Schöner Wohnen für Lesben: Wie Berlins Bürgermeister Wegner sich mit Regenbogen-Projekten blamiert
Ein Beitrag von
Ein Gastkommentar von Birgit Kelle
Kai Wegner kümmert sich als Regierender Bürgermeister von Berlin ganz persönlich nicht nur privat um die sexuell vielfältigen Bedürfnisse aller Bewohner seiner Stadt, sondern jetzt auch ganz offiziell beruflich und ganz ohne Compliance-Probleme.
Erst in dieser Woche legte er den Grundstein für das Bauprojekt „Lesbisches Leben sichtbar machen“, ein Bauvorhaben für ein „integratives Generationenwohnprojekt“ mit 70 Wohnungen für „lesbische und queere Frauen“, gerne auch mit Behinderungen und alt. Das Haus soll „barrierearm“ werden und auch ein „Kiez-Cafe“, einen Veranstaltungssaal mit „Tanzschwingboden“ für Kultur- und Musikveranstaltungen für „Kulturaktive“, Räume für Beratung, Gesundheitsprävention und Bildungsseminare bekommen und Anlaufstelle für Lesben im Alter und mit Behinderung werden. Das alles im Sinne von „Geschlechtergerechtigkeit in Berlin(s)-Mitte“ und zur Förderung eines diskriminierungsfreien, selbstbestimmten Lebens und Wohnens für queere Frauen und Lesben.

Von links nach rechts: Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Kai Wegner (CDU), Jutta Brambach, Geschäftsführerin der RuT gGmbH, Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin, und Steffen Helbig, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), stehen bei der Grundsteinlegung für das Lesben-Wohnprojekt.
Wir sind Regenbogenhauptstadt
„Wir müssen alles dafür tun, dass lesbisches Leben sichtbarer wird in Berlin“, betonte Wegner eifrig. Berlin setze damit einmal mehr „einen Maßstab, der einzigartig ist in Europa“. Man möchte also als deutsche Hauptstadt nicht nur für die Unfähigkeit zur Durchführung korrekter demokratischer Wahlen weltbekannt sein, sondern den Ruf als „Regenbogenhauptstadt“ ebenfalls sichtbar kultivieren. Berlin ist also gar nicht „arm aber sexy“, wie es der unvergessene Klaus Wowereit als ein Vorgänger von Wegner einst formulierte. Man hat jedenfalls Geld, um in Kooperation mit der städtischen Wohnbaugesellschaft Berlin Mitte mbH WBM spezielle Wohneinheiten für sexuelle Minderheiten zu bauen. Also zumindest für eine sexuelle Minderheit, da geht doch sicher in Zukunft noch mehr angesichts von täglich neu entdeckten „Geschlechtern“ in dieser Szene.

Wegner will lesbisches Leben in Berlin „sichtbarer“ machen.
Das Projekt erscheint jetzt bereits prädestiniert als Gewinner für sämtliche LGBTQI-Achtsamkeits-Preise der kommenden Jahre. Wenn sich jetzt noch ein paar Wohnungskandidatinnen mit lesbischem Migrationshintergrund dazu gesellen, ließe sich das sicher als Best-practice-Projekt für intersektionale Integration international vermarkten.
Nun gut, lesbisches Sterben ist schließlich in Berlin bereits vor Jahren mit der Einweihung des ersten Lesben-Friedhofes in ganz Deutschland abgehakt worden. Seither gilt bereits nicht nur Asche zu Asche, sondern auch Lesbe zu Lesbe. Nicht erst darauf zu warten, dass eine Lesbe stirbt, um sie sichtbar zu machen, sondern jetzt endlich auch lebende Lesben sichtbar zu machen, kann man aus dieser Perspektive selbstverständlich nur begrüßen.
Schon damals stellte sich allerdings die Frage, die sich nun erneut aufdrängt: Woher stammt dieser Drang, die eigene sexuelle Orientierung in allen Lebensbereichen, oder gar bis in den Tod in den Vordergrund zu stellen. Wieso muss man sowohl zu Lebzeiten als auch bis in den Tod ausschließlich in einer Community von Menschen verkehren, mit denen man die sexuelle Orientierung teilt. Hat man denn sonst keine Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen? Lässt sich Freundschaft, Nachbarschaft und ein friedliches Miteinander nur mit Menschen derselben sexuellen Orientierung leben? Haben Lesben keine Eltern, Kinder, Kollegen und Freunde außerhalb dieser eng gesetzten Schnittmenge? Es erscheint nicht nur unwahrscheinlich, sondern nahezu absurd. Es ist zudem gar nicht inklusiv und tolerant, sich derart selbst abzuschotten, um dann im selben Atemzug die Diskriminierung durch die Gesellschaft zu beklagen. Wer sich mit Ansage hinter regenbogenfarbenen Mauern verschanzt, bricht selbst den Kontakt zum Rest der Gesellschaft ab. Das kann ja gerne so gewollt sein, aber ist das mit staatlicher Förderung zu unterstützen oder nicht eher eine private Lebensentscheidung?

Kai Wegner legt einen Aktionsplan vor, der vor allem die linke Zivilgesellschaft unterstützt.
Der Staat, immer an deiner Seite
Die weit verbreitete Euphorie unter staatlichen Institutionen, Behörden und auch Mandatsträgern, sich an den inzwischen ganzjährig stattfindenden Regenbogen-Festspielen der LGBTQ-Community zu beteiligen, Rathäuser mit immer unübersichtlicheren Fahnen zu flaggen und auf CSD-Paraden zu marschieren hat eine unhinterfragte Selbstverständlichkeit festgesetzt, dass der Staat sich an der „Sichtbarmachung“ der sexuellen Vorlieben seiner Bevölkerung unbedingt beteiligen muss.
Unter ähnlicher Argumentation wird schließlich gerade auch ein schwul-lesbischer Kindergarten in Berlin gefördert und eröffnet, damit auch schon Dreijährige sichtbar mit schwul-lesbischem Leben konfrontiert werden, was pädagogisch sicher sehr wertvoll ist.
Auch Wegner betonte explizit seine gefühlte Zuständigkeit im Thema. Die Frage sei jedoch erlaubt: Wieso „müssen“ wir und dann auch noch „alles“ dafür tun, Lesben oder sonstige sexuelle Orientierungen sichtbar zu machen und wer genau ist hier „wir“? Die Wähler der CDU, die Bevölkerung von Berlin oder gleich alle Deutschen? Wegner unterstellt hier einen staatlichen Auftrag, der weder existiert, noch begründet werden kann. Es ist ein Unterschied, ob eine Gesellschaft richtigerweise darauf hinarbeitet, allen Bürgern ein diskriminierungsfreies Dasein zu ermöglichen, oder ob er einzelne Minderheiten herauspickt und sie genaugenommen privilegiert und auf ein Podest stellt. Immerhin schafft man mit dem Lesben-Projekt jetzt einen Präzedenzfall.
Der WBM-Chef Steffen Helbig nahm die sich anbahnende Kritik an dem Bauvorhaben dann bei der Grundsteinlegung auch gleich präventiv deeskalierend in seine Ansprache auf. Angesichts der angespannten Wohnungsmarktlage dürfte es „erwartungsgemäß kritische Stimmen geben, die nicht verstünden, warum ein geförderter Neubau speziell für eine lesbisch-queere Zielgruppe errichtet würde. Das werden sich in der Tat nicht nur normalsterbliche Wohnungssuchende in Berlin fragen. Auch weitere sexuelle Minderheiten aus der LGBTQI-Buchstabenreihe werden das gleich eifrig auf die Liste ihrer Begehrlichkeiten notiert haben – und das auch noch zurecht. Wer sexuelle Vielfalt zelebriert und dann nur eine der vielen fördert, darf sich schon mal auf Klagen im Sinne der Antidiskriminierungsgesetzgebung freuen. Und so manch ein Berliner wird sich wiederum fragen, ob er erst noch das Geschlecht oder sein Sexualverhalten wechseln muss, um in seiner Stadt eine Wohnung zu finden.

Steffen Helbig
Die queer-politische Sprecherin der SPD-Fraktion Wiebke Neumann argumentierte, dass Frauen und vor allem lesbische Frauen immer noch Diskriminierung sowohl im Alltag als auch bei der Wohnungssuche erführen und auch im Alter auf „geschützte Räume“ angewiesen seien, weil sie auch in Altersheimen auf Diskriminierung träfen, weil der „Diversitätsgedanke“ dort nicht stark verbreitet sei.
Nun bin ich nur Laie, aber wie genau erkenne ich die sexuelle Orientierung einer pflegebedürftigen Patientin im Altersheim, um sie dann auch noch genau deswegen zu diskriminieren? Pflegt man heterosexuelle Frauen anders?
Ganz offensichtlich hat Frau Neumann zudem noch nie versucht als Familie mit vier Kindern eine bezahlbare Wohnung in Berlin-Mitte zu finden, diese werden gar nicht erst aufgrund ihrer offensichtlich regen Sexualität bei Bewerbungsgesprächen diskriminiert, das ganze Gespräch kommt gar nicht erst zustande, weil es solche Wohnungen weder für Großfamilien noch für Kleinfamilien und schon gar nicht bezahlbar gibt.
Fahrtenbuch für gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr?
Man muss Herrn Helbig Recht geben, in der Tat drängen sich zahlreiche Verständnisfragen auf, wenn von staatlicher Seite für eine einzelne von vielen sexuellen Vorlieben spezielle Wohneinheiten gebaut werden. Wird das demnächst auch für alle anderen sexuellen Minderheiten getan und wie genau darf man sich die Vorstellungsgespräche bei der Wohnungssuche vorstellen? Wer wird darüber wachen und darüber entscheiden, wer hier wohnungsberechtigt wird. Muss ich mich als mindestens bisexuell outen als Frau, um eine Wohnung zu bekommen? Muss man die lesbische Orientierung irgendwie nachweisen und in welcher Form? Ein Fahrtenbuch für gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr? Was geschieht genau, wenn man als Frau sein Geschlecht oder die Orientierung wechselt, wird man dann aus der Wohnung zwangsgeräumt? Werden Transfrauen und alle ihre Freundinnen ebenfalls Zugang bekommen und was genau ist eigentlich eine Frau nach Definition des Berliner Senats?
Weder die Wohnungsbaugesellschaft noch der Berliner Senat, sondern ganz offenbar das Lesbenprojekt „RuT-FrauenKUltur&Wohnen“ fungieren als Torwächter für die 70 Wohnungen, bewerben kann man sich schon jetzt mit einem ausgefüllten „Bewerberinnenbogen“. Wenn Sie Lust haben, Sie finden ihn hier.

Eine Visualisierung des neuen Wohnprojekts
„RuT“ wird bereits lange mit staatlicher Förderung beglückt, aktuell sowohl vom Familienministerium als auch von der Senatsverwaltung Berlin, der Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Gefragt wird mit konsequentem Geduze in dem Bogen nicht nur nach Familienstand, Behinderungsgrad, Haustieren und finanziellem Einkommen, sondern auch nach persönlichen Ängsten, Belastbarkeit, Erfahrung mit dem Gemeinschaftswohnen und der Bereitschaft sich handwerklich, im Haushalt und in der Versorgung von Mitbewohnern einzubringen. Die richtige sexuelle Orientierung wird nicht abgefragt, sondern offenbar vorausgesetzt bei den Bewerberinnen, allein die Frage „Warum möchtest Du in einem Wohnprojekt mit lesbischen Frauen leben/wohnen?“ handelt diese Frage explizit ab. Es ist wohl nicht empfehlenswert, darunter zu schreiben, dass man in Berlin jede Wohnung nehmen würde, die man kriegen kann, denn die Auswahl der Kandidatinnen und der Zuschlag zur Wohnung wird offenbar über die Damen des Projektes „RuT“ verwaltet. Mir ihnen muss man sich also gutstellen, ein Bewerbungsfoto in lila Latzhose als Hausmeisterin ist sicher hilfreich.
Schöner wohnen für Lesben ist kein Erfolg auf dem Weg der Geschlechtergerechtigkeit, sondern genaugenommen eine seltsame Form neuer Apartheitsgedanken, nur dass die angeblich Ausgegrenzten ihre Abschottung freiwillig vollziehen, sich dafür auch noch feiern, um die Mehrheitsgesellschaft gleichzeitig wegen ihrer Intoleranz anzuprangern, während man gleichzeitig ihr Geld beansprucht.
Man möge sich nur einmal vorstellen, wenn wir in Deutschland plötzlich spezielle Wohneinheiten für Minderheiten wie Schwarze oder für Juden bauen würden. Spräche man dann immer noch von Integration und Minderheitenförderung oder würden wir es nicht als das bezeichnen, was es ist: Ein absichtliche Spaltung der Gesellschaft unter dem Deckmantel der Toleranz.
Mehr von Birgit Kelle bei NIUS:
Frauen werden aus dem öffentlichen Raum verdrängt! Die Silvesternacht zeigt das erbärmliche Ergebnis der offenen Grenzen
Mehr NIUS:
Jan Josef Liefers als Versöhner: Macht diesen Mann zum Bundespräsidenten!
Die neue Esskultur der Deutschen Bahn: Currywurst ohne Pommes, kein Speiseeis
Die Linke beweist auf ihrem Parteitag: Die SED ist nie untergegangen
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Mehr NIUS:
Gelddruck-Maschine für die FIFA: Hört auf, von Trinkpausen zu sprechen!
Peinliche Polit-Propaganda – für wie bescheuert halten die uns eigentlich?!
Berliner Kino gedenkt der „Deutschen Schuld” mit „Gratis: Pelmeni und Vodka”
Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
Wegducken gilt nicht mehr: Die CDU muss vor der Wahl sagen, ob sie mit den Linken regieren würde
Die letzten Helden tragen Trikots
Gedenken an den 17. Juni: Die Einheit wurde uns nicht geschenkt
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare