Sind anständige Gastarbeiter weniger wert als Drogen-Dealer und Taliban-Vertreter?
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In Deutschland wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn es um das Aufenthaltsrecht geht. Selbst nach 50 Jahren erschließt sich mir noch immer nicht, nach welchen Kriterien die Torwächter entscheiden.
Geboren 1972 in Nürnberg als Kind türkischer Gastarbeiter, wagte ich erst im Erwachsenenalter den Schritt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ein spätes Unterfangen, doch die Gründe dafür liegen in einem paradoxen bürokratischen Geflecht.
Um Deutscher zu werden, musste ich zunächst die türkische Staatsbürgerschaft aufgeben – ein Prozess, der die Zustimmung des türkischen Konsulats erforderte. Doch hier kam der Haken: Um die türkische Staatsangehörigkeit ablegen zu dürfen, erwartete man von mir, zuerst meinen Wehrdienst in der Türkei zu absolvieren.

Das türkische Konsulat in Nürnberg.
Stolze Schnauzbärte, stolze Preise
„Aber mein Türkisch ist superschlecht, und meine Erinnerungen an die Türkei stammen hauptsächlich aus meiner frühen Kindheit, als ich in einer viertägigen, strapaziösen Reise im Ford Granada über diverse Landesgrenzen gekarrt wurde, um die Sommerferien bei meiner Großmutter zu verbringen!“, protestierte ich.
Mit stolz geschwellten Schnauzbärten und durchtränkt von Nationalstolz versicherten mir die Konsulatsbeamten, dass es eine große Ehre sei, mein „Heimatland“ zu verteidigen. Anschließend wurde mir folgendes Angebot unterbreitet: Für eine „geringe“ Gebühr von 6000 Euro könnte ich meinen Militärdienst auf lediglich einen Monat reduzieren.
Die Vorstellung, 6000 Euro zu zahlen, nur um einen Monat in einer türkischen Militärkaserne in den Bergen zu verbringen, erschien mir als ein ziemlich schlechter Deal. Selbst für einen Monat in einem luxuriösen All-inclusive-Hotel in Antalya wäre ich nicht bereit, diesen Betrag auszugeben. Da mir die Entscheidung ohnehin durch mein chronisch überzogenes Bankkonto abgenommen wurde, entschied ich mich, weiterhin Türke zu bleiben.
Zermürbende Zivilisationstests
Jahre später, etwa um 2009 herum, versuchte ich es erneut.
Diesmal trat ich wortkarg und mit finsterer Miene auf, ohne mich demütig zu verhalten wie ein Bittsteller. Der Konsulatsbeamte sprach das Thema Wehrpflicht nicht einmal an und fragte stattdessen, warum ich den deutschen Pass nicht schon früher beantragt hätte. Ich verließ das Konsulat überglücklich und eilte sofort zum Nürnberger Einwohneramt, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.

Bekannt für guten Service und schnelle Terminvergabe: deutsche Behörden
Meine gute Laune verflüchtigte sich schnell. Über ein Jahr lang musste ich mich durch einen regelrechten Hindernisparcours kämpfen. Unzählige Dokumente, immer wieder dieselben Fragen, hanebüchene Gebühren – ein zermürbender Prozess, der mich an meine nervlichen Grenzen brachte. Bei jedem Besuch im Einwohneramt fand ich mich in einer Art „Good Cop/Bad Cop“-Situation wieder. Der „Good Cop“ war höflich und zuvorkommend. Er stellte nicht nur Forderungen, sondern bemühte sich tatsächlich darum, auf meine Fragen einzugehen und sie unmissverständlich zu beantworten.
Der „Bad Cop“ behandelte mich stets respektlos und arrogant. Ich fragte ihn, warum mir als vollständig integrierter, berufstätiger Mensch mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen so viele Hindernisse in den Weg gelegt werden, während in meiner Nachbarschaft mindestens ein Dutzend Kleinkrimineller mit deutscher Staatsbürgerschaft leben, die kaum der Sprache mächtig sind. Seine Antwort: „Wenn es Ihnen nicht passt, können Sie ja gehen. Niemand zwingt Sie, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.“
Bis heute frage ich mich, ob dies eine bewusste Taktik war, um herauszufinden, ob ich in einer zivilisierten Weise reagieren oder explodieren würde.
Du kommst hier nicht rein, Oma
Stellen Sie sich das vor: Eine Frau, die 40 Jahre ihres Lebens als Gastarbeiterin in Deutschland verbracht, gearbeitet und Steuern gezahlt hat, tritt in den Ruhestand und kehrt in die Türkei zurück. Allerdings ahnt sie nicht, dass jeder Besuch bei ihren Enkelkindern in Deutschland einem kafkaesken Prozess gleichen würde.
Ja, Sie lesen richtig. Alle paar Jahre muss diese ehemalige Gastarbeiterin, meine 80-jährige Mutter, sich durch einen bürokratischen Dschungel kämpfen, nur um ihre Liebsten zu sehen. Die Stunden, die wir in Telefon-Warteschleifen und mit umständlichen Online-Formularen verbracht haben, sind nicht mehr zu beziffern.

Problemlos in Deutschland: Der Taliban-Funktionär Abdul Bari Omar bei seiner Rede in Köln am Wochenende. Er referierte über den Wiederaufbau Afghanistans.
Umso frustrierender ist es, wenn man liest, dass ein Taliban-Vertreter problemlos nach Deutschland einreisen und in einer Kölner Ditib-Moschee seine Reden schwingen kann.
Gleichzeitig streifen Demonstranten, die offen die Vernichtung Israels und die Errichtung eines Kalifats in Deutschland fordern, ungestört durch unsere Straßen. Selbst chronische Mehrfachstraftäter mit Migrationshintergrund können in Deutschland bleiben, solange sie möchten. Aber meine Mutter, die einen bedeutenden Beitrag zum Wohlstand dieses Landes geleistet hat, muss sich mit bürokratischen Hürden herumschlagen, nur um gelegentlich ihre Enkel besuchen zu dürfen.
Das wirklich Bedauerliche ist, dass meine Mutter sich mit dieser Absurdität abgefunden hat. Kürzlich scherzte sie: „Ich bin so alt, zum Glück muss ich das nicht mehr lange mitmachen.“
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