glauben der Menschen in Winnfield lustig. Aber in der Realität klang das, was er selbst gesagt hat, ganz anders. Hier sind die Polizeiaufnahmen:
Zu den Polizisten sagt der Spiegel-Reporter, er fand es „pretty cool“, dass vor dem Football-Spiel gebetet wurde, weil er selbst Lutheraner sei. In seinem sogenannten Nachrichtenmagazin macht er sich dann darüber lustig, dass Gott nicht auf das Gebet antwortete, was vermutlich auch niemand in Winnfield erwartet hatte. Man muss sich schon fragen, was das für eine ganz besondere Form von Niedertracht ist, Menschen mit Wertschätzung für ihren Glauben zu täuschen, um sie dann als Durchgeknallte darzustellen, die vor dem Football auf das Wort Gottes warten.
Weiter geht es im märchenhaften Text des Spiegel-Reporters: „Ich machte mit meinem Handy ein paar Bilder und Videos vom Spielfeld und der Tribüne. Es dauerte wenige Minuten, da sprach mich eine Frau an, Mitte 40 vielleicht. Sie wollte wissen, für wen ich sei. Ich sagte für niemanden, ich käme aus Deutschland und sei Reporter. Sie fragte, warum ich hier sei. Ich sagte, ich wolle über Winnfield schreiben. Die Frau glaubte mir nicht. Sie schrie mich an: ‚Du hast gerade unsere Mädchen gefilmt!‘ Sie meinte, das begriff ich nach einigen Sekunden, die Cheerleaderinnen. Teenagerinnen, die unter uns Räder schlugen und sich bei 30 Grad ein Lächeln auf den Mund quälten. Um mich herum machten viele Menschen Videos und Fotos davon, aber das schien die Frau nicht zu stören. Ich hatte verstanden: Einem Fremden traut in Winnfield erst mal niemand. Aber man traut ihm alles Böse zu. Das hier ... war ein paranoides Amerika, getrieben von Angst.“
Getrieben von Angst. Nunja. Wenn man als Fremder in eine winzige Stadt in den amerikanischen Südstaaten kommt und als erstes Fotos von minderjährigen Mädchen in Cheerleader-Kostümen macht und dann am nächsten Abend noch bei ihnen vorbeifährt, dann können Menschen schon mal misstrauisch werden.
Auch Jonah Lemm sah das ein, ganz anders als in seiner Spiegel-Reportage:
Sie sehen es mit Ihren eigenen Augen. Die Polizisten sind die freundlichsten Menschen der Welt gegenüber dem Spiegel-Reporter, sie sorgen sich schlicht um ihre Kinder. Daraus macht der Spiegel-Reporter in seiner Reportage folgende Sätze: „Einer der Polizisten nickte und sagte: ‚Man weiß ja nie, mit all dem Kinderhandel, der so in der Welt passiert.‘ Ich dachte: Ihr schaut zu viel Fox News.“
Natürlich. Wenn Menschen sich sorgen, weil ein Fremder in ihre kleine Stadt kommt und ihre Töchter fotografiert, dann schauen sie natürlich zu viel Fox News. Das schreibt Spiegel-Reporter Lemm, obwohl er auf den Videoaufnahmen ja eingesteht, dass er wohl einen Fehler gemacht hat und gelobt, so etwas nicht noch einmal zu tun.
Weiter heißt es in der Reportage: „‚Hör zu‘, sagte einer der Polizisten. ‚Du hast gegen kein Gesetz verstoßen. Wir können dir nicht per Gesetz sagen, dass du die Stadt verlassen sollst. Aber …‘“
Diese Worte sind tatsächlich so gefallen, aber natürlich lässt Jonah Lemm weg, was die Polizisten DANACH sagen, damit es so klingt, als hätten sie ihn irgendwie bedroht. Tatsächlich haben sie das Gegenteil getan. Sie haben ihm versprochen, ihm jederzeit zu helfen, wenn er in der Stadt bleiben sollte:
Dass die Polizisten Jonah Lemm mehrfach anbieten, natürlich auch ihn zu schützen, wenn er sich entscheidet, in der Stadt zu bleiben, und vor allem unfassbar freundlich zu ihm sind – das lässt Lemm in seinem Artikel weg. Es soll so klingen, als hätten die Polizisten ihn mit bedrohlich hochgezogener Augenbraue aus der Stadt vertrieben, weil sie zu viel Fox News geguckt haben. Tatsächlich ist aber das Gegenteil passiert.
Unter einem Foto von Winnfield steht in der Reportage folgende Bildunterschrift: „Straße in Winnfield: Einem Fremden traut hier niemand“
Einem Fremden traut hier niemand? Seltsam. Warum wurde Jonah Lemm denn dann sogar noch von den Polizisten zum nächsten Football-Spiel eingeladen? Warum sagt man ihm, er hätte sich anmelden und mit der Polizei auf Patrouille gehen können?
„Einer der schlechtesten journalistischen Texte, die ich je gesehen habe“
Meine Kollegin Joelle Rautenberg sprach auch mit dem Sheriff von Winnfield, Josh McAllister, um die Behauptungen des Spiegel-Journalisten zu überprüfen. Gegenüber NIUS sagt McAllister, dass Lemm nicht etwa wegen seiner Nationalität aufgefallen sei oder weil die Menschen in Winnfield verschlossen wären, sondern weil er gezielt Fotos von den Cheerleaderinnen gemacht habe, die allesamt minderjährige Mädchen waren. Gegenüber NIUS zeigt sich McAllister schockiert über den Spiegel-Artikel: „Der Spiegel-Reporter hat nicht nur ein falsches Bild über Winn Parish gezeichnet, sondern auch von ganz Louisiana. Das ist einer der schlechtesten journalistischen Texte, die ich je gesehen habe.“
NIUS fragte auch den Spiegel, warum der Reporter die minderjährigen Mädchen ohne Einverständnis der Eltern gefilmt haben soll. Die Antwort: „Die Aufnahmen waren nie zur Veröffentlichung bestimmt“, man könne kein Fehlverhalten von Reporter Jonah
Lemm erkennen. Die „wenigen Fotos und Videos des Spielfelds“, die Lemm mit seinem Handy aufgenommen habe, seien lediglich „zu Dokumentationszwecken“ entstanden und „nie zur Veröffentlichung bestimmt“ gewesen.
Sie konnten nun mit eigenen Augen sehen, wie der Spiegel arbeitet. Sie können sich selbst eine Meinung bilden. Ich komme zu folgendem Ergebnis: Die Geschichte stand schon fest, bevor die Reise nach Louisiana überhaupt begonnen hatte.
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