Reichen unsere Zwangsgebühren nicht mehr? Tatort – die längste Sommerpause aller Zeiten
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Man kann über die ARD kritisch denken, wie man will: Der Niedergang der „Tagesschau“, der einst fast als heilig empfundenen Nachrichtensendung der Nation (wenn etwas nicht in der Tagesschau erwähnt wurde, konnte es nicht wichtig sein), ist unaufhaltsam. Inzwischen ist die 20-Uhr-Sendung zum Verlautbarungskanal der Ampel-Regierung geworden, so empfinden das jedenfalls Millionen TV-Zuschauer, die einfach nicht mehr einschalten.
Die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Zwangsgebühren stehen in Deutschland in vielen Bereichen immer mehr in der Kritik. Eine Sendung aber hat sich über Jahrzehnte auf hohem Niveau gehalten: der „Tatort“ am Sonntag-Abend. Seine Reichweite (Marktanteil) blieb über viele Jahre unverändert hoch (28,4 Prozent), die Einschaltquoten waren und sind ebenfalls herausragend – im Schnitt 8,53 Millionen Zuschauer pro Folge. Statt diese Zahlen zum Ansporn zu nehmen, um den anderen Sendern der ARD-Familie zu zeigen, wie es geht, nun dies – „Tatort“ macht die längste Sommerpause aller Zeiten!

Die Schauspieler Sibel Kekilli (l) in ihrer Rolle der Kommissarin Sarah Brandt und Axel Milberg in seiner Rolle des Kommissar Klaus Borowski im Kieler Tatort „Borowski und der Himmel über Kiel“.
Rekordpause von 17 Wochen für den Tatort
Nach derzeitigem Planungsstand, so heißt es etwas hölzern aus der ARD-Programmredaktion in München, dauert die Pause ganze 17 Wochen – ein Rekord. Bisher galten die Jahre 2020 und 2012 mit ihren 13-wöchigen Sommerpausen als Rekordjahre beim populären Sonntagskrimi. Im vergangenen Jahr dauerte die Sommerpause elf Wochen, vor zwei Jahren zehn Wochen. Nach aktueller Berechnung wird es am Ende des Jahres auch nur 32 neue „Tatort“-Krimis gegeben haben – so wenige wie lange nicht. Voriges Jahr waren es 35, davor 36, im Jahr 2021 waren es 33, davor immer um die 36 bis 37, im Jahr 2015 sogar einmal 40.
Ich will Sie nicht mit diesen vielen Zahlen erschlagen, liebe Leser (und tue es doch). Denn seit Pfingstmontag (20. Mai) gab es keine „Tatort“-Erstausstrahlung mehr. Anders gesagt: Wenn Sie irgendwann mal in diesem Frühling oder Sommer am Sonntag um 20:15 Uhr die Chips rausgeholt haben, um beim „Tatort“ was zum Knabbern zu haben – dann kam bestimmt von einem ihrer Liebsten aus der Familie der Satz: „Mensch, den kenne ich doch schon …“ Zu den Wiederholungen gehören in den kommenden Wochen der NDR-Tatort „Borowski und der Himmel über Kiel“ von 2014 (am 28. Juli), der MDR-Tatort „Level X“ aus Dresden von 2017 (am 11. August) und der WDR-Tatort „Ein Freund, ein guter Freund“ aus Münster von 2022 (am 25.8.). Lassen Sie sich überraschen, was noch alles wiederholt wird.
Was ist nur in die ARD gefahren?
Die ARD-Reihe „Tatort“ gibt es seit fast 54 Jahren (in der Bundesrepublik) und die Krimireihe „Polizeiruf 110“ seit rund 53 Jahren (zunächst als Produktion des DDR-Fernsehens). Der „Tatort“ mit rund 20 verschiedenen Teams der verschiedenen ARD-Rundfunkanstalten sowie vom Schweizer und vom österreichischen Fernsehen ist mit Abstand Deutschlands populärste TV-Reihe. Seit 1970 wurden bisher 1271 Filme mit dem Label „Tatort“ versehen und ausgestrahlt.

Schauspielerin Johanna Wokalek als Ermittlerin im TV-Krimi „Polizeiruf 110“.
Was nur ist in die ARD gefahren, dass die TV-Macher ausgerechnet ihr Zugpferd so lange absatteln wie noch nie? Wenn man ein erfolgreiches Pferd hat, muss man es auch laufen lassen, sagt mein gesunder Menschenverstand. Oder reichen unsere Zwangsgebühren nicht mehr, um genügend neue „Tatort“-Krimis zu produzieren? Wundern würde es mich nicht.
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