Wenn Promis übers Muttersein jammern
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Neuerdings gilt es als schick, übers Mamasein zu jammern. Und zwar ausgerechnet in einer Schicht, die vermutlich keine Geldsorgen und einige helfende Hände im Alltag hat: den Promis.
Im Januar 2024 wurde Caroline Kebekus zum ersten Mal Mutter – mit 43 Jahren. Doch dieses Geschenk sorgte wohl für Turbulenzen. Der TV-Star veröffentlichte daraufhin das Buch „8000 Arten, als Mutter zu versagen“.
Damit reiht sich die Comedy-Queen in die lange Reihe derer ein, die über das neue Leben als Mama schreiben. Auch in ihrem Bühnenprogramm „Shesus“ thematisiert Kebekus ihre Schwangerschaft. Das mag für Mütter witzig und entlastend sein. Neu ist es nicht.

Komikerin Carolin Kebekus bei der Buch-Premiere von '8000 Arten, als Mutter zu versagen' im Gloria Theater in Köln.
Im weinerlichen Ton
Vor allem ist es für viele befremdlich, wenn jemand, der offenbar mit beiden Beinen fest im Leben steht, manchmal mit der natürlichsten Sache der Welt überfordert zu sein scheint. Kebekus spricht gegenüber der FAZ über das Wochenbett, also die Zeit nach der Entbindung. Zitat: „Es ging mir so beschissen, das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Und weiter: „Nach der Geburt habe ich gar nichts hinbekommen. Das hat mich total aus der Bahn geworfen.“
Das können viele Mütter sicher nachvollziehen. Merkwürdig ist nur der weinerliche Ton über etwas, was Millionen Frauen täglich leisten – und oft unter weit schwierigeren Bedingungen. Kebekus sagt im Interview mit der FAZ selbst: „Ich habe Geld, ich habe Familie, ich habe einen fähigen Vater für das Baby und mir sehr früh Kinderbetreuung gekauft. Ich weiß nicht, wie andere Frauen das machen.“
Kebekus will sich nicht aufopfern
Vielleicht, in dem sie das tun, was Mütter eben tun (Kebekus selbst offenbar auch): Anpacken, sich organisieren, das eigene Leben neu ausrichten. Sieben Monate nach der Geburt stand die Comedy-Queen wieder auf der Bühne, stillte in Garderoben und sagt darüber zu RTL: „Wenn ich da nicht hätte auftreten dürfen, das wäre mein Ende gewesen.“
Warum sich nicht – wenn es finanziell machbar ist – eine Pause gönnen, um zusammen mit dem Kind in diese neue Ära hineinzuwachsen? Kebekus gibt möglicherweise mit ihrem Vorwort zum Buch selbst die Antwort:
„Als ich anfange, dieses Buch zu schreiben, ist gerade Muttertag. Auf Facebook und Instagram posten Menschen Bilder ihrer Mütter und schreiben lange, liebevolle Texte über sie. In fast jedem dieser Texte steht so etwas wie: 'Sie ist die beste Mama, die man sich wünschen kann', 'Immer da für ihre Kinder', 'Sie hat sich immer zurückgenommen, um ihren Kindern alles zu ermöglichen', 'sich nie beklagt', 'hat sich aufgeopfert', etc. Krass. Das gehört also wirklich für viele zum Muttersein dazu: dass man sich aufopfert, zurücknimmt. Dem kann und will ich nicht zustimmen.“
Mütter werden oft von außen bewertet
Den Kind-Karriere-Konflikt kennen Millionen Mütter. Nicht alle können daraus einen Bestseller machen. Wer smart ist (wie auch viele Influencerinnen), nutzt diese Doppelbelastung als Material. Feminismus-Empowerment-Stempel drauf. Fertig.
Aber schauen wir nach Hollywood: Auch die zweifache Mutter Jennifer Lawrence gesteht öffentlich ihre Probleme mit dem neuen Leben als Mama: Auf dem roten Teppich in Cannes sagte die 35-jährige Oscarpreisträgerin vergangenes Jahr: „Es gibt nichts Vergleichbares zum Wochenbett. Es ist extrem isolierend, was sehr interessant ist (...). Aber die Wahrheit ist, dass extreme Angstzustände und extreme Depressionen isolierend sind, egal, wo man ist. Man fühlt sich wie ein Alien.“
Mütter werden oft von außen bewertet: Wie schnell sie nach der Geburt wieder schlank sind, ob und wieviel sie arbeiten, wie gut sie alles managen. Für prominente Mütter gilt das umso mehr. Von Heidi Klum war indes wenig über die Probleme des Mutterseins zu lesen.

Helene Fischer steht bereits wieder auf der Bühne.
Gewidmet hat sie das Buch ihrer Mutter
Und auch Helene Fischer, die gerade ihr Comeback feierte, macht einen rundum zufriedenen Eindruck. Die Schlagersängerin zog sich nach der Geburt ihrer zweiten Tochter mitsamt Familie an den Ammersee zurück. Im Gespräch mit Kai Pflaume sagte die 41-Jährige im Dezember: „Ich bin ganz, ganz beseelt. Wir sind maximal glücklich, fühlen uns komplett und sind sehr dankbar. Schöner könnte es für mich gerade nicht sein.“
Eine Nanny gäbe es nicht, so Fischer zu RTL, stattdessen Hilfe von Oma und Opa. Beim neuen Trend, öffentlich über die Tücken des Mutterseins zu klagen, machen also nicht alle Promis mit.
Für manche mag es befreiend sein, lukrativ ist es in jedem Fall: So ein Bestseller spült immerhin wieder Geld in die Familienkasse. Gewidmet hat Caroline Kebekus das Buch übrigens: ihrer Mutter.
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